Julius Schieder

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Julius Schieder

Julius Schieder (* 17. Juli 1888 in Weißenburg, † 29. Juli 1964 in Nürnberg) war evang.-luth. Oberkirchenrat und Kreisdekan in Nürnberg. Er galt während des Dritten Reiches als mutiger Bekenner des Glaubens und Kämpfer für Verfolgte.

Leben und Wirken

Julius Schieder wurde in Weißenburg, Am Hof im "Blauen Haus" geboren. Er war der dritte von vier Söhnen des Kaufmanns Julius Schieder sen. und seiner Ehefrau Henriette, geb. Rössel, die aus einer evangelischen Exulantenfamilie stammte. Julius wuchs in einem protestantisch geprägten Elternhaus auf. Sein Bruder Max starb als Kind, sein Bruder Karl fiel im 1. Weltkrieg und sein Bruder Heinrich im 2. Weltkrieg.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Weißenburg und Ansbach studierte Schieder von 1906 bis 1910 in Erlangen und Tübingen Theologie und schloss als Zweitbester in Bayern sein Studium ab. 1911 Ordination, ab 1914 Lazarettgeistlicher, dann Pfarrer in Augburg; 1918 Heirat mit Wiltrud Clauß aus Augsburg, von der er sagt "für Herz und Gewissen und Dienst hat sie mir mehr gegeben, als sie ahnt." Der Ehe entstammten sechs Kinder, von denen eines mit acht Jahren starb.

1928 Rektor des Predigerseminars in Nürnberg. "Wenn Schieder predigte, waren die Kirchen voll und seine Predigten fanden weite Verbreitung innerhalb der Landeskirche und darüber hinaus." (Eckert) 1934 Bildung einer nichtkirchenpolitischen Pfarrerbruderschaft mit Laienkreisen, Beginn des Kirchenkampfes; 1935 Kreisdekan und zugleich von 1935 bis 1951 Dekan von Nürnberg mit dem Titel Oberkirchenrat, 1951-1958 Hauptprediger an St. Lorenz in Nürnberg; mit 70 Jahren (1958) Eintritt in den Ruhestand. Am 29. Juli 1964 verstarb Julius Schieder an einem Herzinfarkt in Nürnberg.

"Der Regionalbischof war eine prägende Gestalt der evang.-luth. Kirche in Bayern und ein geistliches Phänomen seiner Zeit." (Eckert) Schieder war ein unbeirrbarer Vorkämpfer der Kirche gegen Übergriffe der NS-Gauleitung Franken (Streicher und Holz) und der "Deutschen Christen". Darüber hinaus war er ein unermüdlicher Kämpfer für Verfolgte und Entrechtete (v. a. Behinderte) und blieb der führende Kopf der Bekenntnischristen und damit des Widerstandes in Nordbayern, vor allem während der Zeit, als 1934 Landesbischof Meiser abgesetzt wurde. Er geriet auch in Konflikt mit der Geheimen Staatspolizei. Aber man wagte es nicht, ihn zu verhaften, während die US-amerikanische Militärverwaltung 1946 Schieder kurzzeitig verhaftete, weil er sich jetzt genauso für die Unterdrückten und Schwachen einsetzte wie während des Dritten Reichs. Wegen seines lauteren Charakters konnte man ihm nichts anhaben und Schieder war erfolgreich.[1] [2]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Augsburg 1530 - 1930 - Für Glauben und Freiheit, Bilder aus der Augsburger Reformationsgeschichte - Festschrift zur Vierhundertjahrfeier 1530 - 1930 der Augsburger Konfession; Evangelischer Preßverband für Deutschland, Berlin-Steglitz, 1930
  • Gustav Adolf - Ein Spiel von der Kirche Not und Rettung - Chr. Kaiser Verlag, München, 1931
  • Katechismus-Unterricht - Chr. Kaiser Verlag, München, 1934 (6 Auflagen)
  • Warum evangelisch? - Chr. Kaiser Verlag, München, 1935
  • Kirche im Gericht - Bekenntnisgottesdienst in der Nürnberger St.-Lorenz-Kirche am 1. Oktober 1935, im Auftrag der Nürnberger Bekenntnisgemeinschaft, Nürnberg, 1935
  • Es gilt ein frei` Geständnis - Vortrag zur Kirchenwahl in St. Lorenz am 25. Februar 1937. 1530-1937. Selbstverlag Küstdienst, Nürnberg, 1937
  • Gehorsame Ehe - Das biblische Wort zur Ehe - Furche-Verlag, Berlin, 1938
  • Die Bergpredigt - Lätare-Verlag, Nürnberg, 1947
  • Revolte gegen Gott - Verlag Kirche und Mann, Gütersloh, 1950
  • Durch Wasserfluten und Feuersgluten - Drei Bibelarbeiten - Verlag Kirche und Mann, Gütersloh, 1952
  • Wider die Verzweiflung - Das Wort des Römerbriefes - Rufer Verlag, Gütersloh, 1953
  • Das ist gewißlich wahr - Ein Gang durch das apostolische Glaubensbekenntnis - Nürnberg, 1954
  • D. Hans Meiser - Wächter und Haushalter Gottes - Claudius Verlag, München, 1956
  • Unsere Predigt - Chr. Kaiser Verlag, München, 1957
  • Luthertum zwischen Fundamentalismus und Existentialismus - Lutherisches Verlagshaus, Berlin, 1962
  • Hermann Bezzel - Calwer Verlag, Stuttgart, 1962
  • 50 Jahre Evangelisches Nürnberg 1914-1964 - Evang.-Luth. Gesamtkirchenverwaltung, Nürnberg, 1964
  • Aber die Botschaft bleibt - Vorträge und Predigten - Claudius Verlag, München, 1966

Würdigungen und Anerkennungen

Matthias Eckert: Julius Schieder 1888 - 1964. Prediger in schwerer Zeit, Freimund-Verlag Neuendettelsau 2004

Der Sozialpsychiatrische Dienst in Nürnberg in der Pirckheimerstraße hat sein Haus Julius-Schieder-Haus benannt.

Die Stadt Nürnberg hat den Platz vor der evang.-luth. Auferstehungskirche in Nürnberg-Zerzabelshof Julius-Schieder-Platz benannt.

Die Stadt Weißenburg hat die erste rechte Querstraße der Niederhofener Straße am 27. Mai 1970 auf Antrag des Evangelischen Siedlungswerkes, das hier 68 Wohneinheiten errichtet hat, Dr.-Julius-Schieder-Str. benannt. Auf Wunsch der Witwe wurde aber dann der Doktortitel weggelassen, weil es ein Dr. theol. honoris causa war. So heißt die Straße amtlich seit 17. September 1970 Julius-Schieder-Straße.[3] Die Theologische Fakultät der Universität Erlangen sagt anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde über Schieders Lebenswerk aus:

"Er hat das geistliche Amt als Pfarrer und Dekan von Herzen und mit großer Liebe verwaltet. Er hat sich als Rektor des Predigerseminars in der theologischen und geistlichen Fürsorge für die jungen Theologen aufs beste bewährt. Er hat seiner lutherischen Kirche in der Stunde der Gefahr furchtlos gedient und sie tapfer verteidigt. Er war in der Theologie hervorragend gelehrt, im Urteil erfahren und hat nie aufgehört, sich dem Studium des Wortes Gottes hinzugeben."

Fußnoten

  1. Kuhr, Georg in Pfeiffer, Gerhard und Wendehorst, Alfred: Fränkische Lebensbilder, 6. Band, Würzburg 1975, S. 290 ff
  2. Martin Lagois in: Gemeindebote der Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Andreas Weißenburg, Juli 1988
  3. BEIER Ulf: Von der Höll- zur Paradeisgasse. Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, 2. Auflage, Weißenburg i. B. 2000, S. 80

Weblinks