Josef Reinfuss

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Josef Reinfuss
Josef Reinfuss (* 11. September 1930 in Alt Sandez) ist ein vielseitig interessierter Weißenburger Bürger, aber vor allem als Grafiker und Musiker bekannt, der sich in den Dienst der Gemeinschaft stellt.

Leben

Josef Reinfuss war eines von sechs Kindern der Familie eines Schuhmachermeisters in der deutschen Sprachinsel Alt Sandez im südlichen Polen, etwa 60 km Luftlinie südöstlich von Krakau, nahe der Grenze zur Slowakei (polnisch Stary Sącz). Anfang 1945 flüchtete die Familie vor den herannahenden sowjetischen Truppen und kam nach einer langen Irrfahrt mit vielen Zwischenstationen und gefährlichen Situationen 1946 auf der Wülzburg an. Nach einem Jahr bekam die Familie dann eine Wohnung in einer Holzbaracke in der Galgenbergsiedlung zugewiesen, ehe sie sich wohnlich verbessern konnte. Josef Reinfuss lebt seit dieser Zeit in Weißenburg.

Ihm wurde der Besuch der Kunstakademie in Ellingen wegen deren Rückverlegung nach Nürnberg vereitelt. So arbeitete er zunächst als Technischer Zeichner und Konstrukteur (Fa. Eisenbau Häupler Weißenburg) sowie als Feinmechaniker (Fa. Richter und Berghausen) und Industriemeister und Techniker (Fa. Eckert Ziegler, Weißenburg) und wurde wiederholt wegen seiner grafischen Begabung bei schwierigen Zeichnungen ins Konstruktionsbüro der Fa. Krauss-Maffei nach München berufen. Nebenamtlich unterrichtete Reinfuss an der Staatlichen Realschule Weißenburg Technisches Zeichnen. Schließlich war er bei der Stadt Weißenburg und dann beim Landratsamt als Grafiker vor allem im Werbebereich tätig.

Tuschzeichnung: Schweppermannsbrunnen in Weißenburg

1959 heiratete Josef Reinfuss die Sparkassenangestellte Agnes Mettendorf aus Weißenburg. Der Ehe entstammen eine Tochter (Gabriele, Gymnasiallehrerin in Wertingen) und ein Sohn (Norbert, Baudirektor in Augsburg). 1995 ging Josef Reinfuss in Rente, nicht aber in den Ruhestand.

Künstlerisches Wirken

Schon bei seiner Ankunft im "Flüchtlingslager" auf der Wülzburg erkannte der Lagerleiter Gabrisch Reinfuss' künstlerische Begabung und übertrug ihm grafische Arbeiten. Vor allem stammen viele Federzeichnungen mit Landschafts- und Städtemotiven von ihm, die in Städtemappen zu je sechs Blättern zusammengefasst sind. Daneben schuf Reinfuss zahlreiche Aquarelle und kleinere und größere Buchillustrationen.

Als Grafiker hat er neben Zeichnungen auch Plakate entworfen, ist als Schriftgestalter in Erscheinung getreten und hat in der Anfangsphase der Entstehung des Fränkischen Seenlandes die ersten Werbeprospekte gestaltet und wurde u. a. auch in das neu errichtete Fremdenverkehrsamt in Gunzenhausen als Grafiker berufen.

Aquarell: Ellinger Tor in Weißenburg

Seine Vielseitigkeit beweist Reinfuss unter anderem auch durch Gravuren und die Erstellung von in Kupfer getriebenen Reliefs.

Schließlich sind seine musikalischen Fähigkeiten zu erwähnen, u. zw. sowohl als Sänger (Tenor) in mehreren Chören und als Solist als auch als Rhythmiker, zunächst an der Trommel im deutschen Jugendverein seiner Heimatstadt, dann am Schlagzeug der Tanzkapelle "Amigos" in Weißenburg und schließlich auch im Mundharmonikaorchester Gunzenhausen.

Darüber hinaus war und ist Reinfuss immer wieder ehrenamtlich grafisch und musikalisch tätig.

Bleistiftzeichnung: St. Georg als Drachentöter

Würdigung

"Josef Reinfuss legt auf die detailgetreue Wiedergabe viel Wert, die spitze Tuschfeder ist hier unbarmherzig und verzeiht keinen Fehler. Da muss man ein Könner sein. Wie sehr ihm Weißenburg und das Umland ans Herz gewachsen sind, zeigen seine zahlreichen Federzeichnungen mit Motiven, die auch in Mappen angeboten werden. Der ehemalige Technische Zeichner hat gelernt, exakt zu beobachten und genau zu zeichnen. Diese Fähigkeit zum einen und das Talent und der Fleiß zum anderen zeichnen seine Arbeiten aus. Dies wird z. B. deutlich, wenn man darauf achtet, mit wie viel Können und Geduld das Blattwerk eines Baumes von Reinfuss ausgeführt wird. Und weil der Betrachter diese Hingabe merkt und empfindet, sind viele der Reinfuss-Werke begehrte Objekte für Sammler und Liebhaber."[1]

Es geht dem Künstler aber nicht um eine möglichst naturalistische Darstellung, sondern sowohl die Auswahl des Blickwinkels für sein Motiv als auch die Akzentuierung in der Darstellung, die Licht- und Schatteneffekte und die Herausarbeitung der Perspektive kennzeichnen seine Werke, wobei der künstlerische Umgang mit so vielen Materialien seine Stärke ist.

Weblinks

Literatur

Fußnoten

  1. Ulf Beier anlässlich der Ausstellungseröffnung "Kunst und Klang" im evang. Gemeindehaus Weißenburg am 10. Oktober 2004