Kriegsgräberstätte Nagelberg

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Kriegsgräberstätte am Nagelberg, rechts der Pfad der Besinnung
Die Lage der Kriegsgräberstätte

Die Kriegsgräberstätte am Nagelberg ist letzte Ruhestätte für 2.545 Kriegsopfer beider Weltkriege aus der weiteren Region Treuchtlingen und damit auch für die Opfer der mehrmaligen Bombardierung Treuchtlingens.

Lage

Am nordwestlichen Hang des Nagelbergs, Flurname Ölberg, liegt die Kriegsgräberstätte direkt über dem Altmühltal.

Gestaltung

Die Gedenkstätte beginnt am Altmühlufer. Von dort führt der durch Birken, Wacholder und Heckenrosen gesäumte Pfad der Besinnung in sanften Bögen hinauf zur Gräberstätte. Am Weg wurden sechs grob behauene Feldkreuze aus Jura-Kalkstein aufgestellt. Jedes Kreuz steht dabei für ein Kriegsjahr, die unterschiedliche Größe und Ausgestaltung der Kreuze versinnbildlicht die Anzahl der Opfer. Der größte Stein ist entsprechend deutlich als Kreuz zu erkennen und trägt die Jahreszahl 1943, in der die 6. Armee in Stalingrad unterging. Die Verloren- und Besiegtheit sowie Armut des Volkes 1945 darstellend, wurde das Kreuz aus dem letzte Stein nur wenig heraus gearbeitet.

Inschrift unter dem Turm
Die Inschrift Den Getöteten aus Gerechtigkeit, den Lebenden zur Umkehr empfängt am Ende des Pfades, wo eine große Stützmauer aus Bruchsteinen die eigentliche Gräberstätte abgrenzt. Über dem Spruch wurde ein 32 Meter hoher, mit Kupfer beplankter Turm installiert, der beim Bau von einem Hubschrauber der Bundeswehr aufgesetzt wurde[1]. Die Höhe des Turms ist je nach Quelle unterschiedlich, teils werden nur 19m genannt. Unter dem Turm ruht der in Erz gegossene Unbekannte Soldat, umringt vom Spruch LASST UNSER OPFER GENUG SEIN, SCHWÖRT AB DER GEWALT UND RETTET DEN MENSCHEN IM MENSCHEN. Ein Fenster unter dem Turm, durch die Stützmauer hindurch, lässte den Blick über das Altmühltal schweifen.

Die Gräber sind in fünf Abteilungen angelegt und umrunden geschwungen eine von einem künstlichen Bachlauf durchbrochene Rasenfläche. Jede Grabstätte ist mit einem gebrannten, ca. 25 mal 25 cm großen Tonkreuz, welches auch den Namen des Toten trägt, gekennzeichnet. Die Kriegsgräberstätte am Nagelberg ist die Drittgrößte in Bayern.

Buch aus Bronze mit Übersichtsplan
In einer kleinen, überdachten Halle findet sich ein Buch aus Bronze, in dem sämtliche Bestatteten alphabetisch aufgeführt und anhand eines Lageplans leicht gefunden werden können. Auch findet sich dort ein Gedenkbuch, in dass sich Besucher der Gedenkstätte eintragen können. Das Buch zeugt von Besuchen aus aller Welt.

In der Kriegsgräberstätte sind bestattet (Zahlen schwanken je nach Quelle):

  • 42 Gefallene Soldaten aus dem 1. Weltkrieg
  • 1.792 Gefallene Soldaten aus dem 2. Weltkrieg
  • 19 Nachrichtenhelferinnen bzw. Rotkreuzschwestern
  • 122 Frauen
  • 47 Kinder
  • 339 Unbekannte

Die Toten entstammen dabei 472 Gemeinden und 15 europäischen Völkern. Über 200 Treuchtlinger sind darunter, die weitgehend bei den Bombenangriffen vom 23. Februar und 11. April 1945 ums Leben gekommen sind. Zuvor waren sie meist in Behelfs- oder Sammelgräbern bestattet, so beispielsweise die Opfer der Bombardierung Treuchtlingens auf dem Gemeindlichen Friedhof. Während der Umbettungen konnten 182 Toten ihre Namen zurück gegeben werden.

Entstehung

Niedergelegte Kränze an der Plastik des Unbekannten Soldaten

Nachdem der Deutsche Bundestag 1952 in einem eigenen Gesetz beschloss, Kriegsgräberstätten dauerhaft zu erhalten, machte sich der Treuchtlinger Bürgermeister Hans Döbler für die Errichtung einer Gedenkstätte im Treuchtlingen Gebiet stark. Unterstützt von Regierungsdirektor Alois Braun, Landesvorsitzender des Landesverbands Bayern des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem bayerischen Innenministerium sowie der Stadt Treuchtlingen wurde die Gedenkstätte schließlich 1957 / 58 errichtet. Entwurf und Bauleitung hatte der Münchner Architekt Dipl. Ing. Helmut Schöner, die künstlerische Gesaltung wurde an bayerische Künstler vergeben. Die gartenbaulichen Arbeiten plante so Stadtgartenoberamtmann Anton Maier aus Ingolstadt, die Pflanz- und Natursteinarbeiten Oliver von Delius aus Nürnberg. Die Steinkreuze am Pfad erstellte Bildhauer Johannes Engelhard aus Wemding, die Plastik des "Unbekannten Soldaten" erstellte Bildhauer Emil Krieger aus München. Für die Schrift in Steinen und dem Bronzebuch war Grafiker Klaus Zilken aus München verantwortlich. Die Bauausführung wurde soweit möglich an regionale Firmen übergeben. Auch die Instandhaltung wird soweit möglich durch regionale Firmen durchgeführt. Im Jahr 2010 / 11 wurde beispielsweise die Kupferbeblankung des Turmes durch eine Weißenburger Firma erneuert.[2] Bau- wie Instandhaltungskosten werden durch Kriegsgräberfürsorge, Innenministerium und Stadt Treuchtlingen getragen.

Zur Einweihung am 10. September 1961 kamen über 25.000 Gäste, darunter rund 5.000 Angehörige der hier Bestatteten. Zur Einweihung sprach unter anderem Staatssekretär Dr. Fritz Staudinger, der 1946 bis 1959 Landrat des Landkreises Weißenburg war. Am 9. Oktober 2011 wurde zum 50. Jahrestag der Einweihung eine Gedenkfeier auf dem Friedhof abgehalten. Vor den rund 250 Anwesenden, davon die meisten Vertreter örtlicher Vereine, sprach der Regierungspräsident von Mittelfranken und zugleich Bundesvorstand der Kriegsgräberfürsorge Dr. Thomas Bauer.

Bis in die 1980iger Jahre hinein wanderte jede Treuchtlinger Schulkasse einmal pro Jahr zur Kriegsgräberstätte. Heute begibt sich nur noch eine Klasse im Vorfeld des Volkstrauertags zur Gedenkstätte, um an den Gräbern der Unbekannten Tannenzweige nieder zu legen. Am Volkstrauertag werden in der Regel Vormittags Kränze am Mahnmal des Unbekannten Soldaten durch Stadt und Vereine nieder gelegt, Nachmittags spielt der Bezirksposaunenchor auf der Gedenkstätte.

Im regionalen Sprachgebrauch ist nach wie vor der Begriff Heldenfriedhof verbreitet.

Weblinks

Fußnoten

  1. Artikel im Donaukurier, 5. Oktober 2011
  2. Artikel im Treuchtlinger Kurier, 18. September 2011