Der Name Weißenburg im europäischen Vergleich

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(Untersuchung von Ulf Beier, Weißenburg, in den Weißenbuger Blättern, villa nostra 3/2013, Teil 1)

Beim ersten Hinsehen scheint sich der Name Weißenburg von selbst zu erklären. Geht man jedoch von der neuhochdeutschen Bedeutung der Wörter weiß und Burg zur althochdeutschen – also in die Zeit, in der vermutlich der Name Weißenburg entstanden ist – , so muss man schnell feststellen, dass die Deutung des Namens gar nicht mehr so einfach ist.

In den folgenden Überlegungen soll zum einen versucht werden, die Bedeutung der Wörter weiß und Burg in Bezug auf den Namen Weißenburg zu sehen. Zum anderen soll mit dem Blick auf andere Orte gleichen Namens in Mittel- und Südosteuropa der Blick geweitet und sollen Parallelitäten und auch andere Deutungsweisen einbezogen werden. Dies geschieht in den Teilen 2 und 3.

Die Bedeutungsverengung des Begriffs WEISS

Bis in die mittelhochdeutsche Zeit, also bis ins 14. Jahrhundert, wurde das Adjektiv weiß auch im Sinne von glänzend, leuchtend, hell (schimmernd) verstanden und war keineswegs auf die Farbqualität beschränkt, worauf sowohl GRIMM[1] als auch DUDEN [2]und PFEIFFER[3] hinweisen. Diese Bedeutung hat sich z. B. in Ausdrücken wie Weißwein (im Gegensatz zum Rotwein) oder der helleren Weißen Laaber und Weißen Elster im Vergleich zur deutlich dunkleren Schwarzen Laaber und Elster erhalten. Im Neuhochdeutschen verwenden wir heute dafür Wörter wie blank, glänzend, blinkend. Diese Bedeutung war also früher ebenfalls durch den Begriff weiß mit abgedeckt, weil Licht- und Farbqualität vielfach eng miteinander verwoben sind. Die Farbe Weiß selbst umfasst heute nur noch zwei Bedeutungsgruppen, nämlich zum einen den reinen Farbwert, zum anderen – jedoch weitaus seltener – weiß im Sinne von hell, also dem relativen Helligkeitswert der Farbe, der meist im Gegensatz zu anderen Farben zu sehen ist (z. B. Weißwein, Weißbuche).

Der Bedeutungswandel des Wortes BURG

Die ursprüngliche Bedeutung des Substantivs Burg ist im Sinne von bergende Umgebung zu sehen, wie er sich heute in den vielen Ortsnamen wiederfinden lässt, die sich mit -burg, -borg, -borough, -bourg usw. bezeichnen.[4] Es können auch die Begriffe Burg und Berg einander ersetzen, z. B. 1309 Wülzburg, 1455 Wiltzberg. Schon die ältesten Belege deuten auf den Gebrauch des Wortes Burg hin, z. B. Augusta Vindelicorum bzw. Augusta [die Stadt des Augustus] begriffen die späteren germanischen Siedler als Augusta-burg, woraus Augsburg wurde ).[5]

J. und W. GRIMM definieren: „Dem wortverstande nach war burg bergende, schützende stätte…. Die burg beherrschte die darunter ausgebreitete stadt. …. später als gröszere deutsche städte emporblühten, blieb ihnen häufig der alte name burg (Straszburg, Regensburg, Augsburg, Magdeburg) neben berg (Bamberg, Nürnberg).[6] Darüber hinaus unterscheidet man verschiedene Arten von Burgen.[7]

Die auffällige Formähnlichkeit zu neuhochdeutsch Berg / Gebirge von althochdeutsch berg, berc / (ga-, ge-, gi-)birgi erklärt sich aus der Urverwandtschaft zu Burg und bergen und entspricht ganz dem Sinn von Geborgenheit bzw. Berg (schützende, bergende Höhe) / Burg (befestigte Höhe, befestigter Ort).

„In karolingischer Zeit wurden die Herrenhöfe befestigt und künftighin Burg genannt ... Auch karolingische Gutshöfe heißen so, falls sie befestigt sind. Da sich aus Orten mit Namen auf -burg mit der Zeit Städte entwickelten, heißt im Mittelhochdeutschen burc auch so viel wie „Stadt“ (vgl. unser Wort „Bürger“).“ [8]

Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, dass für die Entstehung des Ortsnamens Weißenburg weder eine Burg vorhanden gewesen noch dass diese von weißer Farbe sein musste.

Geschichte des Namens der Stadt Weißenburg in Bayern

Stadtwappen auf der Südseite des Spitalturmes

Nicht näher soll hier auf den römischen Namen Biriciana eingegangen werden. REITZENSTEIN[9] nimmt den lateinischen Personennamen Biricius an, der durch die Endsilbe -anum abgeleitet ist, die die Zugehörigkeit ausdrückt. WILD[10] stellt den Namen zu keltisch b(i)ric (gesprochen birik = Anhöhe, Berg, Gebirge). Dabei bleibt offen, ob damit der Wülzburger Hang, der Rohrberg oder die Fränkische Alb insgesamt gemeint war. Um 90 n. Chr. übernehmen die Römer den keltischen Flurnamen mit der Endung -ian. Der Nominativ zu Biricianis der peutingerischen Tafel (Tabula Peutingeriana) wäre Biriciana, wenn der Name ein Neutrum ist.

Vielmehr interessiert der heutige Name Weißenburg. Er ist wie folgt belegt: 867 Uuizinburc – 1036 Wizzenburc – 1294 Weizenbvrch – 1361 Weissenburg – 1491 Album Castrum („Weiße Burg“) – 1656 Weisenburg / am Nordgou - 1844 Weißenburg am Sand, im Nordgau[11] Eine Ableitung vom römischen Namen BIRICIANA ist abzulehnen. Es führt etymologisch kein Weg von Biriciana zu Uuizinburc, wie es 867 zum ersten Mal genannt wird. Ohnehin fehlt der Nachweis einer wirklichen Siedlungskontinuität in unserem Raum nach den Alamanneneinfällen im 3. Jahrhundert. Auch gibt es keinen einzigen Flurnamen, geschweige Ortsnamen aus antiker Zeit hier.[12] Die Namen Altmühl und (Schwäbische) Rezat sind zwar vordeutsch, aber nicht in der hiesigen Gegend weitergegeben worden. Die Rezat hieß schlichtweg Riedbach (d. h. mit Sumpfgras bewachsener Bach).[13]. In der lateinischen Urkunde zum Kanalbau bei Graben 793 durch Karl den Großen ist von Alcmona und Radentia die Rede[14], womit aber im letzten Falle das Rednitz-Regnitz-Flussgebiet hinter dem heutigen Georgensgmünd gemeint ist.

Problemlos scheint für das fränkische Weißenburg das Grundwort -burg zu sein. Hier greift die Deutung Burg im Sinne von bergende Umgebung als befestigter karolingischer Gutshof. Er könnte frühestens mit der fränkischen Landnahme im 6. Jahrhundert entstanden sein, stammt aber vermutlich aus dem 7., spätestens dem frühen 8. Jahrhundert als Gründung in der Gegend des heutigen Platzes Am Hof als Keimzelle der späteren Stadt. Die Datierung geht dabei von dem Umstand aus, dass die Belegung des Reihengräberfeldes aus der Merowingerzeit mit Grabbeigaben gegen Ende des 7. Jahrhunderts aufhört, die Gegend also christianisiert war,[15] und 740 Eichstätt zum ersten Mal genannt wird. Dabei ist es hier zweitrangig, ob die dörfliche Vorgängersiedlung um die Martinskirche, dem heutigen Schrannengebäude, Volkmarsbach (1361 garten in dem volchmarspach[16], Volcmaresbach[17]) oder ähnlich hieß oder nicht. Der Name ist uns nicht überliefert. Die Bezeichnung „Weißenburg“ aber scheidet wohl für dieses Freibauerndorf des 6./7. Jahrhunderts aus.[18] Der Friedhof der Merowingersiedlung aus jener Zeit (in der Eichstätter Str.) lässt darauf schließen, dass der Ort damals schon bedeutend gewesen sein muss. Eine Siedlungskontinuität seit dem 6. Jahrhundert kann angenommen werden. Der Name des Königshofes setzte sich aber für die allmählich zusammenwachsende Siedlung durch. Schließlich war er der wichtigere Ort, wie noch zu zeigen sein wird.

Der Platz Am Hof wird allgemein als der Standort des fränkischen Königshofes angesehen.

EIGLER macht darauf aufmerksam, dass dieser erste Königshof wohl aus Holz war (also keine „weiße Burg“), aber er lag näher (nur etwa 500 m) an der ruinösen Weißen Bürg als die Siedlung um die Martinskirche. WAMSER[19] nimmt an, dass die römische Zivilsiedlung bis etwa 250 Meter an den späteren fränkischen Königshof heranreichte. WILSCH[20] sieht deren äußeren Ostrand nur gut 100 m entfernt. Es ist davon auszugehen, dass im frühen 3. Jahrhundert nach den vorausgegangenen Bränden in der römischen Siedlung auch Steinhäuser aus Weißjurakalk errichtet wurden. Vereinzelte Reste mögen nach den Alamanneneinfällen auch hier noch übrig geblieben sein.

Es ist möglich, dass der Königshof (Weißenburg) bei seiner Gründung zunächst nur als 'Burg' bezeichnet wurde und der Ortsname Uuizinburc der Siedlung von auswärtigen Besuchern gegeben worden ist.[21] Die damals sehr ortsgebundene, sprich immobile, heimische Bevölkerung der Umgebung brauchte keinen differenzierten Namen. So reicht bis heute dem Einheimischen die Bezeichnung Hausen für Weiboldshausen oder Sôla für Burgsalach. Zur Unterscheidung von anderen Orten, die ebenfalls mit Burg bezeichnet wurden, war aber eine genauere Bestimmung nötig.[22] Schließlich gibt es den Ortsnamen Burg ohne Bestimmungswort heute 24-mal in Deutschland innerhalb des ehemaligen Limes, weitere 25-mal außerhalb des Limes in Deutschland (u. a. als Ortsteil von Ettenstatt, dort allerdings erst 1436 nachweisbar[23]), 22-mal in Österreich, dreimal in Südtirol, dreimal in der Schweiz (außerdem zweimal Bürglen), einmal im Elsass und einmal in Nordböhmen. Ferner gibt es in Deutschland neunmal den Ortsnamen Bürg (u. a. als Ortsteil von Titting), zweimal Bürgel, zweimal Bürgeln und einmal Bürgle.[24]

Die mittelalterlichen Könige waren bekanntlich Reiseherrscher und damit ständig auf Achse. Wer aber jährlich Hunderte von Meilen zurücklegte, für den waren die wenigen Schritte zu den Resten des römischen Castrums überhaupt kein Grund, diese nicht als Kennzeichnung für ihre vorgeschobene fränkische Burg-Siedlung zu wählen.[25] Aufgrund dieser exponierten Lage am Ende der fränkischen Königshöfe in der Rezat-Rednitz-Regnitz-Furche kam dem Hof in Weißenburg ohnehin eine besondere Stellung zu in Bezug auf den Straßen- und Schiffsverkehr, den Handel, die Verwaltung und die strategische (= militärische) Sicherung der Grenze zu (Alt-)Baiern.[26] Es ist anzunehmen, dass zur Zeit des Kanalbaus bei Graben 793 Weißenburg als logistisches Zentrum gewirkt hat[27]. Außerdem schnitten sich die beiden uralten Handelswege der Bernstein- und Nibelungenstraße hier.[28]

Daraus ergibt sich als Deutung des Namens Weißenburg: Befestigter (fränkischer) Königshof in unmittelbarer Nähe einer alten (römischen) ruinösen Anlage mit hellen Steinen (aus Weißjurakalk), die zum Teil wohl auch ausgebleicht gewesen sein mögen. Unterstützt wird diese These durch die Tatsache, dass auch heute noch nach über 1000 Jahren die Steine der restlichen Mauer der Alten Bürg weiß sind.[29]

Beim Namen Uuizinburc ist der Einschub -in- bzw. später -en- in der Sprachsilbenfuge zwischen uuiz (bzw. weiß) und -burc (-burg) durch den alten Dativ bedingt: Siedlung zu der weißen Burg: „zu dero wizun burgi“. Die Form ist in der mundartlichen Aussprache „z’Waisaburch“ verkümmert (rudimentär) erhalten. Es ist davon auszugehen, dass der Ortsname damals [uwi:sinburg] gesprochen wurde, das „W“ (als „Uu“ geschrieben) also bilabial, d. h. mit beiden Lippen wie im Englischen „w“ gebildet wurde und nicht wie heute mit den oberen Schneidezähnen und der Unterlippe. Das „i“ musste lang gesprochen worden sein, sonst hätte daraus nicht im Neuhochdeutschen „ei“ entstehen können. Das „z“ wurde wie heute noch in der Mundart als stimmloses „s“ ausgesprochen. Die Erweichung des „g“ am Wortende zu mundartlich „ch“ ist im Fränkischen ab dem 11. Jahrhundert feststellbar.

Die Form Bürg für die Alte und die Weiße Bürg weist auf eine Namengebung bereits im 9./10. Jahrhundert hin, auch wenn der älteste bekannte Beleg erst von 1463 stammt.[30] Aus dem althochdeutschen Dativ burgi wurde die mittelhochdeutsche Umlautform bürg/bürc gebildet.[31] Das unbetonte „-i“ im Auslaut bedingte durch Assimilation eine Aufhellung des „-u-“ in der betonten Silbe zu „-ü-“.[32]

EIGLER weist darauf hin, dass fast alle alten Ortsnamen im Raume Weißenburg als Bestimmungswort einen Personennamen tragen. Nach dem Fall des Limes im 3. Jahrhundert n. Chr. waren es u. a. zunächst die Alamannen, die ab dem 4. Jahrhundert bei uns siedelten. Ihre Orte dürften zunächst wohl nur recht klein gewesen sein, ehe sie sich später zu Haufendörfern entwickelten. Typisch ist für sie die Endung -ing(en), z. B. Treuchtlingen oder Walting. Das bedeutet Siedlung des Sippenältesten, also hier Truhtilo bzw. Walto. Man spricht von einem Zugehörigkeitssuffix.

Unter fränkischem Einfluss sind danach die Orte auf -heim gegründet worden, bei denen der erste Namensbestanteil ebenfalls meist ein Personenname ist: z. B. Weimersheim = Siedlung, Heim des Wîhmâr, Dettenheim = Heim des Tato (aber bereits fünf Ausnahmen im Landkreis: Ehlheim (zu Au), Langen- und Kurzenaltheim, Ost- und Westheim).

Bei den anderen Grundwörtern der ersten Siedlungsgründungen gilt diese klare Zuordnung zu einem Personennamen nicht mehr: Bei -statt/stetten sind neben dem Personennamen als Bestimmungswort, z. B. Ettenstatt = Siedlung des Attin (bzw. Etto), auch Lagebezeichnungen üblich, z. B. Hochstatt (später: Katten- und Ober-). Das Gleiche gilt für -hofen, zum einen Solnhofen = Heim des Sola, zum anderen Niederhofen = die im Vergleich zu (Ober-)Hochstatt tiefer gelegene Siedlung. Beim Grundwort -hausen gilt: Weiboldshausen = Siedlung des Wîcpoto, Dannhausen = Häuser bei einer Tanne (bzw. einem Tannenwald).

Auch die Zusammensetzungen mit -burg sind vielfältig. Die Deutung des Ortsnamens Weißenburg, in seiner ältesten Form 867 Uuizinburc geschrieben, ist daher in der wissenschaftlichen Forschung umstritten. EIGLER favorisiert die Deutung des Namens Weißenburg als Siedlung eines Wiz(z)o.[33] Die neuesten Veröffentlichungen lehnen diese Deutung ab: REITZENSTEIN[34] geht 2009 darauf ein, hält sie aber aus lautlichen und sachlichen Gründen für nicht ratsam.[35] Die aktuellste Deutung stammt von BERGMANN von 2012. Er stellt das Bestimmungswort ebenfalls zur Farbe Weiß und ergänzt: „Latinisierungen wie Album Castrum (1491) und Gräzisierungen wie Leukopurgen (1592) belegen dasselbe Namenverständnis“[36] – was natürlich Irrtümer in früheren Jahrhunderten nicht ausschließt, wie aus vielen Fehldeutungen von Ortsnamen bekannt ist.

Der Vollständigkeit halber sei vermerkt, dass Weißenburg zur Unterscheidung gegenüber den anderen gleichlautenden Orten ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert die Bezeichnung „am Nordgau“ führte (fälschlicherweise auch „im Nordgau“). Seit dem 17. Jahrhundert tauchte dann im Volksmund der Zusatz „am Sand“ auf und blieb, bis es offiziell seit 1904 Weißenburg i. Bay. heißt.[37]

Untersucht man die Bestimmungswörter der Orte mit dem Grundwort -burg, die vermutlich in karolingischer Zeit[38] schon bestanden haben, so ergibt sich folgendes Bild:

Das Bestimmungswort ist

  • ein Personenname: z. B. Offenburg (zu Offo), Weltenburg (zu Walto),
  • eine Farbe: z. B. Rottenburg /Neckar, Rothenburg o. d. Tauber, Wümme)
  • ein Fluss: z. B. Saarburg (i. Saarland u. Lothringen), Salzburg (zu Salzach), Günzburg/Schwaben (zu Günz),
  • ein Tier: z. B. Lauenburg (zu mittelniederdeutsch louwe, lauwe = Löwe als Wappentier), Coburg (zu althochdeutsch [ahd.] kuo bzw. altsächsisch kô = Kuh),
  • eine Pflanze: z. B. Aschaffenburg (zu ahd. asc, asch = Esche), Würzburg (zu ahd. wirz = Würze, Würzkraut),
  • eine Lagebezeichnung: z. B. Straßburg (Straßenkreuzung), Obernburg a. Main (zu ahd. obero = die obere, höhere Burg im Vgl. zu Niedernberg), Hamburg (zu ahd. hamma = Flusskrümmung bzw. altsächs. ham = Ufer, Bucht),
  • ein Adjektiv: z. B. Luxemburg (zu mhd. lützel = klein; mundartlich: Lёtzebuerg), Neuburg/Donau (788 als neuer fränkischer Königshof, vorher bairischer Herzogshof), Freiburg (frei im Bezug auf die Stadtrechte).[39]

Dieser kurze Einblick offenbart: Im Gegensatz zu den Orten mit -ing(en) oder -heim, bei denen als Bestimmungswort ein Personenname dominiert, gilt dies für das Grundwort -burg nicht, auch dort nicht, wo in der Umgebung der -Burg-Orte die meisten Ortsnamen mit Personennamen gebildet wurden (z. B. im Falle Straßburg, Offenburg, Luxemburg u. a.). Schon im frühen Mittelalter konnte also -burg mit vielen verschiedenen Bestimmungswörtern verbunden werden. Rückschlüsse auf die Namengebung bei unsicheren Deutungen können daher nach der Wahrscheinlichkeitsmethode nicht gezogen werden.

hierzu siehe auch

Fußnoten

  1. GRIMM, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, Bd. 28, Sp. 1179
  2. DUDEN, Herkunftswörterbuch, Mannheim, Wien, Zürich 1963, S. 759
  3. PFEIFER, Wolfgang (Leitung): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, München; 7. Auflage 2004, digitale Fassung
  4. Neben den oben genannten Verfassern GRIMM, DUDEN und PFEIFER weist auch Adolf BACH (Deutsche Namenkunde II. Die deutschen Ortsnamen 1, Heidelberg 1981, § 374) auf den Bedeutungswandel des Wortes Burg hin. Das althochdeutsche burg, burc [altoberdeutsch purc, purk] (mit Sprossvokal buruc [altoberdeutsch puruc]) entstammt derselben frühgermanischen Ableitung wie das neuhochdeutsche bergen, barg, (ge-, ver-)borgen usw., das auf das althochdeutsche Verb bergan, barg, (ga-, ge-, gi-)borgan zurückgeht. Der Begriff findet sich in allen germanischen Sprachen wieder (z. B. gotisch baurg- / altnordisch borg / englisch borough, -bury, -burgh u. ä.). Schon bei Tacitus, dem römischen Schriftsteller, finden wir zwei latinisierte Begriffe: Asciburgium (Asberg am Niederrhein) und teutoburgiensis saltus (Teutoburger Wald / Gebirge), was ein *Teutoburgium voraussetzt, eine ‘Volksburg’.
  5. Nach ECKART, Hans Peter in NIEMEYER, Manfred (Hrsg.), Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 43
  6. GRIMM, s. o., Bd 2, Sp 535: „ …burg, die freien blick in das land gewährte und gegen ersten anlauf schirmte, gebaut. Noch engern sinn verbinden wir mit schlosz, claustrum, das den weg oder zugang sperrt, oder mit feste, burgfeste. … In den gedichten des mittelalters sind … oft burg und stat neben einander genannt….“
  7. Wikipedia „Burg“, zuletzt aufgerufen am 16.03.2013: Dort wird u. a. a. hinsichtlich ihrer Erbauer und deren wohn- und wehrtechnischen Zielsetzungen unterschieden sowie rechtlich zwischen Reichs- und Landesburgen, und es werden neben Adels- auch Ordensburgen angeführt, die einer klerikalen Gemeinschaft Schutz bieten bzw. Einfluss sichern (s. Weißenburg im Elsass im Teil 2) und natürlich Stadtburgen bzw. burgartig befestigte Städte sowie Flieh- oder Volksburgen, die einer vollständigen lokalen Bevölkerung vorübergehend als Rückzugsorte in Zeiten der Gefahr dienten. Hierzu zählen auch Kirchenburgen und Wehrkirchen (z. B. in Nennslingen oder Siebenbürgen).
  8. BACH, s. o., § 374
  9. REITZENSTEIN, Wolf Armin, Frh. v.: Lexikon fränkischer Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung, Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 238
  10. WILD, Kurt Richard: Biricianis – zu Herkunft und Bedeutung des Weißenburger Kastellnamens, Treuchtlingen 2004
  11. Alle Belege nach REITZENSTEIN, s. o., S. 238
  12. Der Flurname Kesselfeld, der andernorts auf ein römisches Kastell hinweist, bezieht sich auf das nördlich des ehemaligen Römerkastells liegende, also in einer Senke (= Kessel) liegende Gebiet nahe am Brühlbach, wie der Stadtbach hier heißt. Im 16. – 18. Jahrhundert erscheint nur der Name Im Kessel, vorher ist er nicht fassbar. Näheres s. BEIER, Ulf: Weißenburger Flurnamenbuch. Vom Galgenberg ins Himmelreich. Weißenburger Heimatbücher Band 4, Weißenburg 1995, S. 410
  13. Näheres s. BEIER, Ulf: Von der Höll- zur Paradeisgasse. Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg. Weißenburger Heimatbücher Band, Weißenburg, 2. Auflage 2000, S. 24 u. 107
  14. REITZENSTEIN, s. o., S. 24 und S. 187
  15. Ausführlich und überzeugend dargelegt bei EIGLER, Friedrich: Weißenburg und sein Umland im Jahre 793, in villa nostra 2/1993, S. 15 ff; Ergänzung: WAMSER, Ludwig: Biriciana – Weißenburg zur Römerzeit; Stuttgart 1984, S. 11
  16. Stadtarchiv Weißenburg, B 44/0 (U 1361 IV 21) – Der Garten liegt aber an der heutigen Jahnstraße.
  17. FAHLBUSCH, Bernward: Weißenburg. Werden und Wachsen einer fränkischen Kleinstadt in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung, Band 48, 1998, S. 23
  18. WILSCH, Adolf: Zur Stadtentwicklung von Weißenburg in Bayern, in: UUIZINBURC – WEISSENBURG 867 – 1967, Weißenburg 1967, S. 25
  19. WAMSER Ludwig: Biriciana – Weißenburg zur Römerzeit. Kastell – Thermen – Römermuseum. Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern, Franken Band 1; Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0323-7, S. 10f
  20. WILSCH, s. o., S. 21 ff
  21. BACH, s. o.: „… die Siedlungsnamen der alten Zeit sind in der Regel nicht von den Bewohnern des Ortes selbst gegeben worden, sondern von deren Nachbarn … erteilt worden.“
  22. Bestätigung der These ohne definitive Entscheidung durch Prof. Dr. Albrecht GREULE, Universität Regensburg (Schreiben v. 08.02.2013 an den Verf.) und Dr. Wolfgang JANKA, Universität Regensburg (Gespräch vom 16.05.2013), während Dr. W. A. v. REITZENSTEIN der These skeptisch gegenübersteht (Schreiben v. 24.02.2013 an den Verf.).
  23. Näheres s. STRASSNER, Erich: Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Mittelfranken. Band 2: Stadt- und Landkreis Weissenburg i. Bay, München 1966; Nr. 29
  24. Auswertung nach: 1. Müllers Großes deutsches Ortsbuch. Bundesrepublik Deutschland, bearbeitet von Joachim MÜLLER, 26. Auflage, Wuppertal 1996; 2. Österreichischer Amtskalender 2004/2005, Wien 2004; KREDEL, Otto und THIERFELDER, Franz: Deutsch-fremdsprachiges Ortsnamenverzeichnis. Im Auftrage der Deutschen Akademie in München 1931 (mehrbändig); 3. Amtliches Gemeindeverzeichnis der Schweiz, Bern 1986
  25. Natürlich kann die Hypothese, dass Weißenburg zunächst nur aus dem Grundwort bestand, durch keine schriftlichen Aufzeichnungen belegt werden, aber neben den beiden o. g. Beispielen durch zahlreiche weitere Analogien untermauert werden, z. B. Wörth für Donauwörth, Bruck für Fürstenfeldbruck, Lautern für Kaiserslautern usw., deren Komposita später entstanden sind und somit schriftlich nachweisbar.
  26. Näheres s. KAMMERL, Reiner: Historischer Überblick in: KIESSLING, Gotthard: Denkmäler in Bayern. Stadt Weißenburg i. Bay., Band V. 70/2, München 2001, ISBN 3-87490-582-9, S. XXXIII
  27. EIGLER, s. o., S. 21; ergänzend zur Thematik: HABERKORN, Peter Friedrich: Weißenburg in Bayern. Stationen seiner Geschichte vom römischen Zentralort zur spätmittelalterlichen Reichsstadt. Mammendorf/Obb. 1996; ISBN 3-929168-17-0, v. a. S. 50 f
  28. Die Bernsteinstraße entspricht weitgehend der Bundesstr. 2 (Ostsee (Stettin) – Leipzig – Nürnberg – Augsburg) und ab Augsburg über den Reschenpass nach Italien. Die ehem. Nibelungenstr. führte von Worms über das Jagsttal zur Altmühl und durch die heutige Gunzenhausener Str. und Niederhofener Str. durchs Anlautertal zur Donau nahe Kelheim nach Ungarn.
  29. Der These von Dr. Hermann DANNHEIMER im Kleinen Museumsführer Nr. 9, S. 29, der Name Uuizinburc würde sich von lat. vicinus burgus = benachbarte Burg ableiten, kann nicht zugestimmt werden, da wegen der fehlenden Siedlungskontinuität sich im germanischen Sprachraum für „neue“ Siedlungen keine lateinischen Ortsnamen gebildet haben.
  30. Stadtarchiv Weißenburg, Urkunde 1463 XI 16
  31. Das gilt sinngemäß auch für die Gelbe Bürg am Hahnenkamm nach dem hellbraunen Gestein dort. Die Topographische Karte 1:50.000 des Bayerischen Landesvermessungsamtes München schreibt „Gelber Berg“.
  32. Vgl. 1007 furti = Fürth b. Nürnberg
  33. EIGLER, s. o., S.13 ff
  34. REITZENSTEIN, s. o. , S. 238
  35. Erschwert wird die Unterscheidung zwischen einem Personenamen Wizo und dem Adjektiv weiß (ahd. wiz), durch folgende Umstände: FÖRSTEMANN, Ernst: Altdeutsches Namenbuch, Bd I, Bonn 1900, Spalte 1627, nennt zum Personennamen Wizo folgende weiteren maskulinen Formen: Wizzo, Vizo, Vizzo, Wiza und Vizza. Die schwache Deklinationsform im Genitiv dazu ist ahd. Wizin, aber die schwache Deklination des Adjektivs wiz ist ebenfalls wizin. Mhd. und nhd. Namensformen zu Wizo sind nicht bekannt.
  36. BERGMANN Rolf, in NIEMEYER, s. o., S. 679 – Die Bezeichnung von 1491 stammt von der Cusanus-Karte (German. Nationalmuseum, Nürnberg), die von 1592 stammt von der Matrikel der Universität Wittenberg, editit C. E. Foerstemann, Leipzig 1841, hsgg. v. Natebus und Hackradt, Halle 1894
  37. KAMMERL in KIESSLING, s. o., S. LXVIII, Anm. 1 und 2
  38. D. h. die Siedlung ist spätestens im 9. Jahrhundert urkundlich oder archäologisch nachweisbar.
  39. Alle Beispiele nach BERGER, Dieter: Duden, Geographische Namen in Deutschland, Mannheim u.a. 1993, NIEMEYER, s. o., und REITZENSTEIN, s. o.