Bahnhofstraße

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Bahnhofstr. 1

Die Bahnhofstraße in Weißenburg führt vom Saumarkt in der südlichen Altstadt zum Bahnhof. Sie änderte ihren Namen häufig: außerhalb der Altstadt hieß sie bis 1921 Westliche Ringstraße, innerhalb der Altstadt früher bis ins 19. Jahrhundert Auf der Schanz(e), bis 1921 Schanzstraße, 1874 und 1885 auch Eisenbahnstraße und vom 27. März 1933 bis 27. April 1945 Adolf-Hitler-Straße.

Geschichte

Die Straße ist ein Teil der ältesten Fernstraßentrasse durch Weißenburg, nämlich der Nibelungenstraße, die von Worms am Rhein kommend dem Verlauf der heutigen Gunzenhausener Straße entspricht und über die Niederhofener Straße die Stadt verlässt. So steht auf einer Landkarte von 1715 noch Regenspurger Land Strase [1] Die Nibelungenstraße führte also weiter zur Donau und diese entlang bis ins heutige Ungarn. Sie schnitt sich hier mit einer Bernsteinstraße, die von der Ostsee kommend (von Stettin) über Leipzig, Nürnberg und weiter über Augsburg und den Reschenpass bis ans Mittelmeer führte und in Deutschland in etwa dem Verlauf der heutigen Bundesstraße 2 entspricht. Am Saumarkt kreuzten sich vermutlich die beiden Straßen, was sich als Ausgangspunkt für eine Siedlung angeboten hat, allerdings nicht direkt dort, da diese Gegend wegen des heute verrohrten Stadtbaches sumpfig gewesen sein dürfte bzw. hochwassergefährdet. So entstanden die römische Siedlung Biriciana am rechten Rezatufer und die mittelalterlichen Siedlungen um die Schranne (dörfliche Siedlung) und den Platz Am Hof (fränkischer Königshof) auf hochwassersicherem Gebiet.

Im Mittelalter gewannen die Städte Frankfurt am Main, Würzburg und Nürnberg zunehmend an Bedeutung. Die Steinerne Brücke in Regensburg (erbaut 1135-46) war der einzige sichere Donauübergang zwischen Ulm und Wien, und so verlor die alte Nibelungenstraße für den Fernhandel an Bedeutung, die zur Gemeindeverbindungsstraße verfiel. Das führte dazu, dass bei der Ummauerung der Südstadt ab 1376 kein eigenes Stadttor hier errichtet wurde und man über das Frauentor in die Stadt kommen musste. Aber es erklärt, dass die Bahnhofstraße als Altstadtstraße verhältnismäßig breit ist.

Erklärung der unterschiedlichen Namen der Bahnhofstraße

Auf der Schanz(e) bzw. Schanzstraße

Das Gelände südlich der Straße Am Kirchhof ist höher gelegen als die südliche Altstadt und war daher für Feinde günstiges Aufmarschgebiet zur Beschießung der Stadt. Deshalb hatte man die Südwestecke der Stadtmauer im Dreißigjährigen Krieg und danach 1704 noch einmal zur Schanze ausgebaut und besonders befestigt. 1835 war allerdings nichts mehr vorhanden. So beschloss 1868 der Magistrat der Stadt, die bereits sehr schadhafte Schanzmauer abzubrechen, um eine gute Verbindung zum Bahnhof herzustellen. Der Abbruchschutt diente zur Grabenauffüllung.

Bahnhofstraße

Am 25. September 1869 erfolgte die feierliche Eröffnung der Bahnlinie Pleinfeld-Treuchtlingen. Die zunächst eingleisige Strecke wurde im Zuge der bayerischen Fernbahnentwicklung von 1892-97 zweigleisig ausgebaut. Die erste Nord-Süd-Fernbahn Bayerns führte über Nördlingen-Gunzenhausen-Pleinfeld nach Nürnberg. So war man froh, dass Weißenburg wenigstens mit Verspätung den für die wirtschaftliche Entwicklung wichtigen Bahnanschluss bekam. Die Bezeichnung „Eisenbahnstraße“ war volkstümlich. Amtlich heißt die Bahnhofstraße erst seit 1921 so unter Einbeziehung der ehemaligen äußeren westlichen Ringstraße. Das Projekt einer Jura-Lokalbahn von Weißenburg nach Nennslingen wurde u. a. infolge des 1. Weltkrieges und dem sich entwickelnden motorisierten Straßenverkehr nie ausgeführt.

Adolf-Hitler-Straße

Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde in Weißenburg am 27. März 1933 die Bahnhofstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Hitler war von 1933 bis 1945 Reichskanzler und „Führer“ des Deutschen Reiches. Nach den zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Krisen Deutschlands in den 1920er und 1930er Jahren erhofften sich anfangs viele von ihm eine Besserung der Verhältnisse, ohne das Risiko einer Diktatur einzuschätzen. Bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 erreichte die NSDAP im Reich 33,1 % der Stimmen, in Weißenburg 50,4 % der abgegebenen Stimmen. Durch anfängliche Erfolge Hitlers stieg der Rückhalt in der Bevölkerung. Er schwand jedoch, als diese die Nachteile der Diktatur, den Rassenwahn und vor allem die Grauen des 2. Weltkrieges zu spüren bekam. So war es klar, dass nach dem Einmarsch der US-amerikanischen Truppen in Weißenburg am 27. April 1945 diese Straße in Bahnhofstraße rückbenannt wurde ebenso wie der 1939 in Adolf-Hitler-Platz umbenannte Marktplatz.

Als Baudenkmäler geschützte Gebäude

Stadtbibliothek, Friedrich-Ebert-Str. 20

Der repräsentative Bau der heutigen Stadtbibliothek mit Jugendstilelementen wurde 1906 als königliche Post errichtet und hatte den Eingang am Eck zu Beginn der Bahnhofstraße. 1966 zog das Postamt in das neu errichtete Gebäude an der Westlichen Ringstraße Nr. 2 um.

Pyraser, Nr. 1

Eckhaus des ehemaligen Gasthauses "Weißes Ross", später "Pyraser", das um 1700 errichtet wurde und unter Denkmalschutz stand. Es wurde in den späten 1980er Jahren durch einen Neubau ersetzt, wobei man den alten Fachwerkgiebel vom Vorgängerbau übernommen hat.

ehem. Amtsgericht, Nr. 2

Bahnhofstr. 2, ehem. Amtsgericht

Das Gebäude wurde als königlich bayerisches Amtsgericht von 1902 bis 1904 erbaut. Nach dem Umzug des Amtsgerichts in die Niederhofener Straße befinden sich seit 1997 hier Diensträume des Landratsamtes. Der stattliche Bau mit einem Walmdach hat einen aus der Achse gerückten Mittelbau mit Giebel im Stil der Neurenaissance. An dieser Stelle stand zuvor der 1582 errichtete Zehentstadel, der zum markgräflich-ansbachischen Verwalteramt im Klösterlein gehörte und auch schon einen Vorgängerbau hatte.

ehem. Kommandantenhaus der Wülzburg, Nr. 21 und 23

Bahnhofstr. 21/23, ehem. Kommandantenhaus von der Wülzburg

Der zweigeschossige spätklassizistische Bau mit Vortreppe und flachem Walmdach wurde 1864/66 als Kommandantenhaus auf der Wülzburg errichtet und 1884 an dieser Stelle der heutigen Bahnhofstraße, die bereits außerhalb der Stadtmauer lag, in etwas veränderter Form als Doppelhaus wieder aufgebaut. Dies war möglich, weil die Stadt Weißenburg 1882 die Wülzburg vom bayerischen Staat kaufte.

Ebenfalls unter Denkmalschutz stehen die Anwesen Bahnhofstraße 6 (Gasthaus zur Sonne), 7, 10, 11, 14 (Fabrikgebäude Anselm) und 19.

Quellen

  • BEIER Ulf: Von der Höll- zur Paradeisgasse. Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, Weißenburg i. Bay. 2002 Stichworte Auf der Schanz, Bahnhofstr., Eisenbahnstraße, Gunzenhausener Str, Niederhofener Str., Schanzstraße, Adolf-Hitler-Str.
  • KIESSLING, Gotthard: Denkmäler in Bayern. Stadt Weißenburg i. Bay., München 2001; S. 46 ff

Fußnoten

  1. Johann Baptist Hohmann: Accurater Prospect und Grundriß der Gegend der Kayserlichen Freyen Reichsstadt Weissenburg am Nordgau mit denen alda sich befindlichen Alterthümern ... o. J. (1715), Stadtarchiv Weißenburg, Plansammlung 28