Kleine Weißenburger Baustilkunde 5. Teil: Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

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Ziel dieser kleinen Baustilkunde ist es, Gebäude (und nur diese) in Weißenburg aufzuzeigen, die für die jeweilige Stilepoche typisch sind. Dabei sollen jedoch zu jedem Zeitabschnitt nur einige charakteristische Beispiele genannt werden. Es wird kein Wert auf Vollständigkeit gelegt. Vielmehr wird hier ausdrücklich auf die Arbeit von Gotthard Kießling "Denkmäler in Bayern: Stadt Weißenburg i. Bay." hingewiesen, in der sowohl die meisten Gebäude ausführlich beschrieben als auch abgebildet sind. Während die Denkmaltopografie jedoch die Häuser Straße für Straße in alphabetischer Reihenfolge beschreibt, wird hier chronologisch vorgegangen - vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei werden bewusst die Gebäude von außen gezeigt - so wie sie dem kunstgeschichtlich Intessierten am leichtesten zugänglich sind. Die dazu gegebene Kennzeichnung der Merkmale der einzelnen Stilepochen soll helfen, die einzelnen Baustile zu erkennen und weitere Beispiele selbst zu entdecken.

1850 – 1874

  • Schranne: Historismus: Neugotik (1864): zunächst als Getreidespeicher und Handelsgebäude errichtet, später als Feuerwehrhaus genutzt; Wiederherstellung der ursprünglichen Fassade an der Nordseite (1991) nach Auszug der Feuerwehr (1988) und Umgestaltung des Inneren zur Markthalle und "Kunstschranne". Kennzeichen der Neugotik sind u. a. die (wieder hergestellten) spitzbogigen Eingangstüren, die spitzbogigen Fenster, der Schmuck am Balkon des Turmes und der spitze Turmhelm.
  • Bahnhof mit Nebengebäuden: "Frühe Sachlichkeit": nahezu schmuckloser Zweckbau in Sandstein mit flachem Walmdach an der 1869 neu errichteten Eisenbahnstrecke München - Nürnberg, Betriebsgebäude im Erdgeschoss und den Seitenflügeln und mit Wohnungen in den Obergeschossen als Standardbau wie zahlreiche weitere Bahnhöfe in Bayern zu jener Zeit - in der näheren Umgebung wie Pappenheim und Solnhofen, aber für einen Durchgangsbahnhof repräsentativer.
  • Schulhausstraße 10: Historismus: Spätklassizismus: repräsentative Villa eines Unternehmers, ehem. Dörfler-Villa (1872), Vorbau an der Südseite mit bogenförmigen Fenstern, Vorbau als Eingang an der Ostseite mit ionischen Säulen und Tympanongiebel, flaches Walmdach; ähnlich die zweigeschossige Villa mit Balkon (1879/84), Südliche Ringstraße 12.

1875 – 1899

Kennzeichen der Zeit

Nach der Reichsgründung durch Bismarck 1871 folgte eine Zeit wirtschaftlichere Blüte, die Gründerjahre. Das zeigte sich auch in zahlreichen repräsentativen Gebäuden, die in Weißenburg entstanden, nämlich sowohl bei öffentlichen Gebäuden als auch bei privaten, z. B. in der Eichstätter Straße, der Nürnberger Straße oder der Holzgasse. Bevorzugt wurde der Historismus. Das war ein Baustil, der auf frühere zurückgriff, sie aber leicht abänderte, aufwändige Formen bevorzugte und neue Baustoffe mit aufnahm.

  • Südliche Ringstraße 10: Historismus: Neurenaissance: zweigeschossige repräsentative Villa eines Unternehmers, Villa Raab (1880), Mittelrisalit mit Zwerchgiebel, Simse unter und über den Fenstern, im Obergeschoss bogenförmige Fenster, flaches Dach - das Gebäude sollte an italienische Villen der Renaissance erinnern.

Quellen

  • BEIER, Ulf: Von der Höll- zur Paradeisgasse, Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, 2. Auflage, Weißenburg 2000
  • HÄFFNER, Hans-Heinrich: Das Weißenburger Bürgerhaus - seine Entwicklung vom Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert, in: Denkmäler in Bayern, Band V.70/2 Stadt Weißenburg i. Bay., München 2001, ISBN 3-87490-582-9
  • KIESSLING, Gotthard: Denkmäler in Bayern, Band V.70/2 Stadt Weißenburg i. Bay., München 2001, ISBN 3-87490-582-9

Siehe auch