Kleine Weißenburger Baustilkunde 6. Teil: Die Zeit von 1900 bis zum 1. Weltkrieg

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Ziel dieser kleinen Baustilkunde ist es, Gebäude (und nur diese) in Weißenburg aufzuzeigen, die für die jeweilige Stilepoche typisch sind. Dabei sollen jedoch zu jedem Zeitabschnitt nur einige charakteristische Beispiele genannt werden. Es wird kein Wert auf Vollständigkeit gelegt. Vielmehr wird hier ausdrücklich auf die Arbeit von Gotthard Kießling "Denkmäler in Bayern: Stadt Weißenburg i. Bay." hingewiesen, in der sowohl die meisten Gebäude ausführlich beschrieben als auch abgebildet sind. Während die Denkmaltopografie jedoch die Häuser Straße für Straße in alphabetischer Reihenfolge beschreibt, wird hier chronologisch vorgegangen - vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dabei werden bewusst die Gebäude von außen gezeigt - so wie sie dem kunstgeschichtlich Intessierten am leichtesten zugänglich sind. Die dazu gegebene Kennzeichnung der Merkmale der einzelnen Stilepochen soll helfen, die einzelnen Baustile zu erkennen und weitere Beispiele selbst zu entdecken.

Kennzeichen der Zeit

Nach der Reichsgründung durch Bismarck 1871 folgte eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, die Gründerjahre. "Es ging immer nur aufwärts." Das zeigte sich auch in Weißenburg durch die Errichtung zahlreicher repräsentativer öffentlicher und privater Gebäude, ehe durch den Ausgang des 1. Weltkrieges sowohl die Euphorie jener Jahre verflogen war als auch durch die finanzielle Not eine Flaute im Bauen eintrat. Neben den unten genannten Beispielen könnte auch noch das heutige Amtsgericht in der Niederhofener Straße 9 von 1905 erwähnt werden.

  • Rosenstraße 2: Historismus: Neugotisch überformte Fassade von 1900 des Wohn- und Geschäftshauses, das im Kern von 1470 stammt. So weist der flache mittlere Ziererker neugotischen Schmuck auf, während der rechte Eckerker tatsächlich noch aus der Zeit der Gotik, also dem Zeitpunkt der Errichtung des Hauses, stammt.
  • Friedrich-Ebert-Straße 20: Stadtbibliothek als Kgl. Postamt 1905/06 errichtet; repräsentativer Eckbau mit ehem. Eingang am Eck, der mit Vortreppe und auf Säulen getragenem Giebelfeld mit dem damaligen bayerischen Staatswappen aufwändig gestaltet wurde; darüber ein Turm mit hohem, achteckigem Dach mit bunten Ziegeln; Hausteinmauern im Erdgeschoss, dort auch große Rundbogenfenster. Hier hat sich ein eigener Stil entwickelt, der lediglich Anklänge an Neurenaissance oder Heimatstil erkennen lässt. Das Ornament über dem Eingang in der Fr.-Ebert-Str. (zu den Nebenräumen des Landratsamtes im 1. Stock) ist jedoch eindeutig dem Jugendstil zuzuordnen.
  • Schulhausstraße 6: "Zentralschulhaus" (1907/08), repräsentatives Gebäude mit drei Eingängen auf der Südseite zum Schulhof hin, mit Jugendstilelementen an den Hoftoren; dem Heimatstil sind die rundbogigen Fassadenfelder im Erdgeschoss zuzurechnen.

Quellen

  • BEIER, Ulf: Von der Höll- zur Paradeisgasse, Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, 2. Auflage, Weißenburg 2000
  • HÄFFNER, Hans-Heinrich: Das Weißenburger Bürgerhaus - seine Entwicklung vom Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert, in: Denkmäler in Bayern, Band V.70/2 Stadt Weißenburg i. Bay., München 2001, ISBN 3-87490-582-9
  • KIESSLING, Gotthard: Denkmäler in Bayern, Band V.70/2 Stadt Weißenburg i. Bay., München 2001, ISBN 3-87490-582-9

Siehe auch