Otto Stiepak

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Otto Stiepak

Otto Stiepak (* 4. April 1931 in Zwittau; † 25. September 2007 in Weißenburg) war Leiter der Staatlichen Berufsschule und Berufsaufbauschule Weißenburg, Stadtrat (CSU), Kreisrat und 2. Bürgermeister von Weißenburg.

Leben und Wirken

Otto Stiepak wurde in Zwittau im Schönhengstgau geboren, in jener ehemaligen deutschen Sprachinsel an der böhmisch-mährischen Grenze (heute Tschechische Republik), aus der auch Josef Lidl stammte oder Oskar Schindler, der Unternehmer, der durch „Schindlers Liste“ berühmt wurde. Als Jugendlicher wurde Otto Stiepak im Februar 1946 in ungeheizten Viehwagen aus seiner Heimat vertrieben und kam mit seiner Mutter, Großmutter und Schwester nach Weißenburg, wo er zunächst im Massenlager auf der Wülzburg untergebracht wurde.

Er besuchte von dort aus die Oberrealschule in Weißenburg, die er 1951 mit dem Abitur abschloss. Das bedeutete einen täglichen Fußmarsch zur Schule und zurück, bis er ein gebrauchtes Fahrrad bekam. Denn später übernahm die Familie einen alten Bauernhof in Oberhochstatt, in dem sich der aus dem Krieg heimgekehrte Vater, ein Steinmetz und Bildhauer, eine Werkstatt einrichtete. Die Abiturklasse 1951 entdeckte anlässlich ihrer Abschlussfeierlichkeiten das Bergwaldtheater wieder, das seit dem 2. Weltkrieg unbespielt war. Mit der Aufführung des Lustspieles „Die Freier“ des schlesischen Dichters J. v. Eichendorff wollte man ein Zeichen zur Wiederbelebung der Naturbühne setzen. Otto Stiepak führte bei diesem Stück Regie.

Er studierte zunächst in Eichstätt für das Lehramt an Volksschulen und hatte seinen ersten Einsatz in Kaufbeuren. Von 1954 bis 1957 folgte ein Aufbaustudium am Berufspädagogischen Institut (BPI) in München als Berufsschullehrer in der Fachrichtung Metalltechnik. Es folgte ein Einsatz an der Berufsschule in Regensburg, ehe er an die hiesige Schule wechselte.

1959 heiratete Otto Stiepak Ernestine Wech, Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin, geboren in Brünn (Mähren). Der Ehe entstammt der Sohn Andreas, der inzwischen an der Weißenburger Beruflichen Oberschule (FOS und BOS) tätig ist.

Als Schulleiter war Otto Stiepak von 1967 (damals jüngster Chef einer Berufsschule in Bayern) bis zu seiner Ruhestandsversetzung als Oberstudiendirektor 1995 tätig. Es gelang ihm, die Weißenburger Berufsschule räumlich durch zwei Erweiterungsbauten und die Generalsanierung der alten Bauten als auch technisch bestmöglich auszustatten.

Als Vorsitzender des CSU-Stadtverbandes (seit 1972), vor allem aber als Stadtrat und Kreisrat (beides seit 1984) und Mitglied des Schulausschusses wirkte er nicht nur für „seine“ Schule zum Wohle der Schüler und der Stadt, sondern auch nachdrücklich für die Verbesserung der räumlichen Verhältnisse der anderen Schulen Weißenburgs und des Landkreises. Darüber hinaus war er 2. Bürgermeister von 1986 bis 1990 und von 1996 bis zu seinem Tode 2007. Auch nach seiner Pensionierung setzte er sich als Vorsitzender des Berufsschulbeirates nachhaltig für die Entwicklung des Berufsschulwesens im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ein. Somit wirkte er genau 50 Jahre für diese Schulart im hiesigen Raum.

Außerdem war Otto Stiepak aktiv in das kirchliche Leben der katholischen Pfarrgemeinde Weißenburg eingebunden und diente der Kirchenverwaltung über viele Jahre. Eine Amtsperiode war er stellvertretender Diözesanratsvorsitzender und vertrat die Diözese Eichstätt im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Als heimatvertriebener Sudetendeutscher war er Mitglied der Ackermann-Gemeinde, die sich als ein Verband in der katholischen Kirche Deutschlands der Aussöhnung zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken widmet. Stiepak gehörte ferner dem Vorstand der Ortsgruppe Weißenburg der Sudetendeutschen Landsmannschaft an.

Ehrungen und Würdigungen

  • 1981 Ehrennadel des Zentralverbandes des bayerischen Kraftfahrzeughandwerks
  • 1989 Ehrenzeichen der Sudetendeutschen Landsmannschaft
  • 2003 Verleihung der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze
  • 2007 Ehrenraute der CSU

„Herr Stiepak war ein kompetenter und aufrichtiger Gesprächspartner, der sich stets um Ausgleich unterschiedlicher Interessen und um sachliche Lösungen bemühte. Sein Handeln war geprägt von Schaffensfreude, Weitblick und von vielseitigem sachlichen Können.“ (Georg Rosenbauer, Landrat, 2007)

„… Stiepak war in Stadtrat und Kreistag als analytischer, sachkundiger und prinzipientreuer Kollege sehr geschätzt. … war ein echter Wegbegleiter, … ein uneigennütziger, loyaler Mensch, der bedächtig analysieren konnte.“ (Reinhard Schwirzer, Oberbürgermeister, 2007)

Quellen

  • Weißenburger Tagblatt vom 4. April 2006 und 27. September 2007 (Verfasser jeweils Robert Renner)
  • Informationen von Ernestine Stiepak an Ulf Beier