Max und Moritz in Weißenburger Mundart: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Lausbubengeschichte von Max und Moritz gehört nicht nur in Deutschland zu den volkstümlichsten Dichtungen bei Jung und Alt, sondern ist auch ein Buch, das weltweit in alle Kultursprachen übersetzt ist. Fast jeder bei uns kennt die Streiche der beiden Buben, und so ist es nicht verwunderlich, dass es neben den Fremdsprachenübersetzungen auch viele Übertragungen in die einzelnen deutschen Mundarten gibt, auch auf  Fränkisch (Nürnbergerisch und Steigerwaldfränkisch), aber nicht in den hiesigen Dialekt, denn dieser unterscheidet sich doch von den oben genannten nicht unerheblich. Schließlich ist unser Raum ein Übergangsgebiet zwischen Ostfränkisch, Nordbairisch und Schwäbisch, was hier zu einer kleinräumigen Ausprägung führt. So spricht nicht nur ein Raitenbucher anders als ein Trommetsheimer, sondern manchmal unterscheidet sich die Aussprache von Dorf zu Dorf. So wurden mir z. B. für das Wort Kuchenteig (kommt im 6. Streich vor) allein aus dem nöärdlichen und mittleren Altlandkreis Weißenburg folgende Varianten mitgeteilt: Kouchadoag, Kouchadoach, Kouchadoig, Kouchadoich, Kougndoag, Kougndoach, Kougndoich und Kougndaach – und vielleicht kennen Sie noch eine neunte oder zehnte Aussprache. So wird nicht nur im westlichen Landkreis das Wort „auch" als „oo" gesprochen und im Osten „aa", sondern auch bei zahlreichen anderen Wörtern ist es ähnlich. Ich bitte daher um Nachsicht, wenn Sie beim Lesen immer wieder einwenden: „So sagen wir nicht!“, weil die von mir gewählte Variante nicht der Ihres Heimatortes entspricht.  
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Die Lausbubengeschichte von Max und Moritz gehört nicht nur in Deutschland zu den volkstümlichsten Dichtungen bei Jung und Alt, sondern ist auch ein Buch, das weltweit in alle Kultursprachen übersetzt ist. Fast jeder bei uns kennt die Streiche der beiden Buben, und so ist es nicht verwunderlich, dass es neben den Fremdsprachenübersetzungen auch viele Übertragungen in die einzelnen deutschen Mundarten gibt, auch auf  Fränkisch (Nürnbergerisch und Steigerwaldfränkisch), aber nicht in den hiesigen Dialekt, denn dieser unterscheidet sich doch von den oben genannten nicht unerheblich. Schließlich ist unser Raum ein Übergangsgebiet zwischen Ostfränkisch, Nordbairisch und Schwäbisch, was hier zu einer kleinräumigen Ausprägung führt. So spricht nicht nur ein Raitenbucher anders als ein Trommetsheimer, sondern manchmal unterscheidet sich die Aussprache von Dorf zu Dorf. So wurden mir z. B. für das Wort Kuchenteig (kommt im 6. Streich vor) allein aus dem nördlichen und mittleren Altlandkreis Weißenburg folgende Varianten mitgeteilt: Kouchadoag, Kouchadoach, Kouchadoig, Kouchadoich, Kougndoag, Kougndoach, Kougndoich und Kougndaach – und vielleicht kennen Sie noch eine neunte oder zehnte Aussprache. So wird nicht nur im westlichen Landkreis das Wort „auch" als „oo" gesprochen und im Osten „aa", sondern auch bei zahlreichen anderen Wörtern ist es ähnlich. Ich bitte daher um Nachsicht, wenn Sie beim Lesen immer wieder einwenden: „So sagen wir nicht!“, weil die von mir gewählte Variante nicht der Ihres Heimatortes entspricht.  
  
 
Ein weiteres Problem ist: Es gibt keine verbindliche Rechtschreibung für die Mundart. Die einigermaßen lautgerechte Schreibung erschwert das Lesen, weil man ungewohnte Schriftbilder vor sich hat. So konnte nur ein Kompromiss zwischen tatsächlicher Aussprache und schriftlicher Dialektwiedergabe versucht werden, etwa, dass in Klammern stehende Buchstaben nur andeutungsweise gesprochen werden. Aber jeder Kompromiss bleibt immer auch unzufriedenstellend. Trotzdem hoffe ich, dass Sie viel Vergnügen beim Lesen hatten.
 
Ein weiteres Problem ist: Es gibt keine verbindliche Rechtschreibung für die Mundart. Die einigermaßen lautgerechte Schreibung erschwert das Lesen, weil man ungewohnte Schriftbilder vor sich hat. So konnte nur ein Kompromiss zwischen tatsächlicher Aussprache und schriftlicher Dialektwiedergabe versucht werden, etwa, dass in Klammern stehende Buchstaben nur andeutungsweise gesprochen werden. Aber jeder Kompromiss bleibt immer auch unzufriedenstellend. Trotzdem hoffe ich, dass Sie viel Vergnügen beim Lesen hatten.
  
 
[[Kategorie:Stadt Weißenburg]]
 
[[Kategorie:Stadt Weißenburg]]

Aktuelle Version vom 11. August 2019, 13:24 Uhr

MAX UND MORITZ nach Wilhelm Busch

in Weißenburger Mundart frei übertragen von Ulf Beier

Vorwort

Ach, was muss man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
welche Max und Moritz hießen,
die, anstatt durch weise Lehren,
sich zum Guten zu bekehren,
oftmals noch darüber lachten
und sich heimlich lustig machten. –
Ja, zur Übeltätigkeit,
ja, dazu ist man bereit!
Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen,
das ist freilich angenehmer
und dazu auch viel bequemer,
als in Kirche oder Schule
festzusitzen auf dem Stuhle. –
Aber wehe, wehe, wehe,
wenn ich auf das Ende sehe,
dieses war ein schlimmes Ding,
wie es Max und Moritz ging. –
Drum ist hier, was sie getrieben,
abgemalt und aufgeschrieben.

Bevor dass i uufang

Naa, was is däis fiar a Gschroa
mid de Lausboubn, däis is woa(r).
obba* zwoa haschd nonni gsehgn, (* = aber)
däis san Max und Moritz gween.
ruuzfrech warns, habn Bläidsinn gmachd
und na habns nu drieber glachd.
Ja, bei jeder Lumberei
warn däi allwal glei dabei.
Leid* derbleggn, Viecher quäln, (* = Leute)
Äbfl, Biern und Zwedschgn stöln,
däis is frali glei vül schenna,
obba dass si s‘ ned verbrenna!
In d‘ Kirch, dou kunnschd a’s ned nei loggn,
dass si si gscheid hi solln hoggn.
D’ Schöll is eahna blouß a Graus.
D’ Bausn* meegn s‘ und dass bal aus. (* = Pausen)
Obba wa(r)ds nea bis zun End,
Bärschli, habd’s eich gscheid verbrennd,
wal dou gäihd’s eich an d’n Kroogn,
mäiha* is edz ned zun Soogn. (* = mehr)
Drum is aufgmold und aa gschriebn,
was däi Sauboum alls habn driebn.


Erster Streich

Mancher gibt sich viele Müh
mit dem lieben Federvieh:
Einerseits der Eier wegen,
welche diese Vögel legen,
zweitens, weil man dann und wann
einen Braten essen kann;
drittens aber nimmt man auch
ihre Federn zum Gebrauch
in die Kissen, in die Pfühle,
denn man liegt nicht gerne kühle. –

Seht, da ist die Witwe Bolte,
die das auch nicht gerne wollte.
Ihre Hühner waren drei
und ein stolzer Hahn dabei.
Max und Moritz dachten nun,
was ist hier jetzt wohl zu tun?
Ganz geschwinde, eins, zwei, drei,
schneiden sie sich Brot entzwei,
in vier Teile jedes Stück
wie ein kleiner Finger dick.
Diese binden sie an Fäden,
übers Kreuz, ein Stück an jeden,
und verlegen sie genau
in den Hof der guten Frau.

Kaum hat dies der Hahn gesehen,
fängt er auch schon an zu krähen:
Kikeriki, kikeriki!!
Tak, tak, tak, da kommen sie.
Hahn und Hühner schlucken munter
jedes ein Stück Brot hinunter.
Aber als sie sich besinnen,
konnte keines recht von hinnen.
In die Kreuz und in die Quer
Reißen sie sich hin und her,
flattern auf und in die Höh‘,
ach herrje, herrjemine!
Ach, sie bleiben an dem langen,
dürren Ast des Baumes hangen.
Und ihr Hals wird lang und länger,
ihr Gesang wird bang und bänger.
Jedes legt noch schnell ein Ei,
und dann kommt der Tod herbei.


Witwe Bolte in der Kammer
hört im Bette diesen Jammer.
Ahnungsvoll tritt sie heraus:
Ach, was war da für ein Graus!
„Fließet aus dem Aug‘, ihr Tränen!
All mein Hoffen, all mein Sehnen,
meines Lebens schönster Traum
hängt an diesem Apfelbaum!“
Tief betrübt und sorgenschwer
kriegt sie jetzt das Messer her,
nimmt die Toten von den Strängen,
dass sie so nicht länger hängen,
und mit stummem Trauerblick
kehrt sie in ihr Haus zurück.

Dieses war der erste Streich,
doch der zweite folgt sogleich.


D‘ ärschde Lumberei

Mancher blouchd si fei scho gescheid
mid die Henna, glabd s‘ as, Leid.
Ärschdns, wal s‘ die Gaggerli kräign,
wo s‘ in d‘ Neschder nei doun läign.
Zwoadns habn s‘ a Fleisch aa druu,
dass ma ‘n Broudn essn kuu.
Driddens willschd die Feddern hald;
kanner lichd ned su gern kald.


Seegds, die Widfrau Boldi dou,
ihre Henna machen s‘ frouh.
Grod von dene had s‘ blouß drei
und an Giecher aa dabei.
Max und Moritz habn sie dengd,
wäi ma däis edz bloß gscheid lengd,
dass ma kräichd die Henna bald
fiar an guadn Broudn hald.
Ganz, ganz gschwind und oans, zwoa, drei
schneidn si si Broudschdigg glei.
Und es wärn grood väia Schdigg,
jeds als wäi a Finga digg.
Däi habn s‘ zamm mid Fäden bundn
iebersch Kreiz. No(u) san s‘ verschwundn.

Wäi der Giecher siechd däi Broggn,
doud er glei de Henna loggn.
Kikeriki schreid ‘s, dass an grausd,
obba d’ Henna kumma g’sausd,
doun si zu den Broud noo duggn
und däi Schdiggli glei verschluggn.
Blädzli schiddln s‘ ihre Kepfli,
a Schnoua habn s‘ edz in die Krepfli.
Ganz verzweddeld, kreiz und quer,
reißn edzad hin und her.
Allmächd, däi san ja ganz verdadderd
in an Buugn in d‘ Häich nauf gfladderd.
Allsamd bleibn s‘ in ihrer Haschd
hänga an am langa Aschd.
Und ihr Hals wä(r)d lang und länger,
und ihr Gschroa wä(r)d bang und bänger.
Gaggerli läign s‘ edz no gschwind,
d’Aagn verdrahn s‘ und scho san s‘ blind.
Blouß der Giecher lässt an Schieß;
Edz san s‘ hi und däis is gwieß.

D‘ Widfrau Boldi in der Kammer
dengd si scho den Katzenjammer.
Wäi s‘ na naus kummd aus n Haus,
sachd s‘ blouß: „Edz is alles aus!“
Greina mouß hald in an Fo(r)d,
wäi s‘ die Henna sichd da do(r)d.
„Vo meim Leben der schänschde Dram
hängd dou an den Abflbam!“
Nacha r a Zeid gäihd ‘s ehr scho besser
und sie huld a langs, scharfs Messer,
dass däi Viecher roo kuu(n) schneidn,
nachad nimmd s‘ a s‘ af die Seidn,
schdeggd s‘ a s‘ undern Arm feschd nei,
zrugg gäihd s‘ in ihr Haus na glei.

Däis woa(r) d‘ ärschde Lumberei,
obba d‘ zwoade kummd edz glei.


Zweiter Streich

Als die gute Witwe Bolte
sich von ihrem Schmerz erholte,
dachte sie so hin und her,
wie es wohl das Beste wär,
die Verstorbnen, die hienieden,
schon so frühe abgeschieden,
ganz im Stillen und in Ehren
gut gebraten zu verzehren. –
Freilich war die Trauer groß,
als sie nun so nackt und bloß
abgerupft am Herde lagen,
sie, die einst in schönen Tagen
bald im Hofe, bald im Garten
lebensfroh im Sande scharrten.
Ach, Frau Bolte weint aufs Neu,
und der Spitz steht auch dabei.
Max und Moritz rochen dieses.
„Schnell aufs Dach gekrochen!“, hieß es.
Durch den Schornstein mit Vergnügen
sehen sie die Hühner liegen,
die schon ohne Kopf und Gurgeln
lieblich in der Pfanne schmurgeln. –

Eben geht mit einem Teller
Witwe Bolte in den Keller,
dass sie von dem Sauerkohle
eine Portion sich hole,
wofür sie besonders schwärmt,
wenn er wieder aufgewärmt.
Unterdessen auf dem Dache
ist man tätig bei der Sache.


Max hat schon mit Vorbedacht
eine Angel mitgebracht.
Schwupdiwup! Da wird nach oben
schon ein Huhn heraufgehoben.
Schwupdiwup! Jetzt Numro zwei,
Schwupdiwup, jetzt Numro drei,
und jetzt kommt noch Numro vier.
Schwupdiwup! Dich haben wir!
Zwar der Spitz sah es genau
und er bellt: Rawau! Rawau!
Aber schon sind sie ganz munter
fort und von dem Dach herunter.

Na, das wird Spektakel geben,
denn Frau Bolte kommt soeben;
angewurzelt stand sie da,
als sie nach der Pfanne sah.
Alle Hühner waren fort. –
„Spitz!“ – Das war ihr erstes Wort.
„O, du Spitz, du Ungetüm!
Aber wart, ich komme ihm!!“ –
Mit dem Löffel, groß und schwer,
geht es über Spitzen her.
Laut ertönt sein Wehgeschrei,
denn er fühlt sich schuldenfrei.
Max und Moritz im Verstecke
schnarchen heimlich an der Hecke,
und vom ganzen Hühnerschmaus
guckt nur noch ein Bein heraus.

Dieses war der zweite Streich,
doch der dritte folgt sogleich.

D‘ zwoade Lumberei

D‘ Boldi had si na dafangd.
As Greina had ehr ezd scho g’langd.
Und dou ieberleechd si si
„Ja, de Henna, däi san hi,
obba broudn, däis kuu(n) ma s‘ no
und aa essn derf ma s’ do.“


Grupfd und naggerd läign s‘ edz dou,
mei, wäi warn däi Viecher frouh,
wäi s‘ a weng im Huuf mitnand
gscha(r)d in Dreeg habn und in Sand
oder aa in Ga(r)ddn drauß,
edzadla is alles aus!
Wäi s‘ dou sichd, däi do(u)dn Henna,
fangd s‘ glei wider uu zun Flenna.

Däi Sauboum haben den Broudn g‘rocha
und san schnöll aufs Dooch naufkrocha.
Ui, da schaua s‘ durch ‘n Schlot
auf die Henna kerzagrood,
wäi däi ohne Käpf und Gurgeln
safti in der Pfanna schmurgeln. –

Mit an Läffl und an Deller
gäihd die Boldi noo in Keller,
wo si si vom Sauerkraud
an Batzn auf ihrn Deller haud.
Am läibschdn mooch si ‘s, däis is gwieß,
wenn ‘s na wieder aufgwarmd is.
In der Zeid, droobn aufn Dooch
bei der Ärwad, goa ka Frooch,
san der Moritz und der Max;
edz wärd g’schaffd und goa ned lax.
Der Max, der Kerl, der dengt voraus
und leechd edz sei Angl aus.
Schwubb! Däis had scho glei highaud,
der ärschde Giecher is scho g‘klaud.
Schwubbdiwubb! Der zwoade scho,
Schwubbdiwubb! Der dridde no.
Und dou kummd die vä(r)de Nummer,
Edz mäjn s‘ schnöll vom Dooch rookumma.
Der Schbids*, der had däis g’sehgn genau (*= Spitz)
und er bölld : Wauwau, wauwau!

Edz bass auf die Gaudi auf,
denn die Boldi kummd grood nauf.
Wäi sie af die Pfanna schaud,
hädd si ‘s glei na(ch hindn g’haud.
„Woos? Allmächd!“ Is däis a Schregg,
Alli Giecherli san weg.
„Däis kuu(n) blouß der Schbids gween sei!“,
nimmd an Läffl, haud nan glei
af sei Föll und schimpfd und flouchd,
dass der blouß die Hausdür souchd.
Laud kuu(n)schd häian*, wäi er schreid: (* = hören)
„I kuu(n) nix dafier, ihr Leid!“* (= Leute)

Max und Moritz hindern Strauch
schloufn scho mid’n diggn Bauch;
und vom ganzn Giecherschmaus
schaud grood no a Boala* raus. (* = Beinchen)

Däis woa(r) d‘ zwoade Lumberei,
obba d‘ dridde kummd edz glei.


Dritter Streich

Jedermann im Dorfe kannte
einen, der sich Böck benannte.
Alltagsröcke, Sonntagsröcke,
lange Hosen, spitze Fräcke,
Westen mit bequemen Taschen,
warme Mäntel und Gamaschen,
alle diese Kleidungssachen
wusste Schneider Böck zu machen.
Oder wäre was zu flicken,
abzuschneiden, anzustücken
oder gar ein Knopf der Hose
abgerissen oder lose,
wie und wo und wann es sei,
hinten, vorne, einerlei,
alles macht der Meister Böck,
denn das ist sein Lebenszweck.
Drum, so hat in der Gemeinde
jedermann ihn gern zum Freunde.
Aber Max und Moritz dachten,
wie sie ihn verdrießlich machten.
Nämlich vor des Meisters Hause
floss ein Wasser mit Gebrause,
übers Wasser führt ein Steg
und darüber geht der Weg.

Max und Moritz gar nicht träge
sägen heimlich mit der Säge
ritzeratze voller Tücke
in die Brücke eine Lücke,
Als nun diese Tat vorbei,
hört man plötzlich ein Geschrei:
„He, heraus! Du Ziegen-Böck!
Schneider, Schneider, meck, meck, meck!“
Alles konnte Böck ertragen,
ohne nur ein Wort zu sagen,
aber wenn er dies erfuhr,
ging’s ihm wider die Natur.

Schnelle springt er mit der Elle
über seines Hauses Schwelle,
denn schon wieder ihm zum Schreck
tönt ein lautes: „Meck, meck, meck!“
Und schon ist er auf der Brücke,
kracks, die Brücke bricht in Stücke;
wieder tönt es: „Meck, meck, meck!“,
plumps, da ist der Schneider weg.
Grad als dieses vorgekommen,
kommt ein Gänsepaar geschwommen,
welches Böck in Todeshast
krampfhaft bei den Beinen fasst.
Beide Beine in der Hand
flattert er auf trocknes Land.
Übrigens bei alledem
ist so etwas nicht bequem;
wie denn Böck von der Geschichte
auch das Magendrücken kriegte.
Hoch ist hier Frau Böck zu preisen,
denn ein heißes Bügeleisen
auf den kalten Leib gebracht,
hat es wieder gut gemacht.
Bald im Dorf hinauf, hinunter,
hieß es: Böck ist wieder munter!

Dieses war der dritte Streich,
doch der vierte folgt sogleich.

D‘ dridde Lumberei

Jeder doud in Dorf oan kenna,
wo si Willi Beck doud nenna.
oaner, der wo alles kuu.
Schneider is der guade Muu,
Wergdoochskiddel, Sunndichsgwand,
alles machd er mitanand.
Blouß a Gschlumb, däis machd er ned,
der is fleißi und ned bläid.
Haschd a Drumm zun Fliggn, heid,* (* = heute)
gehschd zun Beck, der machd der’s gscheid,
is a Huusagnubf ned dou,
der Beck, der hülfd, mei läiber Bou.
Bassd was ned, na richd er ‘s glei,
hindn, vornerd, worschd is fei,
alles machd der Beckn-Schneider,
kö(r)zer, länger, enger, weider.
Im Dorf a jeder mooch an Beck;
as Schneidern is sei Lebenszweck.
Der Max und Moritz aber dengn:
„Woll ma‘n Beck im Booch versengn?“
Nämli dou vom Beck sein Haus
schausd grood auf a Bachla naus.
‘s Bachla houd a weng a Brugg,
dou kuu(n)schd niewer* und a zrugg. (* = hinüber)
Max und Moritz sagn däi Bredder
faschd ganz durch, Greiz-Dunnerwedder,
mid der Sag grood ritzeratz,
glei is g’schehng, däis gähd ratzfatz.

Laud deans schreia mid Geblegg:
„Drau di raus, du Goaßn-Beck!“

Der Beck, der kuu(n) scho vül verdroogn,
ned so schnöll schloochd’s auf sein Moogn,
obba däis, däis woar na z’vül;
Aa der Beck hod no a Gfül.* (* = Gefühl)

Mid der Elln in der Händ
kummd er aus sein Haus nausgrennd,
denn scho wieder – su a Schregg –
schreia d’ Sauboum: „Meck, meck, meck!“
Kummd auf d‘ Bruggn, däi brichd zamm.
Däis wolldn doch däi zwoa blouß ham,
schreia wider: „Meck, meck, meck!“
Edzad is der Schneider weg.
Wäi er aufdauchd, sichd er glei
grod zwou Gäns, däi baggd er fei,
und däi zäign nan naus an Rand
ausn Wasser, hie aufs Land.

Naa, im Booch a suu a Bood
is nix Gscheids, ja glabschd es grood.
Der Beck, der houd vo dera Gschichd
gscheid as Moogndruggn krichd.
Dou hülfd d‘ Becki, dass d‘ es woaßt,
ihr Biegleisn is schäi hoaß.
Auf sein Bauch fahrd s‘ hi und her
ja däis hülfd an Beck scho sehr.
Bal* in Dorf hassd’s nauf und noo: (* = bald)
Der Beck is wider gsund und fro(u)h!

Däis woa(r) d‘ dridde Lumberei,
obba d‘ vä(r)de kummd edz glei.


Vierter Streich

Also lautet ein Beschluss,
dass der Mensch was lernen muss.
Nicht allein das ABC
bringt den Menschen in die Höh‘;
nicht allein im Schreiben, Lesen
übt sich ein vernünftig Wesen;
nicht allein in Rechnungssachen
soll der Mensch sich Mühe machen,
sondern auch der Weisheit Lehren
muss man mit Vergnügen hören.

Dass dies mit Verstand geschah,
war Herr Lehrer Lämpel da.

Max und Moritz, diese beiden,
mochten ihn darum nicht leiden,
denn wer böse Streiche macht,
gibt nicht auf den Lehrer acht.
Nun war dieser brave Lehrer
von dem Tobak ein Verehrer,
was man ohne alle Frage
nach des Tages Müh‘ und Plage
einem guten alten Mann
auch von Herzen gönnen kann.
Max und Moritz unverdrossen
sinnen aber schon auf Possen,
ob vermittels seiner Pfeifen
dieser Mann nicht anzugreifen.

Einstens, als es Sonntag wieder,
und Herr Lämpel, brav und bieder,
in der Kirche mit Gefühle
saß vor seinem Orgelspiele,
schlichen sich die bösen Buben
in sein Haus und seine Stuben,
wo die Meerschaumpfeife stand;
Max hält sie in seiner Hand,
aber Moritz aus der Tasche
zieht die Flintenpulverflasche
und geschwinde, stopf, stopf, stopf!
Pulver in den Pfeifenkopf. –
Jetzt nur still und schnell nach Haus‘,
denn schon ist die Kirche aus.


Eben schließt in sanfter Ruh‘
Lämpel seine Kirche zu.
Und mit Buch und Notenheften
nach besorgten Amtsgeschäften
lenkt er freudig seine Schritte
zu der heimatlichen Hütte



und voll Dankbarkeit sodann
zündet er sein Pfeifchen an.
„Ach!“, spricht er: „Die größte Freud‘
ist doch die Zufriedenheit!“

Rums! – Da geht die Pfeife los
mit Getöse schrecklich groß.
Kaffeetopf und Wasserglas,
Tabaksdose, Tintenfass,
Ofen, Tisch und Sorgensitz –
alles fliegt im Pulverblitz.

Als der Dampf sich nun erhob,
sieht man Lämpel, der, gottlob,
lebend auf dem Rücken liegt,
doch er hat was abgekriegt.
Nase, Hand, Gesicht und Ohren
sind so schwarz als wie die Mohren;
und des Haares letzter Schopf
ist verbrannt bis auf den Kopf.

Wer soll nun die Kinder lehren
und die Wissenschaft vermehren?
Wer soll nun für Lämpel leiten
seine Amtestätigkeiten?
Woraus soll der Lehrer rauchen,
wenn die Pfeife nicht zu brauchen?
Mit der Zeit wird alles heil,
nur die Pfeife hat ihr Teil.

Dieses war der vierte Streich,
doch der fünfte folgt sogleich.


D‘ vä(r)de Lumberei

Also, dass ehr’s* edz glei wissd, (* =ihr es)
dass ehr fei was lerna missd.
Ned alloa as ABC
mäißd ehr lerna, däis waar schee;
und as Lesn und as Schreibn
is ned blouß zun Zeidverdreibn.
Aa as Rechna mouschd no kenna,
dass di ned an Debbn nenna.
Und däis ganze Zeich und Woa(r)
sull di gfreia* – is däis kloa(r)? (* = freuen)
Der Lehrer Lämblein had sei Plooch
mid die Kinner heidzadooch.* (*= heutzutage)
Dass aa d‘ Weisheid helfa doud,
dou habn d’ Ruuzboubn nix am Houd.

Denn wer Bläidsinn machd no mehra,
schaud ganz gwieß ned aufn Lehrer.
Oans had unna Lehrer brauchd,
er had gern sei Pfeifla grauchd,
was ma nach dem Gwerch am Dooch
mid der Mäih und dera Plooch
unnan guadn aldn Muu
aa vo He(r)zn genna kuu.
Däi zween Lausboubn obba schaua:
Kemma* den ned oans drauf haua? (* = können wir)
Gäihd’s vielleichd mid sana Pfeifn,
dass den Aldn dou kunnschd greifn?

Z’mal am Sunndi, däis is schäi,
wenn hald d‘ Leid in d‘ Kerch nei gäih,
hoggd der Lämblein mid vül Gfül
grood nu bei san Orglschbül,
egsdrig heid* – es is a Graus, (*extra heute)
schleichn d’ Boum si nei ins Haus,
sei Pfeifn schdehd do(r)d an der Wänd,
der Max häld s‘ scho in seiner Händ.
Der Moritz huuld aus seiner Daschn
schnöll a vulla Bulverflaschen,
und ganz gschwind na schdobf, schdobf, schdobf!
Bulver nei in Pfeifnkobf!
Und edz gschwind naus ausn Haus,
wal de Kerch, däi is scho aus.
Sigschd, edz schberrd mid ganz vül Rouh
der Lämblein d’Kerchadür grood zou.
Undan Arm sei Zeich und Woa(r)
sabbd er zfriedn ganz und goa(r)
hoam, rechd gmiedli* zu san Haus, (* = gemütlich)
denn sei Ärwad is edz aus.
lassd as Wä(r)dshaus fei lings läign,
heid, dou doud er ned oobäign*, (* = abbiegen)
Und vull Dangbarkeid, der Muu
zind si na sei Pfeifla uu.
„Ach!“, sachd er: „Die größte Freud‘
ist doch die Zufriedenheit!“

Rums! – Dou schebberd’s, umadum
doud’s an Schlooch und alls falld um.
Kaffedassn, Wasserglasla,
Dabagsdusn, Dindnfassla,
Uufn, Diesch und Kanabee,
alls haud’s um, o jemminee!
Wäi der Rauch na wechzuugn is,
sichd ma’n Lämblein, däis is gwieß,
wäi er afn Buudn flaggd,
obba ‘s had‘n gscheid derbaggd.
D’Nosn, d’Ouern, d’Händ und‘s Gsichd,
allmächd, wäi is der Muu zammgrichd!
Nix mehr sigschd* vo seine Houer*, (* = siehst du; *Haaren)
oobrennd san s‘ bis zu de Ouer*. (* = Ohren)

Wer sulld edzad d‘ Schöll nu haldn
und in Dorf as Lebn no gschdaldn*? (* = gestalten)
Um den Muu is wärgli schood,
Lehrermangel hom ma grood.
Mid wos sull der Lehrer raugn,
wenn er d‘ Pfeifn ned kuu(n) braugn?
Der Lämblein wä(r)d scho wider gsund,
blouß die Pfeifn is am Hund.

Däis woa(r) d‘ vä(r)de Lumberei,
obba d‘ fimfde kummd edz glei.


Fünfter Streich

Wer in Dorfe oder Stadt
einen Onkel wohnen hat,
der sei höflich und bescheiden,
denn das mag der Onkel leiden.
Morgens sagt man: „Guten Morgen!
Haben Sie was zu besorgen?“
Bringt ihm, was er haben muss,
Zeitung, Pfeife, Fidibus.
Oder sollt‘ es wo im Rücken
drücken, beißen oder zwicken,
gleich ist man mit Freudigkeit
dienstbeflissen und bereit.
Oder sei’s nach einer Prise,
dass der Onkel heftig niese,
ruft man „Prosit!“ alsogleich.
„Danke!“ – „Wohl bekomm es Euch!“
Oder kommt er spät nach Haus,
zieht man ihm die Stiefel aus,
holt Pantoffeln, Schlafrock, Mütze,
dass er nicht im Kalten sitze.
kurz, man ist darauf bedacht,
was dem Onkel Freude macht.
Max und Moritz ihrerseits
fanden darin keinen Reiz.
Denkt Euch nur, welch schlechten Witz
machten sie mit Onkel Fritz.

Jeder weiß, was so ein Mai-
käfer für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
fliegt und kriecht und krabbelt er.
Max und Moritz immer munter
schütteln sie vom Baum herunter.
In die Tüte von Papiere
sperren sie die Krabbeltiere.
Fort damit und in die Ecke
unter Onkel Fritzens Decke!

Bald zu Bett geht Onkel Fritze
mit der spitzen Zipfelmütze;
seine Augen macht der zu,
hüllt sich ein und schläft in Ruh‘.
Doch die Käfer, kritze, kratze,
kommen schnell aus der Matratze.
Schon fasst einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.
„Bau!“, schreit er, „was ist das hier?“
, und erfasst das Ungetier.

Und den Onkel voller Grausen
sieht man aus dem Bette sausen.
„Autsch!“ – Schon wieder hat er einen
im Genicke, an den Beinen.
Hin und her und rundherum
kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.
Onkel Fritz in seiner Not
haut und trampelt alles tot.
„Guckste wohl, jetzt ist’s vorbei
mit der Käferkrabbelei!“
Onkel Fritz hat wieder Ruh‘
und macht seine Augen zu.

Dieses war der fünfte Streich,
doch der sechste folgt sogleich.


D‘ fimfde Lumberei

Haschd an Onggl in der Schdood,
na mouschd heefli sei, fei grood,
und bescheidn sollschd aa sei,
na mooch di der Onggl glei.
In der Fräih winschd: „Guadn Moign!
Braugschd was, mou i da was b’sorgn?“
Bringschd n’am, mai, wäi gfreid si der,
‘s Weißaburcher Doochbladd her.
Oder wenn’s am Buggl juggd,
beißn doud oder aa druggd,
glei schaffschd su mid groußer Freid,
dass der Onggl had koa Leid.

Wenn der Onggl näist ganz laud,
sagschd na „Helfgodd!“, dass er schaud.

Oder kummd er hoam erschd schbaad,
zäichd ma‘ n d’ Schdiefl aus, agrad*, (* = akurat)
huld sei Gschlumb und huld sei Schlabbn,
mou er schdrimbferd* ned rumsabbn. (* = in Strümpfen)
Sooch, wäi ‘s is: Der Onggl mooch
däis, was Freid machd alle Dooch.
Max und Moritz, freili däi
haben ka Luschd auf su a Mäih*, (* = Mühe)
macha läiwa bläide Widz
mid den guadn Onggl Fritz.

Faschd a jeda kennd an Mai-
käfer und gfreid si dabei.
In die Baam, ball nauf, ball noo,
kräicha s‘, fläign s‘ und krabbln s‘ roo.
Max und Moritz schüddeln s‘ fei
vo die Baam roo und doun s‘ glei
lewendig nei in Düüdn schdeggn
und dean s‘ nacherd under d‘ Deggn
vo dem Onggl Fritz sein Bedd.
Hei, des gibd na glei a Gfredd*. (* = Plage)

Bal ins Bedd der Onggl gäihd,
wal der is heid scho gscheid mäid.
Sei(ne Aagn, däi machd er zou
und er moand, er schloufd in Rouh.
Doch die Käfer, gridzn, gradzn,
kumma glei aus der Madradzn.
Schgo baggd oana, vorna druu,
an Onggl Fritz sei Nosn uu.
„Bau!“, schreid der, „Däis kuu(n) ned sei,
Käfer, su a Lumberei!“
Aus sein Bedd, glei mid oan Sidz,
hudzd der guade Onggl Fritz.
„Audsch!“ A Käfer machd edz zwack
in am Onggl Fritz sein Gnagg.
Hin und her und umadum
kräichd’s und fläichd’s und machd brumm, brumm.
Und der Onggl in der Noud
haud und drambld alles doud.
„Sigschd d’as, aus is und vorbei
mid der bläidn Grabbelei!“
Der Onggl edzad had sei Rouh
und machd glei sei Aagn feschd zou.

Däis woa(r) d‘ fimfde Lumberei,
obba d‘ segschde kummd edz glei.


Sechster Streich

In der schönen Osterzeit,
wenn die frommen Bäckersleut‘
viele süße Zuckersachen
backen und zurechte machen,
wünschten Max und Moritz auch
sich so etwas zum Gebrauch.
Doch der Bäcker mit Bedacht
hat das Backhaus zugemacht.
Also will hier einer stehlen,
muss er durch den Schlot sich quälen.
Ratsch! Da kommen die zwei Knaben
durch den Schornstein schwarz wie Raben.
Puff! Sie fallen in die Kist‘,
wo das Mehl darinnen ist.
Da! Nun sind sie alle beide
rundherum so weiß wie Kreide.
Aber schon mit viel Vergnügen
sehen sie die Brezeln liegen.
Knacks! – Da bricht der Stuhl entzwei.
Schwapp!! – Da liegen sie im Brei.
Ganz von Kuchenteig umhüllt
stehn sie da als Jammerbild.

Gleich erscheint der Meister Bäcker
und bemerkt die Zuckerlecker.
Eins, zwei, drei! – Eh‘ man’s gedacht
sind zwei Brote draus gemacht.
In dem Ofenglüht es noch –
Ruff! – Damit ins Ofenloch.
Ruff! – Man zieht sie aus der Glut,
denn nun sind sie braun und gut.
Jeder denkt: Die sind predü!
Aber nein, noch leben sie.
Knusper, knasper! Wie zwei Mäuse
fressen sie durch das Gehäuse.
Und der Meister Bäcker schrie:
„Ach, herrje! Da laufen sie!“

Dieses war der sechste Streich,
doch der letzte folgt sogleich.


D‘ segschde Lumberei

In da schäina Kärwazaid,
wenn da Begg na und sei Leid* (* = seine Leute)
Käichli, Kissli, Zuggawoa(r)
baggn und zammrichdn doa,
moand der Max und ‘s Moritzla:
Su a Zeich meegn mir fei aa.
Der Begg, der ho(u)d si däis scho dengd,
vur d‘ Baggschduubn had er’s Schluuß highängd.
Wüll edz drodzdem oaner klaua,
mou er durchn Schloud si draua.
Radsch! Dou kumma däi zwoa roo,
schwa(r)dz wäi d’ Krouha, sigschd as scho.
Wums! Dou fläign s‘ in d‘ Kischdn nei,
wo as Möl* sulld drinna sei. (* = Mehl)
‘s woa(r) aa drinna. Edz san s‘ weiß
umadum, i mach kann Scheiß!
Obba scho sehng s‘ Breezn läign,
däi wölln s‘ edzad aa no kräign.
Gnaggs! – Den Schdöl, den haud’s zamm glei.
Bladsch! – Edz läign’s scho drin in Brei.
Mid Kouchadoag san’s umadum.
Allmächd, wäi schaua s‘ ezad dumm.
Glei kummd aa der Maschda Begga
und er sichd die Zuggaschlegga.
Und zwoa Brode - oans, zwoa, drei! –
machd er aus de Kerl edz glei.
Hobb! – In Uufn is no Hidz.
Nei damid als wäi der Blidz!
Radsch! – Edz zäichd er’s wider raus,
wal sie schaua guad scho aus.
A jeder moand: Däi san gwieß hi!
Obba naa, däi räiern* si. (* = rühren sich)
Gnuschba, gnaschba, wäi di Mäisli
fressn s‘ si durch ihra Haisli.
„Allmächd!“, schreid dou der Maschda Begg,
„Däi zwoa Broud, däi laffa weg!“

Däis woa(r) d‘ segschde Lumberei,
obba d’ledschde kummd edz glei.


Letzter Streich

Max und Moritz, wehe euch!
Jetzt kommt euer letzter Streich!
Wozu müssen auch die beiden
Löcher in die Säcke schneiden?
Seht, da trägt der Bauer Mecke
einen seiner Maltersäcke.
Aber kaum, dass er von hinnen,
fängt das Korn auch schon zu rinnen.
Und verwundert steht und spricht er:
„Zapperment, dat Ding werd lichter!“
Hei! Da sieht er voller Freude
Max und Moritz im Getreide.
Rabs! – In seinen großen Sack
schaufelt er das Lumpenpack.
Max und Moritz wird es schwüle,
denn nun geht es nach der Mühle.
„Meister Müller, he, heran!
Mahl er das, so schnell er kann!“
„Her damit!“ Und in den Trichter
schüttet er die Bösewichter.
Rickeracke! Rickeracke!
geht die Mühle mit Geknacke.

Hier kann man sie noch erblicken,
fein geschroten und in Stücken.
doch sogleich verzehret sie
Meister Müllers Federvieh.


Ledschde Lumberei

Max und Moritz, edz passd’s auf,
glei seid’s hi,edz gäihd’s glei drauf!
Däi zween Sauboum schneidn glei
Lächer in de Sägg grood nei,
wo der Bauer drächd davuu.
Sigschd as, gscheid schdrengd er si uu.
Aus’n Soog, däis Kurn nausrind
und der Bauer mergd däis gschwind.
Schaugd si’s uu und wunderd si:
San am End mei Sägg edz hi?
Voller Freid, dou sichd er wen,
Max und Moritz san däis gween.
Baggd däi zween na glei ban Kroogn,
doud s‘ in Soog und fo(r)d scho droogn.
Zwoaraloa däi Boum edz is,
wal’s zur Mül gäid, däis is gwieß.
„Maschda Müller, gäih nea her!
Mahl den Soog, der is fei schwer!“
„ Her damid! In Drichder nei!“
Aus is mid der Lumberei!
In der Mül, a Gwerch gibd’s dou,
dass dei Lebn werschd nimmer frouh.

Und su gäihd’s edz, augnblickli
san däi zween blouß kloane Schdiggli.
D‘ Gäns, däi sehgn s‘ im Huuf glei draus,
fressn‘s zamm. Däis woar’s und aus.


Schluss

Als man dies im Dorf erfuhr,
war von Trauer keine Spur.
Witwe Bolte, mild und weich,
sprach: „Sieh da, ich dacht‘ es gleich!“
„Jajaja!“, rief Meister Böck:
„Bosheit ist kein Lebenszweck!“
Drauf, so sprach Herr Lehrer Lämpel:
„Dies ist wieder ein Exempel!“
„Freilich“, meint der Zuckerbäcker,
„warum ist der Mensch so lecker?“
Selbst der gute Onkle Fritze
sprach: „Das kommt von dumme Witze!“
Doch der brave Bauersmann
dachte: Wat geiht meck dat an?
Kurz, im ganzen Dorf herum
ging ein freudiges Gebrumm:
„Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei
mit der Übeltäterei!“


Schluss

Koaner ho(u)d‘s in Durf bedauerd,
koaner ho(u)d aa wärgli drauerd.
Die ald Boldi moand versengd:
„Hob i me(r)sch do glei scho dengd!“
„Sigschd as“, schimpfd der Maschda Beck,
Bäis sei houd im Leben koan Zwegg!“
Und wos sachd der Lehrer Lämblein?
„Dies ist wieder ein Exemplein!“
Und der Begg, der moand dazou:
„Mid den Schdiehln* is edz a Rouh!“ (* = Stehlen)
„Freili“, sachd der Onggl Fritz,
„däis habd’s edz vo eire Widz!“
Fragschd an Bauer, was der kuu,
sachd der: „Wos gäihd mi des uu?“
Ko(r)z, in Därfla no und nauf
is a jeder gscheid guad drauf:
„Godd sei Dangk, edz is vorbei
mid der Sauboum-Lumberei!“


Nachbemerkungen

Die Lausbubengeschichte von Max und Moritz gehört nicht nur in Deutschland zu den volkstümlichsten Dichtungen bei Jung und Alt, sondern ist auch ein Buch, das weltweit in alle Kultursprachen übersetzt ist. Fast jeder bei uns kennt die Streiche der beiden Buben, und so ist es nicht verwunderlich, dass es neben den Fremdsprachenübersetzungen auch viele Übertragungen in die einzelnen deutschen Mundarten gibt, auch auf Fränkisch (Nürnbergerisch und Steigerwaldfränkisch), aber nicht in den hiesigen Dialekt, denn dieser unterscheidet sich doch von den oben genannten nicht unerheblich. Schließlich ist unser Raum ein Übergangsgebiet zwischen Ostfränkisch, Nordbairisch und Schwäbisch, was hier zu einer kleinräumigen Ausprägung führt. So spricht nicht nur ein Raitenbucher anders als ein Trommetsheimer, sondern manchmal unterscheidet sich die Aussprache von Dorf zu Dorf. So wurden mir z. B. für das Wort Kuchenteig (kommt im 6. Streich vor) allein aus dem nördlichen und mittleren Altlandkreis Weißenburg folgende Varianten mitgeteilt: Kouchadoag, Kouchadoach, Kouchadoig, Kouchadoich, Kougndoag, Kougndoach, Kougndoich und Kougndaach – und vielleicht kennen Sie noch eine neunte oder zehnte Aussprache. So wird nicht nur im westlichen Landkreis das Wort „auch" als „oo" gesprochen und im Osten „aa", sondern auch bei zahlreichen anderen Wörtern ist es ähnlich. Ich bitte daher um Nachsicht, wenn Sie beim Lesen immer wieder einwenden: „So sagen wir nicht!“, weil die von mir gewählte Variante nicht der Ihres Heimatortes entspricht.

Ein weiteres Problem ist: Es gibt keine verbindliche Rechtschreibung für die Mundart. Die einigermaßen lautgerechte Schreibung erschwert das Lesen, weil man ungewohnte Schriftbilder vor sich hat. So konnte nur ein Kompromiss zwischen tatsächlicher Aussprache und schriftlicher Dialektwiedergabe versucht werden, etwa, dass in Klammern stehende Buchstaben nur andeutungsweise gesprochen werden. Aber jeder Kompromiss bleibt immer auch unzufriedenstellend. Trotzdem hoffe ich, dass Sie viel Vergnügen beim Lesen hatten.