Galgenbergsiedlung in Weißenburg, Geschichte der Siedlung nach 1945

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Die Bebauung der Frühlingstraße lässt noch die ehemalige Baustruktur erahnen.

Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich die Galgenbergsiedlung zu einem bedeutenden Stadtteil Weißenburgs als eine Art Nordstadt mit etwa 3.000 Einwohnern.

Bebauung nach dem Zweiten Weltkrieg

1949 begann die Bebauung der Südseite der Galgenbergstraße. 1950 hatte die Siedlung bereits 100 Häuser. Sie war jetzt so groß, dass der Stadtrat beschloss, Straßennamen einzuführen, und zwar nach Flurnamen: Galgenbergstraße, Am Grasigen Weg, Schlüsselackerweg, Kreuzweg, Rennweg sowie Talweg, Habermühlweg und Am Hirschfeld.[1]

Das Angebot in der Ladenzeile der Galgenbergstr. ist deutlich geschrumpft.

Damals waren es kleine, ebenerdige, spitzgiebelige Siedlungshäuschen mit ausgebautem Dachgeschoss als Doppelhäuser. Ab den 1950er Jahren gaben immer mehr Siedler im alten Teil die Viehhaltung auf und bauten meist im ehem. Stall das ersehnte Bad ein. Nach und nach wurden alle Häuser umgebaut, aufgestockt, angebaut und erweitert. Die Siedlung, die ursprünglich nur von der Nürnberger Straße bis zum Habermühlweg ging, wuchs östlich weiter bis zur Jahnstraße. Die ältesten Teile sind auch daran zu erkennen, dass dort die Straßen nach Flurnamen benannt sind, die späteren Teile der Siedlung nach Laubbäumen[2]und die Bebauung ist bereits großzügiger. Aus den ursprünglichen Nutzgärten sind fast überall Zier- oder Spielgärten geworden. Trotzdem hat sich der schöne Brauch erhalten, dass sich seit 1951 bis heute die Kinder der Siedlervereinigung am Erntedankzug der St. Andreas-Kirche mit mehreren Leiterwagen voll Lebensmittel beteiligen.

Die sanierten Wohnblöcke am Habermühlweg (2015)

Neubaugebiete ab 1950

Ab 1950 wurden die Neubaugebiete Am Hirschfeld und in der Frühlingsstraße erschlossen. Der Kreuzweg wurde bis zur Lindenstraße verlängert. Das wurde u. a. möglich, weil die Baracken am Habermühlweg, die nach dem Krieg vielfach mit Flüchtlingen und Heimatvertriebenen belegt wurden, abgerissen werden konnten. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade in diesen Straßen sehr viele Sudetendeutsche, Schlesier und Ostpreußen ein neues Zuhause fanden. An der Frühlingsstraße 4 und 6 entstanden 1955 Wohnblocks der "Wohnungsgenossenschaft Eigenheim eG Weißenburg", die auch am Habermühlweg 20 und 22 im Jahre 1965 die Wohnblöcke errichtete und 1973 den Wohnblock Habermühlweg 24.

1955 bekam die Siedlung ihr eigenes Gasthaus, die "Frische Quelle", die als Gemeinschaftsarbeit in der Galgenbergstraße entstand und von Fritz Pfeiffer sen. geführt wurde. Die Gaststätte war jahrelang der gesellschaftliche Mittelpunkt der immer größer werdenden Siedlung. Siedlerversammlungen, Wahlveranstaltungen, Kappenabende, Maifeiern usw. waren hier immer bestens besucht. Lebten in der alten Siedlung fast ausschließlich Arbeiter- und Handwerkerfamilien, so waren auch in den neuen Teilen diese Berufsgruppen besonders stark vertreten und gegenseitige Hilfe beim Hausbau war groß geschrieben, was den Gemeinschaftsgeist förderte und die Integration der Heimatvertriebenen begünstigte.[3]

Am Talweg wurde 1957 das Jugendheim der Siedlervereinigung in Eigenleistung errichtet. Die damalige Jugendgruppe war sehr aktiv (Theaterspiel, Faschings- und Herbstbälle, Tischtennis, Mundharmonikaorchester u. a.).

Das 2012/13 renovierte evang. Gemeindezentrum, jetzt Philipp-Melanchthon-Haus, ist das geistliche Zentrum.

Versorgung der Bevölkerung

In der westlichen Galgenbergstraße entstand eine Ladenzeile. Zwei Metzgereien, zwei Bäcker und ein Milchgeschäft mit Lebensmitteln eröffneten ihre Pforten. Darüber hinaus gab es natürlich auch noch andere Geschäfte (z. B. Lotterieannahmestelle, Friseure usw.). Heute ist das Angebot jedoch deutlich geschrumpft. Zum einen gibt es Supermärkte mit einem riesigen Angebot und zum anderen besitzt fast jeder Haushalt ein Auto, mit dem größere Einkäufe erledigt werden können. Ein Kühlschrank ist seit den 1960er Jahren Standard, sodass die Vorratshaltung oft keinen täglichen Einkauf erforderlich macht.

Der evang. Kindergarten "Tausendfüßler" ist ein sozialer Mittelpunkt vor allem für junge Familien.

Ende der 1950er Jahre wurde die Ausfahrt aus der Siedlung auf die Nürnberger Straße vom Grasigen Weg zur Galgenbergstraße verlegt. Ab 1954 entstanden auf der Westseite der Nürnberger Straße die Hermann-Gutmann-Werke. Ab 1961 konnten in der Altsiedlung die ersten Straßen asphaltiert werden, die bisher nur wassergebundene Wege waren.[4] Die Lindenstraße schloss zunächst die östliche Erweiterung ab, ehe ab 1960 mit dem Buchenweg, dem Eichenweg und der Ulmenstraße eine Bebauung bis zur Jahnstraße erfolgte. Die Stadt Weißenburg errichtete am Birkenweg einen großen Wohnblock für Familien der Stadt. 1962 wurde das evangelische Gemeindezentrum zusammen mit dem 3. Pfarrhaus und dem Kindergarten errichtet. Es wurde der geistige Mittelpunkt der Siedlung, 2013 generalsaniert und heißt seither Philipp-Melanchthon- Haus. In den Wintermonaten finden hier die evangelischen Frühgottesdienste statt, die sonst in der Spitalkirche abgehalten werden.

Der Bauplatz war zunächst für eine katholische Kirche vorgesehen. Als diese den Platz nicht nahm, erhielt ihn die evang.-luth. Gemeinde. Die katholische Pfarrgemeinde errichtete die Heilig-Kreuz-Kirche als ihr zweites Gotteshaus in Weißenburg dann 1962-64 an der Jahnstraße. Dieses war durch die Aufnahme der vielen katholischen Heimatvertriebenen - vor allem aus dem Sudetenland und (Ober-)Schlesien - notwendig geworden.

In den 1960er Jahren entstanden auch größere Wohnblocks wie hier am Birkenweg.

Mit der Bebauung der Rothenburger Str. und den Straßen zwischen dieser und der Bergerstr. in den 1960er Jahren war aus der Stadtrandsiedlung ein Stadtteil geworden.

Heutiger Zustand

2015 gibt es in der Galgenbergsiedlung zwei Metzgereien, eine Bäckerei, zwei Fahrschulen, ein Elektrofachgeschäft, einige Spezialgeschäfte und in der Rothenburger Straße neben einem Spezial-Lebensmittelgeschäft eine Sparkassenfiliale, eine Allgemeinärztin, eine Apotheke, eine Physiotherapie-Praxis und das Rot-Kreuz-Heim mit einem Saal und einer Gaststätte. Somit verfügt der Stadtteil heute über viele wichtige Infrastruktureinrichtungen.

Quellen

  • DÖBLER, Hermann: Handschriftliche Aufzeichnungen zur Geschichte der Galgenbergsiedlung für Ulf Beier, Weißenburg, Januar 2015
  • ENGELHARDT, Jürgen: Die Entwicklungsgeschichte der Galgenbergsiedlung Weißenburgs von den Anfängen bis zum außerordentlichen Wohnungsbauprogramm 1934; Facharbeit aus der Erdkunde am Werner-von-Siemens-Gymnasium Weißenburg bei Gustav Mödl, StR, 1982 (Kopie eines Schreibmaschinenskripts, von Reinhard Schwirzer, OB i. R., für Ulf Beier zur Verfügung gestellt)
  • GLATZ, Klaus: Analyse der Siedlung am Galgenberg Weißenburg in soziologischer und baugeschichtlicher Hinsicht nach dem Stand vom 1. Oktober 1967, abgeschlossen 17. November 1967, Manuskript im Stadtarchiv Weißenburg, Nr. 12.257, S. 9
  • MÖßNER, Fritz: Jetzt red "Ih" über 50 Jahre Galgenberg Weißenburg. Chronik unserer Siedlung sowie Gedichtli vum Galgenberch und drumrum o. J. (1982). Broschüre zum 50-jährigen Vereinsjubiläum der Siedlervereinigung; Schreibmaschinenskriptum, gedruckt, Stadtarchiv Weißenburg Nr. Z 190

siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. Näheres s. BEIER, Ulf: Von der Höll-zur Paradeisgasse, Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, 2. Auflage, Weißenburg 2000
  2. Die hier vorkommenden Flurnamen waren aufgebraucht, vgl. BEIER, Ulf, s. o., S. 150
  3. Näheres dazu bei GLATZ, Klaus, s. o., über die Sozialstruktur der Galgenbergsiedlung 1967, S. 20 ff
  4. Mit Hermann Döbler (SPD) war ab 1961 auch ein Vertreter aus der Siedlung im Stadtrat.