Regine Krywult

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Regine und Werner Krywult 1996

Regine Krywult (* 2. September 1924 als Freiin von Ketelhodt auf Gut Sossnow in Westpreußen) ist ein Beispiel für Frauen mit viel persönlichem Einsatz im sozialen Bereich. Sie lebt in Weißenburg.

Leben und Wirken

Regine Krywult ist die vierte Tochter von sechs Kindern der Familie Freiherrren von Ketelhodt, die bis 1945 auf Gut Sossnow, Kreis Zempelburg in Westpreußen lebte und früh den Umgang mit Pferden lernte. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und war seit 1952 mit Werner Krywult bis zu dessen Tod 2001 verheiratet. Ihr Mann wurde 1923 in Breslau in Schlesien geboren, durchlief eine kaufmännische Lehre und musste nach einer zweijährigen Wehrmachtsausbildung in den 2. Weltkrieg ziehen.

Im Russlandfeldzug wurden ihm durch einen Granatsplitter die Lendenwirbel zerfetzt. Er wurde nach einer langen Irrfahrt in verschiedene Lazarette verlegt, von überforderten Notärzten unsachgemäß behandelt und blieb schließlich querschnittsgelähmt. Der Kriegsinvalide Werner Krywult war wegen seiner steifen gestreckten Beine auf einen Spezialrollstuhl angewiesen.

Im Lazarett Malente in Holstein lernte er 1946 Regine Baronesse von Ketelhodt als Rot-Kreuz-Schwesternhelferin kennen, die ihn dort liebevoll betreute. Sie hatte selbst eine abenteuerliche und gefährliche Flucht vor der sowjetischen Armee von Januar 1945 bis Sommer 1945 vom Reservelazarett in Bromberg a. d. Weichsel nach Malente hinter sich.

Regine Freiin von Ketelhodt fand ihre Eltern nach deren Vertreibung (Gut Sossnow verbrannte) in Schleswig-Holstein wieder. Sie machte eine dreijährige Ausbildung als Krankenschwester und wollte Werner Krywult heiraten. Nach einem Bedenkjahr als Haustochter in der Schweiz heiratete sie gegen die Widerstände der Familie, der Ärzte und sogar des Pfarrers 1952 Werner Krywult, der nicht mehr in seine Heimat zurück konnte. Er fand seine Eltern nach deren Vertreibung aus Schlesien in Pfraunfeld wieder.

Als überzeugter Sozialdemokrat war Werner Krywult in der SPD aktiv und u. a. mit Heinrich Stöhr eng befreundet, der ihm zu Krediten und Zuschüssen zum Hausbau verhalf.

In der Galgenbergstraße 44 (gegenüber dem heutigen Philipp-Melanchthon-Haus) konnte sich das Ehepaar ein Siedlerhaus als Doppelhaushälfte errichten lassen und betrieb dort von 1956 bis 1994 eine Toto-Lotto-Annahmestelle, wodurch Werner Krywult bekannt wurde. Später führte eine Tochter das Geschäft bis zu seinem Tode weiter.

Der Ehe entstammen zwei Töchter: Beatrice und Renate, von denen Regine Krywult vier Enkel hat. Sie war von Jugend an eine begeisterte Reiterin, brachte sich in der PSG Elllingen ein, wo sie anfänglich Reitstunden gab Sie ist heute noch eine leidenschaftliche Bridgespielerin.

Ehrung und Würdigung

  • Medaille des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland am 18. April 1974 als "Auszeichnung für die hervorragende menschliche Leistung, die Frau Krywult, deren Mann ein Schwerkriegsversehrter des Zweiten Weltkriegs ist, vollbracht hat. Es ist dies eine Leistung, die in der von ihr als Selbstverständlichkeit betrachteten Weise lag, mit ihrem Mann Härten des Schicksals zu überwinden und ihn zur Lebensfreude und Erfüllung zurückzuführen."

Regine Krywult, die fast 50 Jahre ihren Mann pflegte und dabei viele Anstrengungen und Entbehrungen auf sich nahm, steht stellvertretend für Millionen Frauen, die oft im Verborgenen täglich behinderten oder benachteiligten Menschen aufopferungsvoll helfen und zur Seite stehen.

Quellen

  • Hinweise und Anmerkungen von Bruno Buff, Ellingen, März 2015
  • Gespräch von Regine Krywult mit Ulf Beier, Weißenburg, März 2015