Stadtmauer Weißenburg, Veränderungen im 19. Jahrhundert: Unterschied zwischen den Versionen

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(Aus der Chronik eines unbekannten Weißenburgers aus dem 19. JahrhundertAufzeichnungen im Privatbesitz von W. Neumann, Weißenburg)
(Aus den Kirchenbauakten im Diözesanarchiv Eichstätt)
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1868 im März: Rudolph Pflaumer bot sein Anwesen Hs.Nr. 163 auf der Rossmühle ''(heute [[Brauerei Sigwart]])'' Bischof Leonrod von Eichstätt als Bauplatz für eine katholische Kirche zum Kauf an.
 
1868 im März: Rudolph Pflaumer bot sein Anwesen Hs.Nr. 163 auf der Rossmühle ''(heute [[Brauerei Sigwart]])'' Bischof Leonrod von Eichstätt als Bauplatz für eine katholische Kirche zum Kauf an.
  
Text nach NEUMANN, Werner: Bauliche Veränderungen an der Stadtmauer Weißenburgs im 19. Jahrhundert; Manuskript, Staatliche Realschule Weißenburg 1989; Bearbeitung: Ulf BEIER    
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Text nach NEUMANN, Werner: Bauliche Veränderungen an der Stadtmauer Weißenburgs im 19. Jahrhundert; Manuskript, Staatliche Realschule Weißenburg 1989; Bearbeitung: [[Ulf Beier]]    
  
 
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Version vom 21. November 2014, 20:49 Uhr

Die Weißenburger Stadtmauer im Jahre 1821

Die Weißenburger Stadtmauer war 1822 noch vollständig erhalten. Sie war knapp zwei Kilometer lang. Zu dieser Befestigungsanlage gehörten

  • 39 Türme (37 quadratische und 2 runde Türme)
  • 3 Tore: das Ellinger Tor im Norden, das Obere Tor (Wülzburger Tor, Eichstätter Tor)im Osten und das Frauentor im Süden.

Im westlichen Bereich der Stadtmauer gab es kein Tor. Das Spitaltor war das südliche Tor des ersten Mauerringes.

Erste Eingriffe erfolgten ab 1823 im nördlichen Abschnitt der Stadtmauer "Auf dem Schrecker". Dabei wurde ein großer, runder Turm abgebrochen. Zwischen 1864 und l898 wurde die Stadtmauer, die hier einen Zwinger besaß, im Bereich der Rossmühle bis zum Obertor zum größten Teil abgetragen und der Graben wurde teilweise mit dem angefallenen Bauschutt aufgefüllt.

Im Westen wurde die Stadtmauer in den Jahren 1867 und 1868 an zwei Stellen (Auf der Schanz und an der St. Andreas-Kirche) geöffnet.

Durch diese Maßnahmen sollte eine Verbindung zum neuen Bahnhof (vollendet 1869) hergestellt werden. Der Graben wurde hier ebenfalls mit dem anfallenden Material eingeebnet.

1874 brach man das Obere Tor und 1878 das Frauentor ab. Nach 1891 schuf man noch einen zweiten Zugang zur Stadt von Süden her über den sog. Knepperlesbuck. Mit dieser Baumaßnahme wurde der westliche Teil des Seeweihers zugefüllt und der dahinter liegende Abschnitt der Stadtmauer mit einem Turm abgebrochen.

Übersicht über die Eingriffe im 19. Jahrhundert

Bauliche Veränderungen an der Stadtmauer im 19. Jahrhundert
  • zwei Tore wurden (Obertor und Frauentor) wurden abgebrochen
  • vier Türme wurden abgerissen:
    • Nr. 4 (ein großer, runder Turm am Schrecker)
    • Nr. 16 (am Knepperlesbuck)
    • Nr. 29 und Nr. 30 (beide Auf der Schanz)
  • vier Türme wurden umgebaut und bekamen anstatt der Zeltdächer Sattel- oder Walmdächer:
    • Nr. 1 (Am Ellinger Tor; Treffpunkt des Klubs "Jugoslovena 76")
    • Nr. 6 und 7 (beide am Busbahnhof)
    • Nr. 25 (am ehem. Frauentor)
      Das obere Tor in Weißenburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Somit wurden zehn Prozent der Türme abgebrochen, weitere zehn Prozent baulich verändert. Etwa 35 Prozent der Stadtmauer wurden abgetragen.

Handschriftliche Quellen zum Abbruch von Stadtmauerpartien

Aus der Chronik eines unbekannten Weißenburgers aus dem 19. Jahrhundert[1]

"1858 im November wurde angefangen am Spitalweiher (heute Grünanlage an der Unteren Stadtmühlgasse) einzufüllen und auch der Wasserkanal gegen die Mühle (= Untere Stadtmühle, heute evang. Altenheim St. Andreas) hergestellt.

1864 im Sommer wurde ein großes Stück Stadtmauer am sogenannten Schröcker eingerissen und hiezu der Fellersche Graben um 5000 FL (= Gulden) zum Einfüllen gekauft, wo auch schon im Herbst darüber spaziert werden konnte.

1867 im Herbst und Anfang 1868 wurde die Stadtmauer hinter der großen Kirche abgebrochen, um das sogenannte Entenweiherlein einzufüllen, wozu auch Meßners Garten verwendet wurde. In demselben fand man die Mauern einer sehr alten Capel1e wie auch ein großes Gewölbe, worin mehrere 100 Toden Schädel und eine große Menge Menschenknochen, welche sehr fleißig aufeinandergeschichtet waren; solche wurden auch mit eingefüllt, auch fand man einen Stein mit Jahrzahl und dgl. Heiligenbilder in Stein.

1867 im Frühling … Zu der Bahn in der Weißenburger Flurgemarkung brachte unser Magistrat große Opfer. Vom Bahnhof kommt die Hauptstraße über die Schanz herein, weil es der geradeste und bequemste Weg ist, worüber aber die Städter sehr ungehalten sind. Ein Städter erlaubte sich sogar den Ausdruck, warum man das tut, daß die Straße in die Vorstadt kommt, wo doch daselbst nichts als lauter Bauern und Säutreiber wohnen. Dieser Ausspruch sol1 von einem, welcher erst einige Jahre eingebürgert wurde, ausgesprochen worden sein."

Aus den Kirchenbauakten im Diözesanarchiv Eichstätt

1868 im März: Rudolph Pflaumer bot sein Anwesen Hs.Nr. 163 auf der Rossmühle (heute Brauerei Sigwart) Bischof Leonrod von Eichstätt als Bauplatz für eine katholische Kirche zum Kauf an.

Text nach NEUMANN, Werner: Bauliche Veränderungen an der Stadtmauer Weißenburgs im 19. Jahrhundert; Manuskript, Staatliche Realschule Weißenburg 1989; Bearbeitung: Ulf Beier

Fußnoten

  1. Aufzeichnungen im Privatbesitz von W. Neumann, Weißenburg