Wilhelm Langenfaß

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Wilhelm Langenfaß (um 1880)
Wilhelm Langenfaß (* 1819 in Uffenheim, † 1898 in München), Ingenieur und Architekt, war als königlicher Baubeamter in Weißenburg für zahlreiche Bauten im heutigen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen verantwortlich.

Lebenslauf

  • 1819 Carl Wilhelm Friedrich Langenfaß wurde am 1. September in Uffenheim als Sohn des königl. bayer. zweiten Landgerichts-Assessors Andreas Wilhelm Heinrich Langenfaß und Maria Sofia Charlotte, geb. Weiß aus Ansbach geboren.
  • 1827 - 1837 Besuch der Lateinschule und des Gymnasiums in Ansbach
  • 1837 - 1841 Studium in München (Universität, königl. polytechnische Schule, Bauschule der Akademie der bildenden Künste)
  • 1841 Wilhelm Langenfaß beendete sein Studium mit der erfolgreich bestandenen Prüfung für den Staatsbaudienst.
  • 1842 - 1848 Langenfaß arbeitete als Baupraktikant beim Kreisbaubureau in Ansbach (Kreis = Regierungsbezirk), und von
  • 1848 - 1853 als Hilfsbauconducteur bei der Bauinspektion in Ansbach
  • 1853 - 1858 wechselte Langenfaß als lngenieur zur Bauinspektion Nürnberg.
  • 1858 - 1872 Langenfaß arbeitete als königl. Baubeamter in Weißenburg.[1]
  • 1872 - 1876 Langenfaß leitete als Bauamtmann das königl. Landbauamt in Würzburg und unterrichtet daneben noch als Lehrer für Baukunde und Baurecht an der königl. Kreisgewerbeschule.
  • 1876 Langenfaß wurde zum Baurat an der Obersten Baubehörde in München befördert und
  • 1877 zum Oberbaurat befördert
  • 1880 Verleihung des königl. Verdienstordens vom Hl. Michael.
  • 1887 Ernennung zum königl. Kommissär für den Landtag am 9. September
  • 1891 Versetzung in den Ruhestand und Auszeichnung mit dem Ritterkreuz und dem Verdienstorden der Bayerischen Krone
  • 1898 Am 20.Oktober starb Ritter Wilhelm von Langenfaß im Alter von 79 Jahren in München.

Wirken von W. Langenfaß

1858 wurde in Weißenburg eine königl. bayerische Baubehörde eingerichtet, der von 1858 bis 1863 die Landgerichtsbezirke Ellingen, Heidenheim, Pappenheim und Weißenburg unterstanden.[2]

1863 wurde der Bezirk auf das Gebiet der Stadt und des Bezirksamtes Weißenburg verkleinert. 1858 trat Langenfaß das Amt des königl. Baubeamten in Weißenburg an.

Arbeitsbereiche der Königlichen Baubehörde Weißenburg (1858 - 1872)

Zur Kompetenz der hiesigen königlichen Baubehörde gehörten hauptsächlich folgende zwei Wirkungskreise:

a) Die Anfertigung von Plänen und Kostenvoranschlägen für die Neubauten des Staates, der Gemeinden (Kommunen), Kirchengemeinschaften und die Durchführung der Bauaufsicht bei der Errichtung dieser Bauwerke. Hinzu kam die Erstellung von Gutachten und Zustandsberichten von Altbauten für die oben genannten Gemeinschaften.

b) Die Zuständigkeit für das Bauwesen in der Gemeinde und im Distriktsbereich. Zu dieser Tätigkeit gehörte z. B. das gebührenpflichtige Überprüfen und Genehmigen (= Revidieren) der Baugesuche und Baupläne.

1867 wurde der Weißenburger Stadtmagistrat um die Stelle eines technischen Baurats in der Person von Carl Söldner[3] erweitert, der für die Revision der hiesigen Baugesuche zuständig war.

Die ersten größeren Bauvorhaben des Staates, welche auf die neugegründete Weißenburger Baubehörde zukamen, umfassten die Reparaturen am Schulhaus und den Neubau der evangelischen Kirche in Hechlingen.

Wilhelm Langenfaß fertigte in der Zeit von 1858 bis 1860 Pläne von der alten evang. Kirche und erstellte u.a. Tabellen über die Seelenzahl[4]. Der Kirchenneubau in Hechlingen verzögerte sich schließlich um einige Jahre. Diesen führte dann Gustav Renner von der Königlichen Baubehörde Gunzenhausen nach eigenen Plänen 1867/68 durch.

1858 folgte der Schulhaus-Neubau in Gnotzheim nach einem Planentwurf von Eduard Bürklein[5]

Weitere Baumaßnahmen, welche von Wilhelm Langenfaß in der Zeit von 1858 bis 1872 während seiner Tätigkeit als Baubeamter in Weißenburg durchgeführt wurden, sind in der folgenden Übersicht aufgezählt.[6]

Übersicht über die von Langenfaß geschaffenen Bauwerke während seiner Amtszeit in Weißenburg

Dettenheim
Planentwurf für die Gold- und Silbertressenfarbrik F. Scheiblein an der Eichstätter Str., etwa 1863
Ort Bauwerk / Gebäude
Alesheim Gemeindehaus-Neubau (G)
Auernheim Gemeindehaus-Neubau (G)
Bergen Kirchen-Restauration
Markt Berolzheim Wohnhaus-Neubau für Dr. Dörfler und Wohnhaus-Neubau für Apotheker Schröder (abgebrochen, P)
Bieswang Schulhaus-Neubau (G)
Büttelbronn Schulhaus-Neubau (G)
Burgsalach Schulhaus-Neubau (G)
Dettenheim Evang. Kirche, Neubau eines neugotischen Kirchenschiffes (1862) (G)
Ellingen Umbau der Synagoge (G)
Hörlbach Schulhaus-Neubau (G)
Nennslingen Kirchen-Restauration (G)
Nürnberg Neubau eines Fabrikgebäudes mit Wohnhaus für L. Merklein (P)
Oberhochstatt Pfarrhaus-Restauration (G)
Pappenheim Umbau eines Privathauses zum Landgerichtsgebäude (A)
Rothenstein Schulhaus-Neubau (G)
Stopfenheim Schulhaus-Neubau (abgebrochen, G)
Suffersheim Schulhaus-Neubau (G)
Wachenhofen Evang. Kirche, Neubau eines neugotischen Kirchenschiffes (1870/71) (G)
Wettelsheim Gemeindehaus-Neubau (G)
Weißenburg Villa für den Notar Förster, heute Eichstätter Str. 5, (P); Neubau eines Fabrikgebäudes für die Fa. Scheiblein & Sohn, heute Eichstätter Str. 7, später Gärtnerei Löw (P); Neubau der St.-Willibaldskirche (G)


Zu diesen Bauwerken kommt aus Weißenburger Sicht noch der Bau der Schranne hinzu, die Langenfaß nach Plänen von Eduard Bürklein baute. Die aufgeführten Bauvorhaben wurden finanziert aus: Mitteln des Königlichen Aerars (A), Gemeindemitteln (G) und Privatmitteln (P). Somit fallen 24 Baumaßnahmen im heutigen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in die Verantwortung von W. Langenfaß.

Eichstätter Str. 5 u. 7

Katholische Kirche St. Willibald in Weißenburg

St.-Willibaldskirche Weißenburg von Südwesten

Der Bau der Katholischen Pfarrkirche St. Willibald zwischen 1869 und 1871 war vor allem durch das rasche Anwachsen der Zahl der Katholiken in Weißenburg notwendig geworden (1860: 156 Katholiken, 1863: 198, 1867: 246, 1870: 387, 1871: 461, 1872: 470).

Ferner gingen die Bestrebungen der Weißenburger Katholiken, die Mitbenutzung oder gar den Erwerb von Spital- oder Karmeliterkirche zu erreichen, trotz mehrerer Petitionen in den Jahren 1853, 1859, 1860 und 1863 nicht in Erfüllung.

Auf Seiten der Stadt befürwortete der rechtskundige Bürgermeister August Fleischmann den Bau einer neuen Kirche.

Der erste Planentwurf für die St.-Willibaldskirche stammte aus dem Jahre 1865. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 33.559 Gulden. Wegen der hohen Kosten konnte das Bauvorhaben zunächst nicht weiter verfolgt werden.

Im Oktober 1868 wurde Wilhelm Langenfaß in die Bauplanung für eine katholische Kirche in Weißenburg miteinbezogen. Dabei legte ihm der Ellinger Cooperator Max Pruner auch die Baupläne der neuen katholischen Kirche von Göppingen (abgedruckt in der Zeitschrift "Kirchenschmuck") vor. Langenfaß nahm am Göppinger Bauplan mehrere Veränderungen vor,[7] behielt aber die Grundform bei. Mitte November 1868 begann Wilhelm Langenfaß mit der endgültigen Ausarbeitung der Baupläne, damit diese bei der Kreisbaubehörde in Ansbach zur Genehmigung vorgelegt werden konnten. Im März 1869 waren die Entwürfe vollendet, am 29. Juli 1869 wurde der Grundstein gelegt und am 26. September 1869 weihte Bischof Franz Leopold Freiherr von Leonrod von Eichstätt die neue Kirche. In zeitgenössischen Würdigungen heißt es "Insbesondere erwähnte er des Baumeisters der Kirche, des kgl. Baubeamten Herrn Langenfaß in Weißenburg, der den Plan geschaffen und mit beispielloser Mühe und Uneigennützigkeit durch zweieinhalb Jahre den Bau leitete."[8] "Es gereicht dies Herrn Wilhelm Langenfaß, kgl. Bauinspektor daselbst, gewiß zur besonderen Ehre; und umso mehr, als der ganze Bau in allen seinen Teilen als ein höchst gelungener und schöner zu bezeichnen ist."[9]

Insgesamt betreute Langenfaß in seiner Dienstzeit von 1842 bis 1891 52 Baumaßnahmen (davon Neubauten von 13 Schulhäusern, von fünf Kirchen, vier Pfarrhäusern und fünf Kirchenrestaurierungen).

Quellen

  • NEUMANN, Werner in: villa nostra, Weißenburger Blätter für Geschichte, Heimatkunde und Kultur von Stadt und Weißenburger Land, Heft 1/1996, S. 10 ff; drs.: Die kgl. Baubehörde in Weißenburg/Bayern 1858-1872 (Schriftenreihe an der Staatl. Realschule Weißenburg, Hsg. W. Neumann, als Manuskript gedruckt 1990); Textbearbeitung: BEIER, Ulf, Weißenburg

Fußnoten

  1. am 23. Februar 1858 ernannte König Maximilian II. W. Langenfaß zum Baubeamten der neugegründeten Königlichen Baubehörde Weißenburg gemäß Königl. Bayer. Kreis-Amtsblatt von Mittelfranken Nr. 18 vom 27.02.1858, S. 285/286
  2. Die Gründung erfolgte am 1. April 1858; Quellen zur Errichtung und Auflösung der königl. Baubehörde Weißenburg finden sich in den Königl. Bayer. Regierungs-Blättern der Jahre 1837, 1838, 1863 und 1872.
  3. Carl Söldner, Bauführer aus Nördlingen, von 1867 bis 1872 technischer Baurat Weißenburg
  4. Staatsarchiv Nürnberg, Plansammlung
  5. E. Bürklein (1816-1871) war als Architekt und Betriebsingenieur königl. bayer. Baubeamter. Er fertigte im Herbst 1855 einen ersten Entwurf für den Neubau der Schranne in Weißenburg an, ein zweiter folgte am 16. November 1856
  6. Bayer. Hauptstaatsarchiv Minn 40541
  7. So ist die Weißenburger Willibaldskirche um 4 m länger und 1,5 m breiter, der Chor ist größer, der Turm etwas niedriger und im Gegensatz zur eingewölbten Göppinger Kirche besitzt die Willibaldskirche eine Holzdecke.
  8. Der Bischof von Eichstätt anlässlich der Weihe (= Konsekration) am 26. September 1871
  9. Sendbote, Eichstätt, vom 1. Oktober 1871