Dettenheim

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Jagdschloss Dettenheim von der Gartenseite
Jagdschloss Dettenheim von der Straßenseite

Dettenheim ist ein Stadtteil von Weißenburg.

Das Dorf liegt im Naturpark Altmühltal und in der Nähe der Europäischen Wasserscheide. Die ehemals selbstständige politische Gemeinde mit rund 460 Einwohnern (Stand: 1. Juli 2009) wurde am 1. Juli 1972 mit den damaligen Gemeindeteilen Markhof und Stadelhof Stadtteil der Großen Kreisstadt Weißenburg.[1]

Lage

Dettenheim (425-450 m ü. NN) liegt etwa fünf Kilometer südlich von Weißenburg an einer seit der Antike wichtigen Nord-Süd-Fernstraße, der alten Bernsteinstraße von der Ostsee in den Mittelmeerraum. Oberhalb von Dettenheim entspringt die Schwäbische Rezat in etwa 900 Meter Entfernung vom Ortskern und fließt dann in nördlicher Richtung nach Weißenburg und weiter nach Georgensgmünd, wo sie sich mit der Fränkischen Rezat zur Rednitz vereinigt. Mitten durch den Ort führt die Bundesstraße 2, welche von Berlin und Nürnberg herkommend weiter nach Augsburg und München führt. Zu Fuß ist Dettenheim auf dem Frankenweg erreichbar, einem Fernwanderweg, der auf 527 km Länge vom Rennsteig zur Schwäbischen Alb führt.

Kirche St. Nikolaus

Geschichte

Überreste römischer Gutshöfe südlich und nördlich des Markhofes sowie ein frühmittelalterliches Gräberfeld belegen eine weit über die erste urkundliche Erwähnung als „Tetenheim" im Jahr 914 hinausreichende Siedlungsgeschichte. Der Name Dettenheim bedeutet "Siedlung, Heim des Sippenführers Tato".[2]

Wohl im Zuge des Baus des Karlsgrabens, der „Fossa Carolina" (793) erfuhr die kleine Siedlung ihren planmäßigen Ausbau zu einem langgestreckten Straßendorf entlang der in der Nähe entspringenden Schwäbischen Rezat. Der Charakter als Bachangeranlage ist dabei trotz der ab den 1960er Jahren erfolgten Verrohrung des Baches erhalten geblieben.

1552 wurde in Dettenheim die Reformation eingeführt. Während des Spanischen Erbfolgekrieges wurde das Dorf 1704 durch französische Truppen geplündert und die sogenannte "Sternschanze" errichtet. Jahrhundertelang gehörte Dettenheim zum Herrschaftsbereich der Dettenheimer Marschälle von Pappenheim. Diese bauten sich im Jahr 1721/22 am nördlichen Dorfrand ein erstes Schlösschen, das 1782/83 wieder abgetragen und durch das neue Schlösschen am Südausgang des Dorfes ersetzt wurde. Im dortigen Fachwerkstadel (erbaut 1814) befindet sich seit 1956 die kath. Scheunenkirche St. Gunthildis. Der Bau wurde notwendig, weil nach dem 2. Weltkrieg zahlreiche katholische, meist sudetendeutsche, Heimatvertriebene in Dettenheim Aufnahme fanden; 1939: 308 Einwohner, davon 7 kath., 1946: 488 E., davon 148 kath.

Die Hauptkirche ist die evang.-luth. Kirche St. Nikolaus und St. Barbara, geweiht durch Bischof Gundekar II., wohl um 1070. 1436 bzw. 1480 wurde die Gemeinde selbstständig, die bis dahin zur Pfarrei Emetzheim gehörte. Das Untergeschoss des Turmes stammt aus dem Mittelalter, das Langhaus wurde 1862 neu erbaut, 1903 wurde das Dach mit bunten Ziegeln eingedeckt.[3]

Ortsbeschreibung

Die im Jahr 2011 laufende Dorferneuerung und der geplante Bau einer Umgehungsstraße anstelle der Bundesstraße 2, welche Dettenheim auf der Trasse der alten Fernhandelsstraße nahezu in der Mitte durchschneidet, werden das Gesamterscheinungsbild des Dorfes nachhaltig verändern.

Wappen

ehemaliges Wappen der Gemeinde Dettenheim

Mit der Eingemeindung wurde auch das am 27. Juli 1971 von der Regierung von Mittelfranken genehmigte Gemeindewappen ungültig. Das silberne Schildhaupt mit dem dreiblättrigen grünen Buchenzweig war ein Hinweis auf die charakteristische Flora der Alblandschaft. Die darunter, in wellenförmig blau und silber geteilten Feldern, nach verschiedenen Richtungen schwimmenden Fische sollten die Lage an der europäischen Wasserscheide dokumentieren; gleichzeitig erinnerten die verwendeten Farben an die historische Zugehörigkeit zu den Marschällen von Pappenheim.

Literaturhinweise

  • Karl Roth: Tatinhain die Siedlung an der „Schwäbischen Rezat", Dettenheim 2001;
  • Gotthard Kießling: Stadt Weißenburg i. Bay., Denkmäler in Bayern V.70/2, München 2001, S. 224-235;
  • Friedrich Eigler: Die früh- und hochmittelalterliche Besiedlung des Altmühl-Rezat-Rednitzraums (Eichstätter Geographische Arbeiten 11), München und Wien 2000, S. 115-126;
  • Unser Bayern, Jahrgang 21, Heft 4, München 1972.

Weblinks

Fußnoten

  1. Der ursprüngliche Text wurde von der Stadt Weißenburg zur Verfügung gestellt. Erweiterungen durch Autoren sind in der Versionsgeschichte nachzulesen Quelle: Stadt Weißenburg
  2. BEIER Ulf: von der Höll- zur Paradeisgasse, Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, 2. Aufl., Weißenburg 2000, S. 48
  3. BEIER Ulf, s. o. , S. 86