Stadelhof

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Der Stadelhof von Westen

Der Stadelhof ist ein Einödhof in der Gemarkung Dettenheim, einem Stadteil von Weißenburg.

Der Hof gehört zur dessen evang.-luth. Pfarrei Dettenheim. Er liegt genau auf dem 49. nördlichen Breitengrad, auf 10⁰ 57½' östlicher Länge und ist ein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb mit Ackerbau und Milchwirtschaft.

Geschichtliches

Stadelhof von Norden

Der Hof wurde 1282 das erste Mal urkundlich erwähnt, als Heinrich von Pappenheim dem Deutschen Orden in Ellingen einen Hof zu Stadeln verlieh. 1294 verzichteten die Brüder Conrad und Sifrid von Elgen gegen den Deutschen Orden Ellingen auf Ansprüche auf den Hof zu Stadeln. 1444 Urfehde (= feierliches Friedensversprechen, Verzicht auf Rache) des Heintz Bayer zu Stadeln gegen Pappenheim. 1537 erwähnte Andreas Merkle von einem Hof zu Stadel nach Pappenheim. 1610 zinste der Bauer zu Stadeln an die St.-Andreas-Pflege Weißenburg. 1658 wurde der Hof erstmals Stadelhoff genannt. 1704 wurde der Stadelhof zerstört und danach an der heutigen Stelle neu errichtet. 1837 wurde der Stadelhof als pappenheimische Zollstelle genannt. Seit 1863 ist die Familie Goppelt Besitzer des Stadelhofes.

Der Name bedeutet: Hof zu den Scheunen oder zur Herberge (mittelhochdeutsch stadel = Scheune, scheunenartiges Gebäude, Herberge, Wohnung).

Der Hof lag früher an der Fernstraße und diente daher vermutlich auch als Herberge für Fuhrleute mit ihren Gespannen.

Die Familie Goppelt besitzt einen Brief des Bürgermeisters von Dettenheim aus der Zeit um 1704, aus dem Folgendes hervorgeht:

Bis 1704 stand der Stadelhof im sog. Kirchweihfeld nahe an der Fernstraße (heute Bundesstraße 2). Während des Spanischen Erbfolgekrieges soll ein Soldat die Witwe des Stadelhofbauern, Margarethe Lang, mit einer Lanze erstochen haben, sodass deren Spitze auf der anderen Seite wieder herausgeschaut hat. Die Frau wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Der Mörder aber wurde gefasst und zur Strafe geköpft und gevierteilt. Die vier Körperteile wurden zur Abschreckung an vier nach Weißenburg führenden Straßen aufgesteckt. Der Sohn der Ermordeten baute dann den Hof wieder auf, aber weiter oben an der heutigen Stelle.

Ein früherer Besitzer des Stadelhofes berichtete, der Soldat soll die Stadelhofbäuerin deshalb erstochen haben, weil er ein Pferd von ihr haben wollte, das sie verständlicherweise nicht einfach herausgeben wollte.

An zugehörigen Flurnamen werden genannt: 1726: Stadler Berg (nördlich des Hofes), Stadler'Feld (unterhalb des Hofes); 1728: Stadler Weg (Weg am Albrand unterhalb des Waldes); 1830: Stadlersleiten (Hang südlich des Hofes); ohne historischen Beleg: Stadelhofweg: Zufahrt von der Bundesstraße zum Hof.

Siehe auch

Quellen

  • BEIER, Ulf: Weißenburger Flurnamenbuch, Weißenburger Heimatbücher Band 4, Weißenburg (1995), S. 55, 56 und 63
  • STRASSNER, Erich: Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken, Band 2, Land- und Stadtkreis Weißenburg i. Bay., München 1966, S. 63
  • VOLTZ, Georg: Chronik der Stadt Weissenburg im Nordgau und des Klosters Wülzburg, Weißenburg 1835, (Faksimiledruck 1985), S. 135