Kleine Weißenburger Baustilkunde 2. Teil: Frühe Neuzeit 1500 - 1699

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Ziel dieser kleinen Baustilkunde ist es, Gebäude (und nur diese) in Weißenburg aufzuzeigen, die für die jeweilige Stilepoche typisch sind. Dabei sollen jedoch zu jedem Zeitabschnitt nur einige charakteristische Beispiele genannt werden. Es wird kein Wert auf Vollständigkeit gelegt. Vielmehr wird hier ausdrücklich auf die Arbeit von Gotthard Kießling "Denkmäler in Bayern: Stadt Weißenburg i. Bay." hingewiesen, in der sowohl die meisten Gebäude ausführlich beschrieben als auch abgebildet sind. Während die Denkmaltopografie jedoch die Häuser Straße für Straße in alphabetischer Reihenfolge beschreibt, wird hier chronologisch vorgegangen - vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei werden bewusst die Gebäude von außen gezeigt - so wie sie dem kunstgeschichtlich Intessierten am leichtesten zugänglich sind. Die dazu gegebene Kennzeichnung der Merkmale der einzelnen Stilepochen soll helfen, die einzelnen Baustile zu erkennen und weitere Beispiele selbst zu entdecken.

1500 – 1599

Übergang von der Gotik zur Renaissance

  • Schmuck des Vorwerks des Ellinger Tores (um 1510) mit dem großen mittleren spätgotischen Wappen (Reichsadler) und dem spitzen Ziergiebel (Wimperg) darüber. Das spätgotische Fischblasenmaßwerk auf dem Vorwerk wird unterbrochen durch Renaissancefiguren auf den dazwischen stehenden Pfeilern. Auch die Voluten links und rechts davon sind Stilmerkmale der Renaissance
  • Die Wülzburg wurde von 1588 bis etwa 1610 als fünfeckige Renaissancefestung errichtet. Nicht mehr die mittelalterliche Burg war gefragt, sondern eine Festung, die auch Feuerwaffen standhielt. Auf die fünf Bastionen konnten Kanonen gebracht werden, deren Reichweite bis Weißenburg ging. Der große Festungsgraben ist ebenso typisch für die Zeit wie das eindrucksvolle Tor mit den sog. toskanischen Säulen (Säulentrommeln mit zweierlei Durchmesser werden aufeinander gestellt), den Geschosssimsen und dem reichen Wappenschmuck darüber.

1600 – 1699

Kennzeichen der Zeit

  • Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) litt Weißenburg sehr. Die Bevölkerungszahl sank um über die Hälfte, die Armut war groß. So dauerte es lange, bis der Wiederaufbau beginnen konnte. Durch die Aufnahme von evangelischen Glaubensflüchtlingen (vor allem aus dem heutigen Oberösterreich ab etwa 1650) und die wirtschaftliche Erholung verbesserte sich die Lage in den darauffolgenden Jahren langsam.[1]

Spätrenaissance

  • Friedrich-Ebert-Str. 5 und 7: Bürgerhäuser mit Putzfassaden statt Fachwerk und Volutengiebeln (Voluten sind schneckenförmige Verzierungen) mit Geschosssimsen. Das Haus Nr. 5 wurde 1622 errichtet (heute Schmuckgeschäft und Wohnhaus) und weist einen bogenförmigen Eingang auf sowie bogenförmige große Ladeluken im Giebel. Außerdem fallen die zwei runden Fenster und das ovale ganz oben auf. Metzgerei (1624) - zwei der wenigen Gebäude, die während des Dreißgjährigen Krieges errichtet wurden und diesen überstanden haben.

Quellen

  • BEIER, Ulf: Von der Höll- zur Paradeisgasse, Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, 2. Auflage, Weißenburg 2000
  • HÄFFNER, Hans-Heinrich: Das Weißenburger Bürgerhaus - seine Entwicklung vom Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert, in: Denkmäler in Bayern, Band V.70/2 Stadt Weißenburg i. Bay., München 2001, ISBN 3-87490-582-9
  • KIESSLING, Gotthard: Denkmäler in Bayern, Band V.70/2 Stadt Weißenburg i. Bay., München 2001, ISBN 3-87490-582-9

Siehe auch

Fußnoten

  1. KAMMERL, Reiner: Geschichte der Stadt Weißenburg, 8. Der Dreißigjährige Krieg