Mundart im Raum Weißenburg - Redensarten, Sprichwörter und Richtungsbezeichnungen

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In der nachstehenden Aufstellung finden sich zahlreiche Begriffe, die als Ergänzung zu den unten stehenden Weblinks zu verstehen sind.

Charakter- und Geisteseigenschaften

Etwas nicht mögen: Des hob i scho lang gfressn! Des hob i gern! Dou bin i eklhaft!

Ihm ist keine Frau gut genug: Der soll si ane von Beck bacha louern, nou kunners fressn, wenn er s’ nemmer moch!

Schlechter Mensch, Taugenichts: Der is lumperter wöi der Gänsmischt!

Vorlaut / dumm: Dou wor's Zibberla wieder gscheiter wöi d' Henna!

Angeberisch / dumm: Der hout d' Gscheitheit mi'm Leffi gfressn!

Naiv / dumm: Der is af der Wassersubbm derhergschwumma!

Sehr dumm: Der is net ganz sauber. Der is su dumm wöi d' Nocht finschter! Der is dümmer wöi lang! Der hout an Schlooch (Patscher)! Der is nonni ganz bachn! Der is net ganz echt, hout nemmer alle, is ned ganz dicht, houd sein Kuupf blouß, dass s' n ned in Hols neirengt!

Begriffsstutzig: Den mouß mer mit an Stodltur (= Scheunentor) wingka!

Unpraktisch veranlagt: Der stellt si wöi a Hund zon Ojer lieng (zon Hai rupfa / zum Scheißn)!

Verdutzt: Der schaut wöi a Husserla, wenn's blitzt!

Jemand ,,spinnt": Der hout an Rappl!

Jemand hat begriffen u. ausgenützt: Der hout's bon Drumm!

Faul: Den könntscht under der Ärbert d' Schouch bindn / d' Husn flicka!

Geckenhaftes Wesen: Der steicht wöi a Gieger im Gros!

Vergesslich: Der hout a Gedächtnis vo Zwölfa (Elfa) bis Middooch!

Schlimmer Mensch: Der is wöis böise Geld!


Konversation

Danke – Des häit's fei ned braucht!

Übernimm dich nicht! – Verdal di net!

Bekräftigung am Satzanfang, -ende – Mei Löiberla! Freindla! Brouderherz

Zustimmung – Des kunnscht laud song!

Harsche Ablehnung – Des kunnscht der an'n Houd stecka!

Das wird nie eintreten – Des kunnscht der in'n Schloud schreim! (Schlot)

Es reicht! Na sowas! – Etz glaab i' s doch bal!

Jetzt hab ich dich! – Etz ghörscht der Katz!

Du redest dumm daher – Höier af, du mit dein Gsooch! Dei Gsooch mechert i hom!

Mit dir rede ich nicht mehr – Rutsch mer in Buckl ro! Steich mer am Buckl!

Ich fühle mich nicht betroffen – Du kunnscht mi gor ned moana!

Erschrecke mich nicht! – Mach mer fei in Gaul ned scheich!

Jemand redet kaum – Der red't und deit't net! Der hout's Maul in Tischlodn glouern! Der bringt ’s Maul ned af!

Das habe ich von ihm erwartet – Des siecht 'n gleich!

Jemand trinkt zuviel / zu schnell – Der sauft wöi a Handochs!

Beim Betreten eines fremden Stalles – Glick in'n Stoll!

Über unseren Dialekt berichtet die Weißenburgerin Betti Strobel:

Als Kind wollte ich von der Großmutter wissen, was denn die Männer so gerne und so lang ins Wirtsbaus treibt. Die „dischgeriern halt. Dou hoggas all um an Diesch rum und redn und jeder will reecht hom, und derbei saufers, weils vum vieln Redn durschdi wern. Wenn dann die Masskräich fleiing, dann is Dischbut." So kann aus einem Diskurs ein Disput werden! Ich hatte nun eine klare Vorstellung vom „dischgeriern". Soll mal einer sagen, unser „Frängisch " sei nicht präzise.


Körper, Arbeit, Bewegung, Nahrung

groß gewachsen – Der könnert s' Wasser aus der Dochrinna saufa!

Bleichgesichtig – Der siecht aus wöi d' Henna underm Schwunz!

Jemanden geht es schlecht – Der is lumbert banander!

Trotz Kälte gut durchblutet – Der hout a Hitz!

Danebenliegendes nicht finden – Wenn 's Hörner häit, tatn s’ di stoußn!

Nichts bekommst du! – A Hundsfotzn kräigscht!

Genäschig – Wennscht des net mogscht, frischt d' Hundsfotzn!

Nach karger Mahlzelt – Etz war wos zun Essn recht!

Essen schmeckt nicht – Der beißt grod, wöi wenn er Leibolln fressert! (= Leinballen)

Starker Raucher – Der raucht wöi a lumberder Ufa!

Beim Niesen – Helf der Gott! (Niesen galt früher als Zeichen für die unheilbare Pest)

Jemand ließ tollpatschig etwas fallen – Heit hom s' mer in d' Händ gschissn!

Wenn wer nicht geht, sitzen bleibt – Der hout 'n Hockertn!

Jemand war außer Rufweite – Du worscht af der Oseitn (= „Abseite")

Die Kurve war zu eng – Du houscht 'n Rieb ned kräicht!

Jemand verzögert, tut langsam – Mach ned su a G'zaich!

Heute geht nichts mehr – Der Dooch is gloffa. (Tag)

Nur beim Essen flink – Des han die Richti'n, ban Essn schwitzn's, und ba der Ärbert fräiert si's!

Bitte Tür schließen! – Habt ihr an Sook vur der Tür hänga?

Für extreme Dummheit – Es gibt Dumme, Saudumme und setti, wou in Berch naf bremsn!

Guter Tänzer – Der danzd wöi der Lump an Stecka!

Geh weg! – Gschau, dass d' Kurvm derwischt, ... dass d' di schwingscht!

Wenn jemand beim Essen redet – Wenn der Vugl frisst, pfeift er ned!


Schicksal und Recht

Hartes Schicksal – Der houd sei Backla zun Droong! (Der hat sein Päcklein zu tragen)

Bei Hader/Zwist – In' Pfarrer seiner Kucha (= Küche) raucht's a amoll!

Unverdienter Reichtum – Ba denni kälbert der Schliegl (= Schlegel) under der Bänk!

Jetzt ist schon alles egal – Wenn der Hund verreckt is, soll d' Keddn a nu hie sei! (= die Kette auch noch hin sein)

Alles aus – Bo dem is der Hund verreckt!

Es geht abwärts (auch übertragen) – Dou gäiht's gedool (= zu Tale)

Bei Geldmangel – Mit wos soll i'n des zohln? Mit Huserknöpf?

Etwas eilt nicht – Des houd weid!

Basta! – Dou beißt die Maus kan Foodn o!

Warte nur, bis du selbst verantwortlich bist – Werscht scho gschaung, wennscht in dei eings Hafferla (= eigenes Häfelchen/Töpfchen) schau(g)scht!

Das Maß ist gleich voll - Du houscht's gnauch banander! Etz wird's Hafferla glei ieberlaffa!

Man hat einen Behälter zuviel dabei – Wos laar (= leer) stäihd, greind ned!

Das gebe ich verloren – Des houd der Deifl (= Teufel) gsehng!

Bei Unglück – Es hängt ned hundert Johr af oaner Seidn! Es hängt ned äiwi (= ewig) af aner Seidn!

Er wird nicht lang hierbleiben – Der frisst ba uns ka Pfund Solz!


Sprichwörter und Lebensweisheiten - auch ein Stück Selbstkritik

Falls man nicht den passenden Umgang sucht, sich klein macht – „Wer si under die Kleia mischt, den fressn d' Sai.(= Säue)"

Spaßhaft: „Die Katz butzt si, dou kummt a ganz nobler Bsouch!"

Bei ausgelassenem Herumtollen: „Wenn d' Isl (= Esel) scherzn, kummt a anders Weder!"

Rechtfertigung für den Genuss des Lebens: „Löiber an Bauch von Essn wöi an Buckl vu der Ärbert!"

In der Gaststätte lässt man nichts übrig: „Löiber in Mong verrenkt, wöi an Werd (Wirt) wos gschenkt!"

Bauern über (hämisch) lachende Bauern: „Wenn a Bauer lacht, g'hört 'n der Stukzuh (Stockzahn) g'rissn!"

Freie Bauern neigen zur Uneinigkeit: „Wenn mer drei Bauern under an Houd bringa will, mou mer zwoa derschlong!"

Zunehmende Mückenplage: „Wennscht a Mugga derschlägscht, genga neinerneinzg in d' Leich!" (= Leichenbegräbnis)

Schnelligkeitsvergleich: „Wöi er isst, su ärbert er!"

Ein Lob für kaltes Wetter: „Des is a Weder für mei Knecht: Ärbertn's nix, nou fräiert si's recht!"

Schnelle Zuchtwahl: „S'Heiretn und 's Schlidnfohrn mou schnell gäih!"

Tipp gegen Selbstmitleid und Depression: „Wenn mer ärbert, kummt mer ned ins Sinniern!"

Aus dem Buch der Etikette: „Mit an nackertn Finger deit' mer ned af uuzuunge Leid!" (= angezogene Leute)

Nur nicht zu viel fragen: „Wer lang froucht, gäiht lang irr!"

Gelten Tiere mehr als Menschen? „Weibersterbm is ka Verderbm, Gaal (= Gäule) verrecka – des han (= sind) Schrecka!"


Zur Besonderheit ostfränkischer Richtungsangaben

Allgemeine Regeln:

- Während es hochdeutsch heißt „Ich fahre nach Nürnberg", setzt der Einheimische grundsätzlich noch eine Partikel dazu: „I fohr af Nermberch nei". Verwendet werden „nei, naus, naf, no, vur, hinder, nieber".

- „Nei" fährt man in größere Städte, vom Ortsrand in Richtung Ortsmitte oder in einen großen Forst.

- „Naus" bezeichnet die abgelegenen, kleineren Orte oder Flure, aber auch ganze Bereiche, die z.B. hinter einer Stadt liegen: „Af Weimerscha naus"

„Naf, no, nieber" geben an, ob der Zielort höher, tiefer oder etwa gleich hoch liegt.

- „Hinter" signalisiert grundsätzlich ein kleineres, versteckt liegendes Ziel, zu dem kein gerader Weg führt. „Vur" begibt man sich auf zentralere Plätze des gleichen Ortes.

Jede einzelne Ortschaft in unserem Gebiet hat eine individuelle Liste dieser Partikeln entwickelt und gebraucht sie nicht nur für das WOHIN, sondern auch für das WO: „In Nermberch dinna", ,,z' Indernbouch drimm."


Zusätzliche mundartliche Richtungsangaben (Auswahl)

Obhst.Richtungen.jpg

Alle Angaben nach MERTENS, Gottfried: Die heimische Mundart, in: Oberhochstatt - Niederhofen - Kehl 899 - 1999. Weißenburger Heimatbücher Band 6, Weißenburg 1999, S. 367


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sind Hunderte von typischen Mundartausdrücken zu finden, in denen viel Humor steckt.