Gerold Demel

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Gerold Demel

Gerold Demel (* 29. September 1929 in Waldeck, Kreis Freiwaldau, Sudetenschlesien, (heute Tschechische Republik); † 22. Februar 2007 in Weißenburg) war Rechtspfleger und Weißenburger Kommunalpolitiker.

Leben und Wirken

Gerold Demel hatte zwei Brüder. Der Vater war Lehrer. Gerold Demel besuchte die Oberschule für Jungen in Freiwaldau bis Ende 1944. Dann wurde er noch eingezogen und erlebte die Schrecken des 2. Weltkrieges, den Einmarsch der Russen in seine Heimat, das Leben in einem tschechischen Lager mit den täglichen Demütigungen, die Ungewissheit über seine Eltern, den Verlust sämtlichen Eigentums und 1946 die Vertreibung: je 30 Personen in einem Viehwagen. Als Heimatvertriebener kam er zunächst nach Augsburg, später ins Flüchtlingslager Wülzburg, wo die Familie vier Jahre lebte, ehe sie in Weißenburg/Bay. eine Wohnung fand.

Nach einer kaufmännischen Lehre wurde Demel 1953 am Amtsgericht Weißenburg angestellt, später als geschäftsleitender Beamter an jenem in Hilpoltstein. Über 40 Jahre war er Rechtspfleger im Dienste der Justiz und trat dann als Justizamtsrat in den Ruhestand.

Schon früh zeigte Demel Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, indem er Klassensprecher war, der auch nach der Vertreibung Klassentreffen für seine Mitschüler organisierte. Von 1984 bis 2002 war er Stadtrat (SPD) und 3. Bürgermeister der Stadt Weißenburg. Für seine Verdienste erhielt er im Jahre 2004 die Goldene Ehrennadel der Stadt, die nur selten verliehen wird. Sie ist die zweithöchste Auszeichnung nach der Ehrenbürgerschaft.

Ehrenämter

Seit 1950 war er Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft, 1984 wurde er Obmann der Ortsgruppe, stellvertretender Obmann der Kreisgruppe und Vorsitzender des Ortsverbandes des Bundes der Vertriebenen und setzte sich mit ganzem Herzen für deren Interessen ein. Er wies dabei auch auf das Unrecht der Vertreibung hin und die damit verbundenen menschlichen Schicksale, auch trat er als Zeitzeuge vor Schülern auf. Sein unermüdlicher Einsatz wurde durch die Verleihung des Großen Ehrenzeichens der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Ehrennadel des Bundes der Vertriebenen gewürdigt.

Gerold Demel war als leidenschaftlicher Hobbyfotograf ab 1967 2. Vorsitzender und von 1974 bis 2000 1. Vorsitzender des afc - Amateur-Foto-Clubs Weißenburg/Bay. e. V.

Vom 5. November 1984 bis zu seinem Tode war Demel Mitglied des Aufsichtsrates (davon acht Jahre als stellvertretender Vorsitzender) der Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft Eigenheim e. G. Weißenburg i. Bay., die heute Wohnungsgenossenschaft Eigenheim heißt. Hier wirkte er als kompetenter und hilfreicher Ansprechpartner, der sich mit großem Verantwortungsbewusstsein für die Belange der Mieter einsetzte.

Zudem war er viele Jahre 2. Vorstand des Kleingartenvereins Weißenburg und hat für diesen die Gartenordnung und Vereinssatzung erarbeitet.

Ferner war Demel im Beirat in der Verwaltung des Kreisfischereivereins Treuchtlingen-Weißenburg e. V. und hat sich hier u. a. um die fischereirechtlichen Belange gekümmert.[1]

Würdigungen

Gerold Demel war ein fürsorglicher Vater, dem immer am Wohl seiner Familie lag. Er hatte auch für alle Ratsuchenden stets ein offenes Ohr und gewährte jedem seine Unterstützung, der ihn darum bat. Gerold war auch ein religiöser Mensch, der sich Kraft im Gebet und Gottesdienst holte.[2]

Demel sei ein immer angenehmer Kollege mit hoher Gelassenheit gewesen, der nie Schauanträge gestellt habe, sondern unauffällig im Kleinen gewirkt.[3]

Die Stadt Weißenburg verlieh ihm für seine bürgerschaftlichen Verdienste im Jahre 2004 die "Goldene Ehrennadel". Damit wurde auch die langjährige Vertretung seiner heimatvertriebenen Mitbürgerinnen und Mitbürger als Beitrag zur Entwicklung dieser Stadt gewürdigt.... Anstand in seiner Politik und die Überzeugung, ohne Werte nicht leben zu können, das kennzeichnete den Kommunalpolitiker und Menschen Gerold Demel zu jeder Zeit. [4]

Nicht Hass auf die Vertreiber oder Aggression gegenüber jenen Menschen, die 1946 mit den "Flüchtlingen" nichts zu tun haben wollten, bestimmte Gerold Demels Wirken, sondern konstruktives Handeln und Denken zeichneten ihn aus. Als Zeitzeuge hat er unter anderem drei Mal in der Realschule vor Schülern gesprochen. Schon die Tatsache, dass man ihn wiederholt einlud, zeigt, dass er den jungen Menschen, die im Alter von 15/16 Jahren sehr kritisch sind, etwas zu sagen hatte und dass er den richtigen Ton traf. [5]

Fußnoten

  1. Alle Angaben nach Auskünften der Vereinsvorstände und des Weißenburger Tagblatts vom 24. Februar 2007
  2. Gerhard Reinelt, Pfarrer a. D. in der Zeitschrift "Altvater" 2/2007
  3. Oberbürgermeister R. Schwirzer am 10. März 2003 anlässlich der Verleihung der Ehrenurkunde des Freistaates Bayern für langjähriges Wirken in der kommunalen Selbstverwaltung an Gerold Demel
  4. Oberbürgermeister R. Schwirzer anlässlich der Beerdigung von Gerold Demel
  5. Mitteilungsblatt 2/2007 der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Ortsgruppe Weißenburg