Altmühl

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Die Altmühl bei Schlungenhof

Altmühl, die

mundartlich:

åldm(ü)l (beide „l“ werden zwischen den Schneidezähnen gesprochen)

Lokalisierung:

Fluss links zur Donau, Länge: 234 km; Ursprung: Frankenhöhe unterhalb der Hohen Leite (oberhalb des Hornauer Weihers) nordöstlich von Rothenburg o. d. Tauber, Lkr. Ansbach; Mündung bei Kelheim (Ndb.).

Geografie

Hafen Schlungenhof am Altmühlsee

Die Altmühl ist im Abschnitt zwischen Gunzenhausen (Brücke der Bundesstr. 466 über die Altmühl beim Altmühlsee: 413 m) und Treuchtlingen (Senefelderschule 409,5 m) der langsamste Fluss Bayerns und einer der am langsamsten fließenden Flüsse Europas. Sie hat auf diesen etwa 28 km nur ein Gefälle von 14 cm pro 1 km (0,14 Promille). Somit kann sie sich nicht eingraben (erodieren), was häufige Hochwasser zur Folge hatte, die durch den Altmühlsee als Ausgleichsbecken deutlich abgemildert werden konnten. Andererseits bremst die Renaturierung nördlich von Treuchtlingen ihren Abfluss wieder.

Ab Dietfurt hat die Altmühl ein Durchbruchstal durch die Fränkische Alb geschaffen. Beide Tatsachen, die langsame Fließgeschwindigkeit bis Treuchtlingen und das Durchbruchstal danach haben die gleiche Ursache, nämlich die Hebung des Fränkischen Jura im Tertiär (vor etwa 60 Mill. Jahren). Der Einschlag des Meteoriten ins Ries vor etwa 15 Mill. Jahren tat ein Übriges, dass sich das Flusssystem in unserem Raum nachhaltig änderte, denn es flog Auswurfmaterial bis in die Treuchtlinger Gegend. Dadurch wurde der Flusslauf des Urmains blockiert. Die Entstehung der Talwasserscheide bei Graben liegt jedoch noch weiter zurück.

Die Altmühl gilt als mäßig bis kritisch belastet.

Im Landkreis liegen folgende Orte an der Altmühl:

Ortsnamen mit "Altmühl":

im Untersuchungsgebiet keine; aber: Altmühlmünster, Gemeinde Riedenburg, Lkr. Kelheim

Belege:

792 Alamona[1] – vor 803 (Kopie des 9. Jh.s) – zu 793 ...inter (= zwischen) Alcmona – 823 Alchmuna (Kopie des 18. Jh.s) – 831 (Kopie des 18. Jh.s) Altmona – 889 (Kopie des 14. Jh.s) ...fluminis (= des Flusses) Alimoniae – 895 Alcmona – 9. Jh. (Kopie des 12. Jh.s) ... iuxta fluuium (= beim Fluss) Altmule – 1299 ... supra fluvio ..., qui vulgariter Altmvel dicitur (= über den Fluss, der im Volksmund Altmuel genannt wird) – 1329 Altmül – 1596 Altmühl[2].

Kommentar:

Der Beleg zum Jahre 793 bezieht sich auf das Kanalbauprojekt von Karl dem Großen im heutigen Mittelfranken (siehe Karlsgraben); die übrigen Belege stammen meist nicht aus dem Untersuchungsgebiet.

Deutung des Flussnamens:

Der Flussname wird mit der bei der Mündung lokalisierten keltischen Siedlung in Verbindung gebracht. Sie ist in einer Quelle des 2. Jahrhunderts (Kopie des 11. Jh.s.) als Aλκιμοεννίς bezeugt.[2] Der Name dieser Befestigungsanlage wird in einem Deutungsversuch erklärt als Kompositum aus *alk(i)-, einem Nomen zum indogermanischen Verb *alk- „abwehren“ (vgl. griech. αλκη = Abwehr, Hilfe), und keltisch *monijo (= Gebirge), sodass sich als Bedeutung des Flussnamens dann „Gewässer, das bei einem schützenden Höhenzug mündet“ ergäbe. Für den ersten Wortteil wird aber auch plko = Schlamm angenommen und für den zweiten indogerman. *mei = Lauf, Flusslauf, was „schlammiger Fluss“ hieße. Ab dem (9. oder) 12. Jh. wurde als Grundwort althochdt. mula, muli (= Mühle) eingedeutet.[2] Tatsächlich lagen noch im frühen 20. Jh. Hunderte von (alten) Mühlen an der Altmühl. Die sprachliche Herkunft des Flussnamens ist letztlich aber noch nicht geklärt.

Fußnoten

  1. Monumenta Germaniae Historica, Scriptores XVII 362
  2. 2,0 2,1 2,2 Alle Belege und Teile der Deutung nach v. REITZENSTEIN, Wolf Armin: Lexikon bayerischer Ortsnamen, München 2006, S. 15