Stadtmauer Weißenburg, Veränderungen zwischen 1950 und 2014

Aus Wugwiki
Version vom 28. Mai 2016, 01:12 Uhr von Mef.ellingen (Diskussion | Beiträge) (Die Sanierung der Stadtmauer in der Zeit von 1950 bis 2014)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Sanierung der Stadtmauer in der Zeit von 1950 bis 2014

Von der äußeren, etwa zwei Kilometer langen, Stadtmauer sind das Ellinger Tor und 35 Türme erhalten geblieben. Das Spitaltor gehört zur ersten Umwallung. Ein großer Teil dieser historischen Wehranlage ist heute in städtischem Besitz. Die Stadt Weißenburg hat bei allen großen Zukunftsprojekten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu bewältigen waren, immer wieder Geld bereitgestellt, um Teile der Stadtbefestigung nach und nach instand zu setzen und so die Erhaltung der mittelalterlichen Bausubstanz zu sichern. Die Fotografin, Text- und Buchautorin Ursula Pfistermeister schreibt über diese Bemühungen Folgendes: „Inzwischen lässt sich die Stadt die sachgemäße Wiederherstellung der Wülzburg ebenso angelegen sein wie den Unterhalt ihrer Stadtmauer, die zu den besterhaltenen Frankens zählt".[1]

Die Stadtverwaltung achtet bei Um- und Einbauten im Bereich der Stadtmauer streng darauf, dass „das Gesicht des Mittelalters gewahrt bleibt.“[2]

Im Jahre 1967 hatte der damalige Stadtrat den Grndsatzbeschluss erlassen, die Wallgräben von jeder Bebauung freizuhalten und diese in Erholungszonen (Grünanlagen, Spielplätze) umzuwandeln. Das Liegenschaftsamt der Stadt versuchte deshalb in den zurückliegenden Jahren immer wieder Grundstücke im Bereich der Stadtgräben zu erwerben und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In der Regierungszeit von Oberbürgermeister Dr. Günter Zwanzig zeigten sich bereits erkennbare Ergebnisse, und unter der zielstrebigen und konsequenten Umsetzung dieses Stadtratsbeschlusses unter seinem Nachfolger Reinhard Schwirzer konnten zahlreiche Erfolge verbucht werden.

Sanierungsmaßnahmen an der Weißenburger Stadtmauer von 1950 bis 2014

Veränderungen an der Stadtmauer

Zeichenerklärung:

  • Die abgebrochenen Häuser sind rot eingezeichnet.
  • Neu geschaffene Fußgängerdurchgänge sind durch braune Pfeile gekennzeichnet.
  • Der ehemalige Verlauf der Stadtmauer als Steinbodenpflasterung ist grün eingezeichnet (vor der Andreaskirche, bei der Fasshalle und am "Knepperlesbuck").
  • Die Versetzung des Lutherdenkmals ist durch den blauen Pfeil zu erkennen.
  • Die nicht ausgeführte Unterführung vor dem ehem. Frauentor ist lila eingezeichnet.

Wenn es sich bei den an die Stadtmauer angebauten Gebäuden nur um Renovierungen handelte und nicht um grundlegende Sanierungen mit Einbeziehung der Stadtmauer, wurde dies hier nicht berücksichtigt.


Erwerb von Teilen des Wallgrabens durch die Stadt Weißenburg

Die Jahreszahlen in obigem Plan geben an, wann von Seiten der Stadt Weißenburg Grundstücke erworben bzw. Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Private Sanierungsmaßnahmen sind durch die Abkürzungen "priv. San." oder "pr." gekennzeichnet.

Von diesen Sanierungsmaßnahmen sollen folgende Beispiele ausführlicher dargestellt werden:

Seeweihermauer am "Knepperlesbuck"

A. Die Seeweihermauer am Knepperlesbuck

Im Jahre 1983 wurden die Stadtmauer und der Wehrgang am Seeweiher zwischen den Türmen Nr. 39, 37 und 35 hervorragend wiederhergestellt. Bei dieser Baumaßnahme erfolgte die Beseitigung von angebauten Ställen und Stadeln, sodass der Mauerverlauf jetzt gut erkennbar ist.

B. Der Neubau des Evang. Gemeindehauses St. Andreas in Jahren 1988 - 1989

Evang.Gemeindehaus - Stadtmauerseite

1986 plante der Kirchenvorstand unter Dekan H. Issler im Mesnergarten den Bau eines Gemeindehauses mit Gruppenräumen für Jugend- und Altenarbeit, Frauen- und Mütterkreis, Singkreis, Gustav-Adolf-Frauenwerk, Kantorei, Bibelstunde, Posaunenchor, Präparanden- und Konfirmandenunterricht, Konfirmandenelternabende usw. Die Garagen hinter dem Mesnerhaus sollten abgerissen werden. Der Neubau mit rund 21 m Länge und mit Tiefgarage war im Mesnergarten in Ost-West-Richtung vorgesehen.[3] Da es sich hier um eine städtebaulich empfindliche Baugruppe handelte, schaltete sich das Landesamt für Denkmalschutz ein. Durch eine Planänderung des Architekten wurde nun der Neubau in Nord-Süd-Richtung geplant.[4] Die Erdarbeiten begannen im Februar 1988. Dabei wurden die Reste der Stadtmauer im Westen freigelegt. Auf diesen Fundamenten wurde die „neue Stadtmauer“ hochgezogen.

Das Weißenburger Tagblatt schrieb damals: „Erstmals seit dem Mittelalter ist ein Stück der historischen Stadtbefestigung, der Stadtmauer, wieder aufgebaut worden.“[5] In der weiteren Berichterstattung der hiesigen Lokalzeitung wird diese „neue Stadtmauer“' während der gesamten Bauzeit immer wieder positiv beurteilt. Die weiteren Kommentare lauteten: Ein "Wehrgang" für den Glauben[6] – „Wirklich wie ein Stück Stadtmauer“[7] u. ä.

Die kniehoch in Abschnitten wieder aufgemauerte Zwingermauer (Bildmitte) und die im Boden durch Pflasterung angedeutete ehem. äußere Stadtmauer (vorne)

Mit dem Bau des evang. Gemeindehauses wurde der Fußweg auf der Innenseite der Stadtmauer vom Scheibleinsturm her durch einen schmalen Durchlass in der wieder aufgebauten Stadtmauer zum Postamt weitergeführt.

Um 2000 erfolgte eine Neugestaltung der Grünanlage zwischen St.-Andreas-Kirche und Postamt. Dabei wurde der Verlauf der ehemaligen äußeren Stadt- und der Zwingermauer durch Bruchsteinpflasterstreifen angedeutet und z. T. bis in Kniehöhe aufgemauert und Sitzbänke errichtet. Am 30. Oktober 2014 wurde die Lutherstatue von der Westseite der Kirche an den ursprünglich vorgesehenen Ort am Martin-Luther-Platz umgesetzt.

C. Die Sanierungsmaßnahme im Bereich des Ellinger Tores 1991/92

Museumsdepot am Ellinger Tor, ehem. Schreinerei Essig

Nach einer längeren Vorgeschichte (1981 Abbruch des Hauses Stefani, neue Straßeneinmündung, Anlage von Parkplätzen - 1984 Kauf des Anwesens Schwegler, Schulhausstraße - 1988 Kauf des Anwesens der Schreinerei Essig am Ellinger Tor und 1993 Umbau zum Museumsdepot - 1989 Vollendung der Unterführung zwischen Parkhaus und Wallgraben - 1991 neuer Weg im Garten des Anwesens Essig) wurde der Wallgraben östlich des Ellinger Tores ausgebaggert und der Durchgang unter der Brücke geöffnet. Die freigelegte Buckelquaderstadtmauer aus dem 12. Jahrhundert wurde 1992 saniert, ebenso die Wallgrabenmauer am ehemaligen Zollhaus und am Anwesen Schulhausstraße 1. Der Fußgängersteg daneben wurde am 13. November 1992 der Öffentlichkeit übergeben. Die historische Brücke zeigte allerdings massive Schäden, sodass 2001 Sanierungsmaßnahmen erforderlich waren.

Am 15. März 2010 begannen die Abbrucharbeiten am Haus Schulhausstraße 5 (früher Elektro Schwegler).[8] Das zuletzt dort untergebrachte Jugendzentrum fand im ehem. Gasthof "Zum Kronprinzen", Eichstätter Str. 1, ein neues Zuhause. Im August desselben Jahres gelang endlich der Abriss der Wellblechgaragen am Wallgraben beim "Jugo Klub 76" westlich des Ellinger Tores. An deren Stelle entstanden ein 6 x 8 m großer Carport aus Holz für zwei PKW und drei weitere PKW-Stellplätze auf gepflastertem Grund. Der Bau war nicht unumstritten, weil er nicht dem Grundsatzbeschluss des Stadtrates entspricht, den Wallgraben von jeglicher Bebauung freizuhalten.[9]

Noch nicht endgültig entschieden ist das Schicksal der Häuser in der Schulhausstraße Nr. 1 und 3. Die leer stehenden Gebäude sind in städtischem Besitz und sollen gemäß Stadtratsbeschluss vom Mai 2009 abgerissen werden. Allerdings stehen sie unter Denkmalschutz. Andererseits beeinträchtigen sie nicht nur den Blick auf das Ellinger Tor, sondern ist ihre Renovierung aufwändig und teuer und eine Nutzung schwierig.

D. Sanierungsmaßnahmen an der nördlichen Stadtmauer

Fasshalle Auf dem Schrecker

Die ehemalige Fasshalle ist der Rest einer ehemaligen Büttnerei. Der Zwischenraum zwischen der äußeren Stadtmauer und der Zwingermauer wurde Mitte des 19. Jahrhunderts überdacht und diente als Werkstatt. Der Bereich wurde 1985 von der Stadt als Denkmal gekauft und 1999 umfassend saniert. Die Halle dient seither als Museumsdepot. An ihrer Außenseite in der Straße "Auf dem Schrecker" wurde die alte Stadtmauer auf etwa 1,50 m Höhe wieder aufgemauert. Die Zwingermauer wurde beiderseits der Fasshalle durch Bruchsteinpflasterung in der Straße zwischen Plerrer und dem Turm Auf dem Schrecker Nr. 11 sichtbar gemacht. Der 1980 im nördlichen Wallgraben eingerichtete Kinderspielplatz wurde kaum angenommen. Das Projekt Tiefgarage bzw. Parkdeck konnte nicht verwirklicht werden, so wurde 1982 ein Parkplatz für 55 Autos angelegt, der 1987 befestigt wurde. Eine Treppe führt neben dem Turm Auf dem Schrecker Nr. 11 hinunter zum Parkplatz, der 1991 der Bau einer weiteren vom Plerrer aus folgte. Ein Ersatzkinderspielplatz entstand 100 m weiter westlich.

E. Die Sanierungsarbeiten auf dem Schrecker 1994/94

Der Kinderspielplatz im Schießgraben ist sehr beliebt.

1995 wurden beim Bau der neuen Straße zwischen den Türmen 15 und 11 die Fundamente der inneren Stadtmauer freigelegt und deren Verlauf im Straßenpflaster sichtbar gemacht. Ebenfalls freigelegt wurden die Fundamente des Schrecker-Rundturmes; dieser war 1823/24 abgebrochen worden. Er war das "scharfe Gefängnis", d.h. hier wurden Verbrecher inhaftiert. Der Stadtrat entschloss sich zu einer Teilrekonstruktion dieses Turmes (1995/96). Ein Fußgängerweg führt über den hier aufgeschütteten Wallgraben an einem Kinderspielplatz vorbei zur Nördlichen Ringstraße. 1997 bezog die Rheumaliga den Stadtmauerturm Auf dem Schrecker Nr. 11, nachdem dieser gründlich renoviert worden war. Das Gebäude im Wallgraben der Nördlichen Ringstraße (ehem. Foto Cernjak) wurde nach Geschäftsaufgabe des Inhabers und wegen des schlechten Bauzustandes des Gebäudes am 18. Mai 2010 abgerissen.

F. Maßnahmen beim ehemaligen Frauentor

Die für 2004/2005 geplante Freilegung der ehemaligen Brücke vor dem Frauentor wurde nicht in Angriff genommen. Etwa zur gleichen Zeit entfernten die Städtischen Werke im südlichen Wallgraben wieder den Anbau eines Transformatorenhäuschens mit Aussichtsplattform an einem Stadtmauerturm.[10]

G. Verbesserungen am nördlichen Ende des Seeweihers

1982 öffnete man hier die Tür in der Stadtmauer für einen Fußgängerweg, wodurch die Anbindung des Schulviertels an die östliche Altstadt gelang. 1993 erwarb die Stadt drei Grundstücke im Stadtgraben. 1995 wurde dort auch ein Kinderspielplatz angelegt. Mitte Dezember 2000 erfolgte der Abriss des maroden Hauses Seilergässchen 4 (ehem. Anwesen Heil), der dazugehörige Garten wurde in die öffentliche Grünfläche miteinbezogen.[11]

H. Maßnahmen am Westabschnitt der Schanzmauer

Blick vom Turm Schanzmauer 14 zum Scheibleinsturm

1989 und 1996 wurde durch private Initiative der Scheibleinsturm[12] renoviert und im Jahre 2000 der Scheibleinssteg, das ist die Fußgängerbrücke von der Westlichen Ringstraße zur Schanzmauer, errichtet. Die ehemalige Stadtmauer wurde vom Scheibleinsturm bis zum Turm Schanzmauer 14 auf etwa 1,60 m Höhe aufgemauert - aber mit vielen Schlitzen, die einen Blick in den Wallgraben erlauben. Ebenfalls im Jahre 2000 entstand nördlich des Turmes Schanzmauer 12 ein Fußweg mit Treppen durch den Wallgraben, in dem ein kleiner Kinderspielplatz liegt, zur Westlichen Ringstraße.

Quellen

  • NEUMANN, Werner: Die Sanierung der Stadtmauer in der Zeit von 1950 bis 2000 in: Weißenburg i. Bay. und Umgebung 1950 - 2000. Erdkundlich-geschichtlich-sozialkundliche Untersuchungen des Nahraumes; Hrsg. Staatliche Realschule Weißenburg unter Leitung von Ulf BEIER 2001, S. 55-57
  • NEUMANN, Werner: Geschichte des Nahraumes in: Jahresbericht der Staatl. Realschule Weißenburg 2001/2002, S. 79; drs.: handschriftliches Manuskript zu Untersuchungen über die Veränderungen an der Weißenburger Stadtmauer in der Zeit von 2001 bis 2014

Bearbeitung der Quellen: BEIER, Ulf, Weißenburg

Fußnoten

  1. PFISTERMEISTER, Ursula: Wehrhaftes Franken, Burgen, Kirchenburgen, Stadtmauern, Bd. 1: um Nürnberg, Nürnberg 2000, S. 120
  2. SIEGHARDT, August; MALTER, Wilhelm: Eichstätt mit südlicher Fränkischer Alb und Altmühltal, Nürnberg, 1963, S. 86
  3. Weißenburger Tagblatt (WT) 281 v. 6./7. Dezember 1986
  4. WT 106 v. 9./10. Mai 1987
  5. WT 275 v. 19. November 1989
  6. WT 216 v. 17./18. September 1988 - "Ein Stück Stadtmauer entsteht wieder“
  7. WT 270 v. 22. November 1988 - s. a. WT 46 v. 24. Februar 1989, WT 284 v. 9./10. Dezember 1989, WT 84 v. 10. April 1990
  8. WT 60 v. 13. März 2010
  9. WT 177 v. 4. August 2010
  10. WT 272 v. 23. November 2001 u. WT 32 v. 8. Februar 2003
  11. WT 283 v. 7. Dezember 2000
  12. Der Scheibleinsturm war früher ein Gefängnis für leichtere Vergehen im Gegensatz zum Schrecker, der das "scharfe Gefängnis" war.