Else Model

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Else Model

Else Model (* 18.Juni 1871 - † 12. März 1953) war eine Weißenburger Schriftstellerin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich mit vorwiegend religiös-sozialen Erzählungen vor allem an Kinder und Jugendliche wandte.

Leben

Ein Lebensbild von Else Model zu skizzieren, ist bei den leider nur spärlich vorhandenen Angaben nicht einfach. Gestützt auf Erzählungen älterer Weißenburger Bürgerinnen und Bürger, die Else Model noch kannten, und eine kleine Sammlung überlieferter Briefe ergibt sich folgende Schilderung:

Else Model wurde in Nördlingen als dritte Tochter von vier Kindern des königlichen Bezirksarztes Dr. August Model geboren. Ihre Mutter, Anna Hörning, stammte aus Löwenstein in Württemberg. Über die Kindheit, Jugend und Ausbildung von Else Model ist nichts überliefert. Nach dem Ruhestand ihres Vaters zog die Familie nach Weißenburg 1897 nach Weißenburg und wohnte in der Eichstätter Straße 693 (heute Nr. 7). Das Haus war im Besitz des Institutsdirektors Schröder, der hier für auswärtige Schüler ein Internat unterhielt (später verkauft er das Haus an die Gärtnerei Ascheneller, den Vorgänger der Gärtnerei Löw). Else Models Vater starb 1909, fand aber nicht in Weißenburg seine Ruhestätte.

Else Model verbrachte ihren Lebensabend im Caritas-Altenheim in der Holzgasse und starb im Alter von fast 82 Jahren in Weißenburg.

Schriftstellerisches Schaffen

Das ganze Leben von Else Model war von der besonderen Fürsorge und Liebe zu ihrer von Kindheit an gelähmten Schwester Marie bestimmt. Diese Tatsachen fanden in allen Erzählungen ihren Niederschlag. Ihre Eintragung in einem Gästebuch könnte als Überschrift über all ihren Büchern stehen: "Ein Wassertropfen vermag die Sonne widerzuspiegeln, sollte nicht auch ein frommes Herz die Strahlen Gottes Widerspiegeln?"


Ihre Arbeiten sind von stark religiösen Gefühlen geprägt. Sie war tief gläubig und widmete sich der religiösen Betreuung vieler Kinder. Sie übernahm den Kindergottesdienst in der Kinderlehrkiche (heutiges Kulturzentrum Karmeliterkirche). Oft ging sie mit ihren "Lieben" in die Natur, um ihnen dort die Schönheit der Pflanzen- und Tierwelt nahezubringen. Die Liebe zur Heimat und ihrer wechselvollen Geschichte tauchte immer wieder in ihren Büchern auf. Stets ging es der Schriftstellerin darum, den jugendlichen Lesern den Glauben an Gott und Tugenden wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Treue und Liebe zu vermitteln. Sie verstand es gut, die Sensibilität für soziale kindliche Bedürfnisse zu wecken.

Else Model war eine Schriftstellerin ihrer Zeit, in der Begriffe wie Glaube und Heimat einen hohen Stellenwert besaßen. Ihre Schriften fanden überregionale Beachtung. Bedeutende Verlage, wie zum Beispiel der Stuttgarter Thienemann Verlag[1], einer der ältesten und größten deutschen Kinder- und Jugendbuchverlage, verlegte ihre Bücher. Der Maler, Grafiker, Zeichner und Illustrator Paul Hey[2], bekannt u. a. durch Märchenbilder für eine Zigarettenbilderserie, illustrierte ihre Werke.

In ihrem wohl bekanntesten Buch "Li-Lo. Aus dem Wunderland Indien zur Nürnberger Großmutter" spiegelt sich die Kindheit der Weißenburger Fabrikantenwitwe Lilly Tröltsch, geborene Oberwegener, wider.

Viele Handlungen in anderen Erzählungen Else Models spielen vor dem Hintergrund Weißenburgs, so z. B. am Seeweiher, im Schwesternheim am Hof oder beim Seifensieder in der Rosengasse. Sehr bekannt ist auch "Die Katzenlore", die im Scheibleinsturm spielt. Eines ihrer Bücher hat Else Model der Bilderbuchautorin Gertrud Caspari[3] gewidmet. Mit den Jugendbuchautorinnen Johanna Spyri[4] („Heidi“) und Agnes Sapper[5] („Familie Pfäffling“), die ja in ganz ähnlicher Art erzählen, steht sie in Verbindung.

In einem ihrer Briefe schwärmte sie von dem wundervollen Novellenband der Schriftstellerin Luise Francois (1817-1893): „Zu dem Packendsten, was ich jemals gelesen habe, gehört „Die Frau auf dem Posten" aus der Zeit Friedrichs des Großen." Else Models äußere Erscheinung verriet den Geist vergangener deutscher Romantik. Sie pflegte gerne Konversation in "Damenkränzchen", die Geschichte, Kunst, Literatur und Musik zur Unterhaltung hatten. Es ging der Dichterin nicht um frauenrechtliche Belange. Sie war eine Persönlichkeit, die auf Grund ihres dichterischen Schaffens und ihrer sozialen Fürsorge hochgeachtet wurde.[6]

Bei ihren Untersuchungen fand Almut Binkert nachfolgenden Sinnspruch, der Else Models Lebensmotto symbolisieren könnte:


Gott zum Geleit

in unseren Tagen

in unserer Zeit

mit frischem Mut

zu allen Fragen,

's wird früher Tagen,

's wird alles gut!

Straßenbenennung

Zur Erinnerung an sie hat die Stadt Weißenburg im Jahre 1984 eine Straße nach Else Model benannt. Es ist die bisher einzige Straße in Weißenburg, die nach einer Frau benannt ist.[7]

Bücher von Else Model im Stadtarchiv Weißenburg

Sonnenvögelein
  • Li-Lo. Aus dem Wunderland Indien zur Nürnberger Großmutter. K. Thienemanns Verlag Stuttgart o. J.
  • Leonhard Herdegens wundersamer Feiertag. Dreizehn Erzählungen für junge Menschen, K. Thienemanns Verlag Stuttgart o. J.
  • Allerlei Weihnachtslichter. Vier Erzählungen für die Jugend. Art. Institut Orell Füssli Zürich o. J.
  • Die Katzenlore im Stadtmauerturm und andere Geschichten. K. Thienemanns Verlag Stuttgart o. J.
  • Weihnachten überall. Sieben Weihnachtserzählungen. K. Thienemanns Verlag Stuttgart o. J.
  • Sonnenvögelein und andere Geschichten. K. Thienemanns Verlag Stuttgart 1921
  • Christkindleins schönste Weihnachtsgabe. K. Thienemanns Verlag Stuttgart 1933
  • Wie Cecchino eine Heimat fand und Der Herr Berggeist. J. G. Oncken Verlag Stuttgart 1946
  • Der Strafonkel. J. G. Oncken Verlag Stuttgart 1946
  • Großmutter Elisabeths Enkelkinder. In der Schule des Lebens und Vorwärts zum Ziel. K. Thienemanns Verlag Stuttgart 1951
  • Weckstimmen. Erzählungen für Jung und Alt. Hrsg. von Bruno Mehmke, 2. Heft:
  • Der Waldhof
  • Großmutters Garten
  • Gott lobt die Treue
  • Jugend- und Volksschriften Verlag Stuttgart o. J.
  • Zwei Freunde. Jesu, gib gesunde Augen! Vom Segen teilnehmender Liebe. Erzählungen aus der Gegenwart. Hrsg. von Bruno Mehmke, 49. Heft. Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland Elberfeld o. J.
  • Christrosen. Erzählungen für Jung und Alt. Hrsg. von Bruno Mehmke, 134. Heft:
  • Des lieben Gottes Gelegenheiten. Aus den Erfahrungen eines Arztes, erzählt von Else Model
  • Gerecht erworbenes Gut geht nicht zugrunde. Nach einer persischen Sage. Von Else Model
  • Veronika. Von Geigenfrieders kurzem Glück nach langem Leid und endlichem Trost. Erzählung von Else Model. Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland Elberfeld o. J.

Weitere Werke von Else Model

  • Das fünfte Rad und andere Geschichten. K. Thienemanns Verlag Stuttgart 1929
  • Zum goldenen Genügen. Verlag Steinkopf Stuttgart o. J. (1932)
  • Die Kinder vom Pfrontner Tal - Eine Erzählung aus den Pfrontner Bergen. K. Thienemanns Verlag Stuttgart 1933
  • Weihnachten im Knittlinger Doktorhaus. Leufgens Verlag Stolberg i. Rheinld. 1966

Weblinks

Bücher von Else Model bei Amazon (Antiquariat)

Fußnoten

  1. siehe Verlagshomepage Wikipedia
  2. Große Bekanntheit erzielte Paul Hey mit Illustrationen für die Deutschen Märchen in der Serie von Zigarettensammelbildern im Auftrag von Reemtsma. Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Hey Biographie von Paul Hey bei Wikipedia, Paul-Hey-Gesellschaft. Bildsammlung zu Paul Hey http://www.surlalunefairytales.com/illustrations/illustrators/hey.html auf SurLaLuneFairTales.com
  3. Biographie hier
  4. Biographie Johanna Spyri auf Wikipedia
  5. Biographie Agnes Sapper auf Wikipedia
  6. Quelle: Almut Binkert: Else Model - eine Weißenburger Schriftstellerin in "villa nostra", Heft 3/1991
  7. BEIER Ulf: Von der Höll- zur Paradeisgasse, Straßen- und Wohnstättennamen in Weißenburg, 2. Auflage, Weißenburg 2000, S. 54